







Typische Tätigkeiten praktischer Art sind im Biologieunterricht das Sammeln bzw. Fangen von Organismen, Bestimmen von Organismen, Betrachten oder Mikroskopieren von Objekten.
Das Beobachten
Beim Beobachten werden mithilfe
der Sinnesorgane oder anderer Hilfsmittel (Mikroskop oder Lupe) Eigenschaften
und Merkmale, räumliche Beziehungen oder zeitliche Abfolgen von biologischen
Erscheinungen ermittelt. Dabei werden die Objekte oder Prozesse nicht
grundlegend verändert.
Beim Beobachten kann man zwischen unmittelbaren und mittelbaren Beobachtungen
sowie Kurzzeit- und Langzeitbeobachtungen unterscheiden.
Aufgabe: Beobachte die Pupille
bei unterschiedlichem Lichteinfall!
Stelle dich in einem hell erleuchteten Raum vor einen Spiegel und beobachte
die Pupillen.
Durchführung:
Verschließe für kurze Zeit ein Auge mit einer Hand, nimm die
Hand weg und schaue wieder in den Spiegel. Betrachte die Pupille des vorher
abgedeckten Auges und vergleiche sie mit der Pupille des anderen Auges.
Auswertung:
Die Bilder zeigen die Veränderung der Pupille. Die Pupille ist zunächst
extrem geweitet. Dann verengt sie sich. Je mehr Licht einfällt, desto
mehr verengt sich die Pupille.
Diese Anpassung der Pupille an die Menge des einfallenden Lichts, an
die unterschiedliche Beleuchtungsstärke, nennt man Pupillenadaptation.
Unmittelbare Beobachtungen (direkte Beobachtungen) sind Beobachtungen nur mithilfe der Sinnesorgane des Menschen (Betrachten der Erscheinungen und Objekte ohne Hilfsmittel).
Mittelbare Beobachtungen sind Beobachtungen mit Hilfsmitteln wie Lupe, Mikroskop, Messgeräten oder speziellen Verfahren, z. B. Nachweisreaktionen (Untersuchungen).
Kurzzeitbeobachtungen sind Beobachtungen von Objekten und Erscheinungen über einen kurzen Zeitraum, z. B. Körperhaltung einer Katze beim Springen, Reaktion des Regenwurms auf unterschiedliche Reize.
Langzeitbeobachtungen sind Beobachtungen von Objekten und Erscheinungen über einen längeren Zeitraum, z. B. die Veränderung eines Laubbaums während eines Jahres (Laubentfaltung, Blühen, Blattfall, Fruchtreife), Eintreffen von Vögeln (Vogelzug).
Das Untersuchen
Beim Untersuchen (Beobachten mit Hilfsmitteln) erforscht
man zielgerichtet die inneren Zusammenhänge von Objekten und Erscheinungen
(z. B. Zusammensetzung, Strukturen und Funktionen). Dazu greift man mit
entsprechenden Hilfsmitteln in die Objekte ein. Untersuchen kann man also
auch als Beobachten mit Hilfsmitteln bezeichnen.
Nach Struktur der zu untersuchenden Objekte und Erscheinungen unterscheidet
man verschiedene Arten von Untersuchungen. Beim Sezieren
und Präparieren
werden biologische Objekte sachgerecht auseinandergenommen, um den anatomischen
Bau erkennen zu können. Hilfsmittel sind dabei u. a. Pinzette, Messer,
Schere, Präpariernadel und Lupe.
Beispiel: Sektion eines Fischs
Beispiel: Präparation einer Rosenblüte
Dazu wird die Blüte vorsichtig mit einer Pinzette zerlegt. Die Blütenblätter
werden entsprechend ihrer Anordnung in der Blüte auf eine Unterlage
gelegt. Man erhält so ein Legebild.
Aus dem Legebild kann man eine vereinfachte Zeichnung, ein Blütendiagramm,
entwickeln.
Reagenzglasuntersuchungen
Zu den Untersuchungen gehören auch Reagenzglasuntersuchungen.
Sie werden durchgeführt, um den chemischen Aufbau, die Struktur von
Objekten (z. B. Organismen, Nahrungsmitteln) herauszufinden. Dazu werden
z. B. entsprechende Nahrungsmittelproben (geringe Mengen, sodass sie in
ein Reagenzglas passen) mit Nachweismittel versetzt.
Beispiel: Welche Nahrungsmittel enthalten Traubenzucker?
Materialien:
Reagenzgläser, Bunsenbrenner, Reagenzglasständer, Reagenzglashalter,
Wasser, fehlingsche Lösung als Nachweismittel; Weintrauben, reife
Birnen, Honig, gekochtes Ei, Kartoffeln, Milch (als Testobjekte)
Durchführung:
Beobachtung:
Bei welchen Nahrungsmitteln tritt eine Verfärbung ein?
Das Experimentieren
Das Experimentieren ist
eine sehr komplexe Tätigkeit, die in verschiedenen Etappen beim Erkennen
und Anwenden von Naturgesetzen auftritt. Das Ziel eines Experiments besteht
darin, eine Frage an die Natur zu beantworten. Dazu wird eine Erscheinung
der Natur unter ausgewählten, konkreten, kontrollierten und veränderbaren
Bedingungen beobachtet, die Ergebnisse werden registriert und bewertet.
Die Bedingungen und damit das gesamte Experiment müssen wiederholbar
sein. Beim Experimentieren geht man in der Regel in bestimmten Etappen
vor (Vorbereiten, Durchführen und Auswerten des Experiments).
Schrittfolge beim Experimentieren:
1. Vorbereiten des Experiments
2. Entwickeln eines Experimentierplans
(Der Plan muss enthalten, welche Bedingungen variiert werden sollen,
welche Veränderungen zu erwarten sind, welche Objekte, Geräte
oder Chemikalien eingesetzt werden sollen und welche Arbeitsschritte
zur Durchführung des Plans notwendig sind.)
3. Durchführen des Experiments
und Protokollieren der Beobachtungen
(Das Experiment genau nach geplanten Vorgaben durchführen; je besser
vorüberlegt und geplant wurde, desto genauer sind die zu erwartenden
Effekte; alle Erscheinungen genau aufschreiben!)
4. Auswerten des Experiments/Beantworten
der Fragestellungen
(Auswerten aller protokollierten Messwerte und Beobachtungen; Diagramme
anfertigen, Berechnungen durchführen oder Aufnahmen machen; ist eine
vermutete Lösung (Hypothese) aufgestellt worden, wird diese mit dem festgestellten
Ergebnis verglichen.)
5. Erklärung der festgestellten
Ergebnisse
6. Anfertigung eines Protokolls
(Beobachtungen, Untersuchungen und Experimente erfordern die Anfertigung
eines genauen Protokolls. Darin werden sowohl die Probleme bzw. Fragen,
die Geräte und Materialien als auch die Beobachtungs- bzw. die Messergebnisse,
falls erforderlich auch die Untersuchungs- bzw. die Experimentieranordnungen,
die Bedingungen und Auswertungsergebnisse festgehalten.)
Sammeln und Fangen von Organismen
Das Sammeln
und Fangen von Organismen (z. B. Pflanzen und Tieren sowie Pilzen oder
Teilen von ihnen) wird im Biologieunterricht zu unterschiedlichen Zwecken
durchgeführt: z. B. zur Anlage eines Herbariums, Terrariums oder Aquariums,
zum Beobachten und Kennenlernen der Verhaltensweisen von Tieren, zum
Bestimmen von Organismen oder zum Gestalten von Ausstellungen.
Bevor man Pflanzen, Tiere und Pilze oder Teile von ihnen sammelt oder fängt, muss man prüfen, ob ein Foto, eine Zeichnung oder ein Film nicht das gleiche Ergebnis bringen.
Bestimmen von Organismen
Bestimmen ist das Feststellen
der Namen von unbekannten Organismen (Pflanzen, Tieren oder Pilzen) aufgrund
charakteristischer Merkmale mithilfe von Tabellen, Abbildungen oder dichotomen
Bestimmungsschlüsseln.
Betrachten mit der Lupe
Mithilfe einer Lupe kann man Pflanzen und Tiere bzw. deren Teile
wesentlich größer sehen als mit bloßem Auge. Gebräuchlich
sind Lupen, die ein 5- bis 15-fach vergrößertes Bild des untersuchten
Objekts zeigen.
Man unterscheidet Standlupe (1), Stiellupe (2) und Einschlaglupe (3).
Mikroskopieren von Objekten
Beim Mikroskopieren werden sehr kleine Objekte und deren Lebensvorgänge
(z. B. Fortbewegung) mithilfe eines Mikroskops betrachtet. Durch das Lichtmikroskop
erfolgt eine Vergrößerung des Objektbilds. Es kommt ein Bild
zustande, das das Objekt bis über das 2 000-Fache vergrößert
zeigt.
Herstellen von Mikropräparaten
Zur Betrachtung von Objekten im Mikroskop eignen sich vor allem solche
Objekte, die genug Licht abstrahlen (z. B. Pollenkörner). Andere müssen
erst so präpariert werden, dass sie lichtdurchlässig werden.
Man fertigt dazu hauchdünne Schnitte (z. B. von Pflanzenstängeln)
an.
Man unterscheidet Frisch- und Dauerpräparate.
Frischpräparate
werden zur sofortigen Betrachtung der Objekte unter dem Mikroskop hergestellt.
Sie halten nicht sehr lange. Zu ihnen gehören Trockenpräparate
(z. B. Insektenflügel, Pollenkörner) und Feuchtpräparate
(z. B. Moosblättchen, Amöbe in Wasser).
Dauerpräparate sind
Objekte, die man häufiger betrachten will und dafür durch besondere
Behandlung (Einschluss in Harz oder Glyceringelatine) haltbar machen kann.
Zur Herstellung von Mikropräparaten benötigt man spezielle Geräte.
Mikroskopische Zeichnungen
Nach Möglichkeit sollte vom beobachteten Objekt eine mikroskopische
Zeichnung angefertigt werden, die die Form, die Lage- und die Größenverhältnisse
richtig darstellt.
Halten und Pflegen von Organismen
Viele Lebewesen kann man in geeigneten Behältern für kurze oder
längere Zeit halten, pflegen und beobachten. Im Wasser lebende Tiere
kann man sehr gut im Aquarium halten, andere Tiere, z. B. Lurche, Kriechtiere
und einige Kleinsäuger, in Terrarien. Insekten hält man in Insektarien.