Nationalparkdefinition der IUCN (International
Union for Conservation of Nature and Natural Resources)(Kategorie III
der UN-Liste)
Ein Nationalpark ist ein
verhältnismäßig großes Gebiet, in dem ein oder mehrere
Ökosysteme nicht wesentlich durch menschliche Nutzung oder Inanspruchnahme
verändert sind und in dem Pflanzen- und Tierarten, geomorphologische
Erscheinungen sowie Biotope von
besonderer Bedeutung für Wissenschaft, Bildung und Erholung sind.
Oder aber es handelt sich um eine besonders schöne, natürliche
Landschaft, aufgrund dessen die oberste zuständige Behörde des
betreffenden Staates Maßnahmen getroffen hat, im gesamten Gebiet
so früh wie möglich die Nutzung oder jede andere Inanspruchnahme
zu verhindern oder zu beseitigen und wirksam sicherzustellen, dass die
ökologischen, geologischen, morphologischen oder ästhetischen
Eigenschaften, die zur Ausweisung des Schutzgebietes geführt haben,
unantastbar bleiben und in dem Besuchern unter bestimmten Bedingungen
zur Erbauung, Bildung, Kulturvermittlung und Erholung Zutritt gewährt
wird.
Vorrangiges Ziel der Nationalparks ist damit der Erhalt möglichst artenreicher, einheimischer Lebensgemeinschaften durch das Zulassen von natürlichen Entwicklungen und Sukzessionen ohne lenkende Eingriffe des Menschen. Wirtschaftliche Nutzungen der natürlichen Ressourcen durch Land-, Forst-, Wasserwirtschaft, Jagd oder Fischerei sind dadurch weitgehend ausgeschlossen. Soweit es der jeweilige Schutzzweck erlaubt, können Nationalparks der Allgemeinheit zugänglich gemacht und für naturnahe Erholungsformen und für Bildung erschlossen werden. Außerdem dienen sie der Naturschutzforschung.
Die deutschen Nationalparks sind weitgehend "Ziel-Nationalparks", d.h., sie erfüllen gegenwärtig in Teilen die Kriterien für eine ungestörte Naturentwicklung. Sie sollen vielmehr durch Steuerungsmaßnahmen zu diesem Ziel hingeführt werden. Die Richtlinien der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) geben vor, dass mindestens 75 % der Gesamtfläche einem weitgehend naturnahen Zustand entsprechen und keiner Nutzung unterliegen dürfen, um auch international als Nationalpark anerkannt zu werden.
Die Ausweisung von Nationalparks erfolgt in Deutschland durch die Bundesländer im Benehmen mit dem Bundesumweltministerium und dem Bundesbauministerium.
Übersicht über die Nationalparks
in Deutschland
Derzeit gibt es in Deutschland 13 Nationalparks mit einer Gesamtfläche
von 730505 ha:
Die folgende Tabelle gibt detailliertere Informationen zu den 13 Nationalparks, ihrem Gründungsjahr, ihrer Gesamtfläche in ha und den dort vorrangig geschützten Lebensräumen:
| Nationalpark (Bundesland) |
Grün-
dungs- jahr |
Gesamt-fläche (ha)
|
vorrangig geschützte Lebensräume |
| Bayerischer Wald (BY) |
1970
|
24250
|
Bergmischwälder, Hochlagenmischwälder, Moore, Zwergstrauchheiden |
| Berchtesgarden (BY) |
1978
|
20776
|
alpine Ausprägungen von Felsen, Matten, Gebüschen, subalpine, montane und submontane Wälder, Almen, Seen |
| Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (SH) |
1985
|
273000
davon ca. 2,3 % Landfläche |
Wattenmeer, Salzwiesen, Polder ohne Inseln und bewohnte Halligen |
| Nieder- sächsisches Wattenmeer (NI) |
1986
|
236330
davon ca. 9 % Landfläche |
Wattenmeer, Salzwiesen, Polder, Ostfriesische Inseln |
| Hamburgisches Wattenmeer (HH) |
1990
|
11700
davon ca. 3 % Landfläche |
Wattenmeer im Mündungsgebiet der Elbe mit starkem Gezeiten- und Brackwassereinfluss |
| Jasmund (MV) |
1990
|
3003
davon ca. 79 % Landfläche |
unterschiedliche Buchenwälder auf Kreidestandorten, Kreidesteilküste |
| Hochharz (ST) |
1990
|
5868
|
Fichtenhochlagen- wälder, Moore, Bergheiden, Block- halden und Felsformationen |
| Sächsische Schweiz (SN) |
1990
|
9300
|
Fels-Wald-Komplexe, wärme- und trockenheitsliebende Wälder, Schlucht- und Schatthangwälder, submontane Wälder |
| Müritz- Nationalpark (MV) |
1990
|
31878
|
Buchen-, Bruch-, Kiefernwälder, Seen und Feuchtgebiete |
| Vorpommersche Boddenlandschaft (MV) |
1990
|
80500
davon ca. 15 % Landfläche |
Boddengewässer, unterschiedliche Küstenformationen und Wälder |
| Harz (NI) |
1994
|
15800
|
hoch montane Fichtenwälder, Buchenwälder, Moore, Fließgewässer |
| Unteres Odertal (BB) |
1995
|
10500
|
Flussauenlandschaft, Altarme und Altwasser, Röhricht- und Schilfbestände, Grünland, Überflutungsflächen |
| Hainich (TH) |
1997
|
7600
|
Laubmisch- und Buchenwälder auf Kalkgestein in unterschiedlichen Sukzessionsstadien |
Gesamtfläche mit Nord- und Ostseeflächen |
730505 ha
|
(ca. 2,0 % des Bundesgebietes)
|
|
Gesamtfläche ohne Nord- und Ostseeflächen |
168200 ha
|
(ca. 0,5 % des Bundesgebietes)
|
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Der Nationalpark Elbtalaue ist wegen des schwebenden Verfahrens nicht berücksichtigt.
Werden nur die Binnenlandflächen berücksichtigt, nimmt die Gesamtfläche der Nationalparks ca. 0,5 % des Bundesgebietes ein. Internationale Anerkennung durch die IUCN erlangten bisher die Nationalparks Bayrischer Wald, Berchtesgarden und Jasmund.
Bundesweit betrachtet sind weder die großen Naturräume noch die wichtigsten Großökosysteme Deutschlands vollständig durch Nationalparks geschützt. So sind folgende für Deutschland repräsentative Landschaftselemente nicht bzw. nicht ausreichend vertreten:
In Deutschland finden sich noch einige potenzielle Standorte für Nationalparks, die dazu beitragen könnten, diese Lücken im nationalen Schutzgebietssystem zu schließen.
Der Aufbau eines Schutzgebietssystems, das unter Berücksichtigung der Nationalparks alle für Deutschland repräsentativen Landschaften mit ihren natürlichen und naturnahen Ökosystemen umfasst, ist eine Herausforderung für Bund und Länder.
(Textauszüge, Tabelle und Grafik mit freundlicher Genehmigung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Daten zur Natur 1999)