





Pilze stellen eine artenreiche Organismengruppe (man kennt etwa 100 000 Arten) dar. Zu den Pilzen gehören z. B. Hutpilze, Schimmelpilze und Hefepilze.
Pilze sind eukaryotische Organismen (kernhaltige Zellen), die kein Chlorophyll enthalten. Sie bilden in der biologischen Systematik ein eigenes Reich (Fungi).
Bau der Hutpilze
Gräbt man vorsichtig einen Hutpilz aus dem Boden heraus und entfernt
die Erde, dann findet man am Ende des Stiels ein feines weißes Geflecht,
das Pilzgeflecht, auch Myzel genannt.
Betrachtet man das Geflecht mit der Lupe und unter dem Mikroskop, erkennt
man, dass es aus verzweigten weißen mehrzelligen Fäden, den
Zellfäden oder Hyphen,
besteht. In den Zellwänden der Pilzfäden
befindet sich im Unterschied zu Pflanzen nicht Cellulose, sondern Chitin.
Dieses unterirdische, weit verzweigte Geflecht feiner Pilzfäden durchwächst
den Boden oft mehrere Meter weit. Dieses Pilzgeflecht
ist der eigentliche Pilz. Das Pilzgeflecht bildet bei günstigen Bedingungen,
z. B. Feuchtigkeit und Wärme, den oberirdischen Teil der Pilze, den
Fruchtkörper, aus. Dieser ist in Stiel und Hut gegliedert. Der Fruchtkörper
trägt auf der Unterseite des Hutes eine Schicht aus feinen Röhren
oder aus strahlig angeordneten blattartigen Lamellen. Nach diesem charakteristischen
Merkmal teilt man die Hutpilze in zwei Gruppen ein, in die Röhrenpilze
und die Lamellenpilze oder Blätterpilze.
Zu den Röhrenpilzen gehören z. B. Maronenröhrling, Steinpilz,
Butterpilz, Birkenpilz. Lamellenpilze sind beispielsweise der Fliegenpilz,
der Wiesen-Champignon, der Grüne Knollenblätterpilz und der
Riesenschirmpilz.
Ernährung der Hutpilze
Unter dem Mikroskop stellt man fest, dass die Pilzfäden in ihren
Zellen keine Chloroplasten mit Chlorophyll besitzen. Sie müssen sich
von organischen Stoffen (Kohlenhydraten, Fetten, Eiweißen) ernähren.
Die Pilze ernähren sich heterotroph, wie die meisten Bakterien, Tiere und der Mensch.
Die benötigten organischen Stoffe entnehmen die meisten Hutpilze
den abgestorbenen Teilen von Pflanzen und Tieren. Die organischen Stoffe
werden zu anorganischen Stoffen, z. B. Kohlenstoffdioxid oder Wasser, abgebaut.
In diesem Prozess werden die abgestorbenen Pflanzen und Tiere zersetzt. Damit gehören die meisten
heterotroph lebenden Hutpilze im Stoffkreislauf der Natur
zu den Zersetzern (Destruenten).
Fortpflanzung der Hutpilze
Auf der Hut-Unterseite des Fruchtkörpers werden in den Röhren bzw. an den Lamellen
Millionen sehr kleiner Sporen gebildet. Sie dienen der ungeschlechtlichen
Fortpflanzung und Vermehrung der Pilze.
Der Wind verbreitet die Pilzsporen. Bei günstigen Lebensbedingungen
(Feuchtigkeit, Wärme) keimen sie aus und wachsen zu feinen Pilzfäden
heran. Da die Spore nur einen halben Chromosomensatz besitzt, so hat auch das sich daraus bildende Myzel nur einen halben Chromosomensatz. Treffen sich zwei solcher Pilzfäden, dann kommt es zur Vereinigung. Sie bilden ein neues, weit verzweigtes Pilzgeflecht mit einem vollständigen Chromosomensatz. Dieses Pilzgeflecht bildet bei optimalen Bedingungen oberirdisch neue Fruchtkörper aus.
Der alte Fruchtkörper stirbt nach Ausfall der Sporen ab. Das Pilzgeflecht
in der Unterlage (Erde, Baumstämme usw.) bleibt in der kalten Jahreszeit erhalten und bildet im nächsten Jahr neue
Fruchtkörper aus.
Schimmelpilze
Vorkommen und Bau
der Schimmelpilze
Jeder hat schon beobachtet, dass Gemüse, Früchte, Brot,
Marmelade und andere Nahrungsmittel sowie Speisereste sich nach einigen
Tagen mit einem weißlichen, grünen, dunklen oder andersfarbigen
Überzug bedeckt werden. Die Nahrungsmittel sind schimmelig geworden. Zuerst
bilden sich nur kleine Flecken, die schnell größer werden,
bis die Oberfläche völlig mit einem pelzartigen, farbigen Schimmelrasen
überzogen ist. Erst mit der Lupe und dem Mikroskop betrachtet, erkennt
man die feinen Pilzfäden, die als dichtes Pilzgeflecht (Myzel) die
Nahrungsmittel durchziehen.
Das Pilzgeflecht bildet Sporenträger aus, die Sporen
tragen. Die Anordnung der Sporen ist artspezifisch. Daran erkennt man
die drei Vertreter der Schimmelpilze, den Köpfchenschimmel, Pinselschimmel
und Gießkannenschimmel.
Ernährung der Schimmelpilze
Die Schimmelpilze enthalten in ihren Pilzfäden wie die Hutpilze keine
Chloroplasten und kein Chlorophyll. Sie ernähren sich wie diese heterotroph,
d. h. von organischen Stoffen. Diese Stoffe entziehen sie beispielsweise
den Nahrungsmitteln und Speiseresten, den abgestorbenen Pflanzenteilen
oder den Resten toter Tiere. Die organischen Stoffe werden zu anorganischen
Stoffen abgebaut, z. B. zu Kohlenstoffdioxid und Wasser, die dann von Pflanzen
wieder aufgenommen werden können.
Die befallenen Nahrungsmittel, Pflanzen- und Tierreste werden von Pilzfäden
durchwachsen und nach und nach zersetzt. Die Schimmelpilze tragen als
Zersetzer (Destruenten) im Stoffkreislauf
der Natur ebenfalls zur Beseitigung abgestorbener Organismen bei.
Fortpflanzung der Schimmelpilze
Schimmelpilze bilden Sporen zur ungeschlechtlichen Fortpflanzung aus.
Schon durch eine geringe Luftbewegung kann beispielsweise die Wand der
Sporenkapsel des Köpfchenschimmels aufplatzen, die Sporen werden
frei und über die Luft fortgetragen. Auch der Pinselschimmel und der Gießkannenschimmel
pflanzen sich ungeschlechtlich durch Abschnüren einer großen
Menge von Sporen fort. Gelangen die Sporen auf eine Unterlage mit organischen
Stoffen, keimen sie zu neuen Pilzfäden aus. Die Pilzfäden durchwachsen
die Unterlage und bilden ein neues Pilzgeflecht, auf dem wieder neue Sporenträger
mit Sporen heranwachsen. Der Fortpflanzungsvorgang kann wieder beginnen.
Zum Auskeimen der Sporen und zum Heranwachsen der Pilzfäden zum Pilzgeflecht
benötigen die Schimmelpilze außer organischen Stoffen als Nahrung
noch Wasser und eine bestimmte Temperatur.
Bedeutung der Schimmelpilze
Die Bedeutung der Schimmelpilze ist sehr vielfältig. Sie sind beispielsweise
als Zersetzer (Destruenten) wichtige Glieder im Stoffkreislauf der Natur.
Sie sind aber auch Material- und Nahrungsschädlinge sowie Helfer
bei der Herstellung von Lebensmitteln und Antibiotika. Aufgrund ihrer
heterotrophen Ernährungsweise können Schimmelpilze, wenn sie
Nahrungsmittel aller Art, Futtermittel (z. B. Stroh, Heu, Getreidekörner)
oder Rohstoffe (z. B. Holz, Leder) befallen, diese zersetzen. Dabei bilden
sie giftige Stoffe (Toxine), die für den Menschen bzw. für die
Tiere schädlich sind, da sie Krankheiten (z. B. Krebs) verursachen
können. Seit Jahrtausenden werden wenige Schimmelpilzarten vom Menschen
zur Herstellung von Lebensmitteln genutzt. Bei der "Reifung"
einiger Käsesorten, z. B. Camembert und Roquefort, werden ungiftige
Schimmelpilze zugesetzt. Sie verleihen dem Käse den typischen Geschmack.
Das bekannte Antibiotikum Penicillin
wird aus dem Schimmelpilz Penicillium gewonnen. Penicillin
wird in der Medizin gegen bestimmte, krankmachende Bakterien eingesetzt. Das Antibiotikum zerstört die Zellwand
dieser Bakterien oder verhindert die Bildung der Zellwand. Die Bakterienzelle
kann nicht wachsen und sich nicht vermehren. Heute wird Penicillin in
großer Menge in Bioreaktoren durch biotechnologische Verfahren gewonnen.
Hefepilze
Bau und Lebenserscheinungen
Hefepilze sind einzellige Pilze. Jede Hefepilzzelle besteht aus
Zellplasma, dem Zellkern, der Zellwand. Unter dem Mikroskop sieht man
deutlich in der Mitte der Zelle eine Vakuole. Auch Hefepilze enthalten
wie die Hut- und Schimmelpilze kein Chlorophyll. Sie ernähren sich
von organischen Stoffen, vor allem von Zucker. Es sind also auch heterotrophe
Organismen.
In der Natur kommen Hefepilze u. a. auf Weinbeeren, Johannisbeeren, Äpfeln,
Kirschen, Hagebutten und anderen Früchten vor. Lässt man Saft
dieser Früchte stehen, bildet sich aus ihm Wein (Alkohol). Die im
Fruchtsaft enthaltenen Hefepilze (Weinhefe) haben den Zucker der Früchte
in Alkohol umgewandelt ("vergoren"). Es hat sich Wein (Alkohol)
gebildet. Dabei wurde Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Dieser Vorgang wird
als alkoholische Gärung bezeichnet.
Man kann ihn in einer einfachen Wortgleichung darstellen: Diesen Gärungsvorgang
der Hefepilze nutzt der Mensch z. B. bei der Herstellung von Lebensmitteln
aus.
Fortpflanzung
Stehen den Hefepilzen ausreichend zuckerhaltige Stoffe als
Nahrung, genügend Feuchtigkeit und eine günstige Temperatur
zur Verfügung, beginnen sich an den Zellen Auswüchse zu bilden,
die sich abtrennen und die jeweils zu einer neuen Zelle heranwachsen.
Die neuen Zellen können auch zusammenbleiben und Zellketten bilden.
Diese Form der ungeschlechtlichen Fortpflanzung wird Sprossung genannt.
Bedeutung der Hefepilze
Einige Hefepilze haben große wirtschaftliche Bedeutung für
den Menschen. Dazu gehören die Weinhefe, Backhefe, Bierhefe und Futterhefe.
Einige Hefepilze gehören zur nätürlichen Flora der menschlichen Haut und Schleimhäute (z. B. Mund-, Vaginal-, Darmschleimhaut). Hefepilze sind auch
Krankheitserreger. Tritt eine massenhafte Vermehrung auf, hervorgerufen z. B. durch eine Immunschwäche, so kommt es zu Erkrankungen. Diese durch Pilze verursachten Infektionskrankheiten
werden Mykosen (engl. mycoses) genannt.