Regeln für das Sammeln von Pilzen
Wie
sammelt man Pilze?
- Man sammelt grundsätzlich nur Pilze,
die man ganz sicher kennt. Diese Regel ist besonders wichtig, wenn man
in Gegenden sammelt, die man nicht kennt. Einige Pilzarten können
im Aussehen variieren, sodass man versehentlich giftige bzw. ungenießbare
Pilze im Kochtopf hat. Bei Unsicherheit besser eine örtliche Pilzberatungsstelle aufsuchen und die Pilze kontrollieren lassen.
- Pilze, die man nicht sammeln will, lässt man unversehrt stehen. Sie sind zum einen ein schöner Schmuck des Waldes, und
zum anderen kennt der nächste, der sammeln kommt, vielleicht mehr
Pilze und will gerade diese ernten. Außerdem hat jedes Lebewesen
einen Aufgabe im Kreislauf der Natur.
- Nur junge Pilze sammeln, und nicht solche, die schon in Fäulnis
übergehen.
- Hat man einen essbaren Pilz gefunden, dreht man den Pilz vorsichtig
so aus dem Boden, dass der Stiel nicht zu viel Erde mit sich nimmt,
oder man schneidet ihn vorsichtig über dem Boden mit einem Messer ab. Dadurch wird
das unterirdische Pilzmyzel nicht
zerstört und kann weiterwachsen.
- Die Pilze dann sofort im Wald säubern und den Stiel am Grunde
beschneiden. Dadurch werden die anderen Pilze im Korb nicht verunreinigt.
Eine schleimige oder klebrige Huthaut (z. B. ist das beim Butterpilz
so) wird sofort mit den daran klebenden Schmutzteilchen abgezogen.
- Die gesammelten Pilze in einen Korb legen (keine Plastiktüte). Darin werden die gesammelten
Pilze nicht zerdrückt, können sich nicht erhitzen und bleiben
länger frisch.
Wo soll man Pilze sammeln?
Pilze findet man überall: im Wald, in Parkanlagen, in Gärten,
auf Wiesen, auf Kompost- und Misthaufen und auf vielen anderen Plätzen.
Viele Pilzarten kommen aber nur, teilweise sogar ausschließlich
unter bestimmten Bäumen vor, da die Pilzgeflechte bestimmter Pilzarten mit ganz bestimmten Baumwurzeln eine Lebensgemeinschaft (Symbiose) bilden. Erfahrene Pilzsammler
nutzen dieses Wissen bei ihrer Suche nach Pilzen.
So findet man z. B.:
- unter Eichen: u. a. Eichensteinpilze, Frauentäubling und Königsröhrling;
- unter Birken: u. a. Birkenpilz, Rotkappe, Grasgrüner Täubling;
- unter Fichten: u. a. Fichtensteinpilz, Edelreizker, Wald-Champignon,
Wieseltäubling;
- unter Kiefern: u. a. Kiefernsteinpilz, Butterpilz, Brätling;
- unter Lärchen: u. a. Goldröhrling, Graue Lärchenröhrling.
Andere Pilzarten sind nicht nur an bestimmte Bäume gebunden. Der
Maronenröhrling
kommt sowohl unter Kiefern als auch unter Fichten vor, allerdings niemals
unter Laubbäumen. Will man viele verschiedene Arten sammeln, geht man am besten
in einen Mischwald.
Pilze und Umwelt - Pilzsterben?
Sammelverbote in Wäldern um Ballungsgebiete, Sammelbeschränkung
in der Schweiz, in Österreich, in Deutschland und in Frankreich – sind diese Schlagzeilen
eher einem Science-fiction-Roman entnommen oder stimmt das wirklich?
Es stimmt, aber was steckt dahinter? Seit mehreren Jahren wird ein weltweiter
Rückgang der Pilzbestände beobachtet. Die Reaktionen darauf
richteten sich mit den oben beschriebenen Aktionen in erster Linie gegen
Pilzsammler. In der Schweiz, in Österreich und in Frankreich darf
jeder Pilzsammler nicht mehr als 2 Kilo Pilze pro Tag sammeln. Die Kontrolle
dieser Anordnung wird durch die Polizei durchgeführt. Zuwiderhandlungen
werden mit Geldbußen bestraft. Dieser Aktionismus
begründet sich jedoch nicht auf wissenschaftlichen Tatsachen. Eher
will man damit verhindern, das Pilzsammler die Pilzbestände
weiter dezimieren. Die wissenschaftliche Überprüfung dieses
Zusammenhanges kommt jedoch nur langsam voran. Warum aber die Pilze weniger werden,
darüber gibt es eine Menge weiterer Theorien.
- Pilzsammler rotten die Pilze durch übermäßiges Sammeln
aus.
Gegenargument: Auch Giftpilze und ungenießbare
Pilze nehmen in ihrem Bestand ab.
- Saurer Regen und zunehmende Umweltverschmutzung zerstören den
Wald und damit die Lebensgrundlage der symbiotischen Pilze.
Gegenargument:
Parasitisch am toten Holz lebende Pilze wie z. B. Hallimasch müssten
aufgrund besserer Lebensbedingungen zunehmen.
- Übertriebener Naturschutz, d. h. ein unberührter Wald mit
allem Totholz auf dem Waldboden entzieht z. B. dem Pfifferling,
der "sauberen" Moosgrund bevorzugt, die Lebensgrundlage.
- Der große Bestand an Wildschweinen schadet den Pilzen, da diese
den Boden aufwühlen und damit das Myzel, den eigentlichen Pilz
zerstören. In Wäldern mit weniger oder keinen Wildschweinen
findet sich weiterhin eine große Artenvielfalt bei Pilzen.
- Natürliche Schwankungen im Ökosystem Erde.
Sicherlich spielt jeder der fünf Faktoren eine mehr oder weniger bedeutende
Rolle beim Rückgang der Pilzvielfalt.
Jeder Pilzsammler sollte immer einen Teil der Pilze stehen lassen. Jeder sollte nur so viele Pilze sammeln, wie er essen kann. Das Sammeln großer Mengen für gewerbliche Zwecke ist verboten.
In Naturschutzgebieten ist das Sammeln von Pilzen grundsätzlich verboten.