
Die Psychologie ist eine Wissenschaft, die die Formen und Gesetzmäßigkeiten des Erlebens und Verhaltens, bezogen auf einzelne Individuen und auf Gruppen, untersucht. Psychologische Fragestellungen werden mittlerweile auf ein sehr großes Spektrum des menschlichen und auch des tierischen Lebens angewendet. So ist es schwierig geworden, in den unterschiedlichen Fachgebieten der Psychologie noch eine gemeinsame Sprache und Vorgehensweise zu finden. Es wird generell zwischen sogenannten Grundlagenfächern und Anwendungsfächern unterschieden.
Grundlagenfächer wären z. B.:
In diesen Grundlagenfächern geht es generell erst einmal um die Erforschung psychischer Erscheinungen mit dem Ziel, diese detailliert zu beschreiben oder aber zu erklären.
Anwendungsfächer
Die Anwendungsfächer dagegen versuchen, die bereits gewonnenen Erkenntnisse
in den unterschiedlichen Bereichen des menschlichen Lebens zur praktischen
Anwendung zu bringen. Hier soll ganz konkret auf die Forschungsansätze
und Forschungsmethoden der Grundlagenfächer aufgebaut werden. Es
geht darum, eigene Methoden zur Beschreibung bzw. zur Diagnose und zur
Veränderung des menschlichen Verhaltens und Erlebens, ganz spezifisch
an der entsprechenden Zielsetzung orientiert, zu entwickeln. Beispiele
für die Anwendungsfächer sind:
Methoden der Psychologie
Durch Beobachtungen gelangt
man zu psychologisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen, aus denen Theorien
oder Hypothesen entwickelt werden, die dann in einem Experiment
oder aber in einer kontrollierten empirischen Untersuchung geprüft
und abhängig von den Resultaten weiter entwickelt, modifiziert oder
aber sogar verworfen werden.
Um die aus den durchgeführten experimentellen und empirischen
Beobachtungen gewonnenen Daten zu quantifizieren, bedient sich diese Wissenschaft
unterschiedlichster Methoden:
Wenn also in einer Gesprächstherapie z. B. die emotionale Wärme der untersuchten Person gemessen werden soll, müssen Störfaktoren im Versuchsablauf bzw. bereits in der Planung ausgeschaltet sein und es muss begleitende Kontrollmessungen geben. Statistische Methoden sind unerlässlich, da nur durch die Statistik geprüft werden kann, ob die gemessenen Untersuchungsergebnisse die theoretischen Erwartungen stützen und ob die aufgetretenen Zusammenhänge oder Wechselwirkungen reiner Zufall sind oder aber systematisch abweichen. Riesige Datenmengen können durch die Statistik geordnet, gesichtet und strukturiert werden. Rein qualitative Methoden sind in der wissenschaftlichen Psychologie völlig nebensächlich geworden, da sie zu wenig aussagekräftige Ergebnisse liefern.
Der Gesichtsausdruck
Verglichen mit der Gestik und anderen Formen der Körpersprache ist
es das Gesicht, das am unmittelbarsten und verlässlichsten Informationen
über die Gefühlslage unserer Kommunikationspartner bietet. Es
stellt eine reiche Quelle von Aussagen dar, und es kann für fast zwei
Dutzend verschiedener Arten von Informationen abgesucht werden. Schon
unbewegt ohne jegliche Mimik lässt
es aufgrund der Physiognomie und der Hautpigmente Schlüsse auf Identität,
Geschlecht und Menschengruppe zu. Allmähliche Veränderungen,
beispielsweise Änderungen in Umfang und Farbe der Haartracht oder
die Bildung von Falten können zum Erkennen von Alter und körperlicher
Verfassung genutzt werden. Und schließlich die schnellen Veränderungen durch Muskelbewegungen; sie geben uns die unmittelbaren
Informationen über Emotionen oder Absichten in der Interaktion mit
unseren Mitmenschen.
Das Verhalten des Gesichts für die soziale Interaktion ist so zentral,
dass die Erkennung von Gesichtern und die Imitation von Gesichtsausdrücken
mit zu den ersten wahrnehmbaren, motorischen Fertigkeiten gehören,
die Babys erwerben. Diese Fähigkeit ist notwendig zur Unterscheidung
anderer und wohl auch, weil das Gesicht das primäre Zentrum der sowohl
verbalen als auch nonverbalen
Kommunikation ist.
Daher haben wohl Wissenschaftler aus aller Welt versucht, die Emotionen, die man aus Gesichtern ablesen kann, zu erforschen. Ausgangspunkt ihrer Untersuchung waren drei Abgrenzungskriterien, nach denen es dann möglich ist, zehn Basisemotionen festzulegen. Diese Kriterien sind erstens eine genetisch festgelegte Grundlage, zweitens ein charakteristisches mimisches Ausdrucksmuster und drittens eine eigene subjektive Erlebnisquelle. Diese lassen dann die Untersuchung von folgenden elementaren Emotionen zu:
Von diesen Kriterien ausgehend haben die Wissenschaftler die Gesichtsausdrücke (Mimik) von Menschen in verschiedenen Ländern und Regionen der Welt untersucht. (Übrigens geht das wissenschaftliche Interesse am Gesicht des Menschen bis auf CHARLES DARWIN zurück, der 1872 die erste empirisch belegte Arbeit zu diesem Thema veröffentlichte mit dem Namen "The expression of emotions in man and animals!") Dabei wurden verschiedene Methoden angewendet, u. a. wurden die Menschen beim Betrachten von Bildern beobachtet und die Gesichtsanatomie studiert (es wurden auch Gesichtsmessungen durchgeführt) .
Die Untersuchungen haben gezeigt, dass der mimische Ausdruck von Emotionen
auf der ganzen Welt gleich ist. Es gibt wenigstens sechs Emotionen, die
sich hinter den Gesichtsausdrücken aller Menschen verbergen. Das
sind Freude, Traurigkeit,
Ärger, Furcht, Überraschung und Ekel.
Frauen reagieren im Allgemeinen ausdrucksvoller als Männer.
Das Gesicht nimmt also eine zentrale Rolle in der menschlichen Kommunikation
ein, daher kann es natürlich auch reizvolle Aspekte in seiner Verdeckung
geben. Der Kommunikationspartner ist dann plötzlich auf ganz andere
Informationen angewiesen. Das sind genau die Akzente, auf die die Pantomime
oder auf die das Maskentheater
setzt. Denn "Die Maske bewahrt noch etwas vom
Anfang unserer Kultur. Durch ihren geheimen Zauber verwirklicht sie eine
sonst unzugängliche Totalität. Sie gibt der Körpersprache
allgemeine Gültigkeit. Sie deckt nicht zu, sie deckt auf. Wer glaubt,
sich hinter ihr verstecken zu können, wird sich entlarvt finden."
Geschichte der Psychologie
Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Psychologie eher als "Lehre
der Seele", also eher eine Teildisziplin der Philosophie verstanden
worden. Ihren Ursprung hatte diese Lehre bereits in der Antike, vor allem
bei den Griechen (u. a. DEMOKRIT, PLATON, ARISTOTELES). Ab Beginn des 19. Jahrhunderts kristallisierte sich die Psychologie allmählich zu einer
eigenen Disziplin heraus.
Begründet wurde die Psychologie als eine naturkundliche Disziplin
von drei Wissenschaftlern: von J. F. HERBART, der im Jahr 1816 das Werk
"Lehrbuch zur Psychologie" veröffentlichte;
im Jahr 1860 kam G. T. FECHNER mit den "Elementen
der Psychophysik" dazu, und W. WUNDT setzte im Jahr 1893 mit
seinen "Grundzügen der physiologischen Psychologie"
einen weiteren Meilenstein. Während HERBART die Psychologie gerne
zu einer rein experimentierenden und eher mathematischen Disziplin umzugestalten
versuchte, wollte FECHNER eine Brücke zu den zeitgenössischen
Naturwissenschaftlern schaffen. WUNDT schließlich gründete
im Jahr 1879 das erste psychologische Laboratorium in Leipzig und verschaffte
somit der Psychologie endgültig den Status einer experimentellen
Disziplin.
Aber nicht nur die naturwissenschaftliche Ausrichtung entwickelte sich
weiter, auch die phänomenologische Richtung wurde durch Namen wie
z. B. F. BRENTANO oder aber K. JASPERS weiter verfolgt. Hier wurde das
Erleben in der Selbstbeobachtung in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen
Interesses gerückt. Die Gestaltpsychologie sperrte sich gegen das
zunehmende Zergliedern der Sinnespsychologie. Hier wurde auf die ursprüngliche
Einheitlichkeit jedes psychischen Prozesses Wert gelegt. Dieser Prozess
wird aus diffuser Ganzheitlichkeit zur differenzierten Gestalt aufsteigen.
Begründer der Gestaltpsychologie waren vor allem M. WERTHEIMER,
F. KRUEGER und W. KÖHLER.
Der Behaviourismus wurde durch I. P. PAWLOW aus Russland und J. B. WATSON
aus den USA geprägt. Die beiden hielten überhaupt nichts von
der Selbstbeobachtung des Psychischen. Bei ihnen existierte keine "Seele",
es gab in ihren Augen nur reaktives Verhalten, das experimentell gut zu
untersuchen und durch statistische Tests abzusichern ist. Und fern von
der Schulpsychologie entwickelte sich natürlich in dieser Zeit auch
als erste Tiefenpsychologie die Psychoanalyse SIGMUND FREUDs. Die Entwicklungspsychologie
übernahm den Evolutionsgedanken C. DARWINS für die kindliche
Entwicklung und W. F. PREYER hat in seinem Monumentalwerk "Über
die Seele des Kindes" (1882) darüber geschrieben.
Nach THEOPHRAST in der Antike spielte die Persönlichkeitspsychologie
erst im 20. Jahrhundert wieder eine Rolle. Angefangen mit der Charakterologie
(O. WEINIGER), über die Trieblehre (W. MCDOUGALL) und Ausdruckskunde
(L. KLAGES) bis hin zur Typologie (E. KRETSCHMER) und Differenziellen Psychologie
(W. STERN).
Mitte der 30-Jahre des letzten Jahrhunderts begann sich
die Sozialpsychologie zu entwickeln, zunächst nur mit einigen Randgebieten
wie Massenpsychologie, Tiergruppen, Gruppenspielen u. Ä.
Die diagnostische Schulpsycholgie wurde von A. BINET und T. SIMON geschaffen.
Die deutsche Psychologie gehörte bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts
zu den führenden Wissenschaften. In der Zeit des Nationalsozialismus
emigrierten viele herausragende Psychologen, damit ging die führende
Rolle der Psychologie auf Amerika über. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde mithilfe ausländischer Wissenschaftler ein Neuaufbau der Psychologie
an den Universitäten begonnen.