

ROBERT HOOKE (1635-1703) lebte in einer Zeit (Aufklärung), die in der Forschung gekennzeichnet war durch die verstärkte experimentelle Arbeit bei gleichzeitiger Spezialisierung, durch zunehmendes Messen und Vergleichen. Die Entwicklung von Uhren ermöglichte genauere Zeitmessungen, die Entwicklung optischer Geräte machte Untersuchungen im mikroskopischen Bereich möglich. GALILEO GALILEI (1564-1642) hatte die Bewegungsgesetze und vier Jupitermonde entdeckt. JOHANNES KEPLER (1571-1630) hatte die Gesetze der Planetenbewegung gefunden. Zeitgenossen von HOOKE waren u. a. die Naturwissenschaftler CHRISTIAAN HUYGENS (1629-1695), EVANGELISTA TORRICELLE (1608-1647), OTTO VON GUERICKE (1602-1686), ISAAC NEWTON (1643-1727), OLAF RÖMER (1644-1710) und ROBERT BOYLE (1627-1691) sowie die Komponisten JOHANN SEBASTIAN BACH (1685-1750) und GEORG FRIEDRICH HÄNDEL (1685-1759).
Leben und Wirken
ROBERT HOOKE wurde am 18.07.1635 auf der Insel Wight geboren. Er war als
Kind sehr schwächlich und häufig krank. Sein Vater, der Prediger
war, bestimmte ihn für den geistlichen Stand und schickte ihn auf
eine Lateinschule. Da sich seine Krankheiten häuften, musste er aber
bald von jedem Unterricht entbunden werden. In der nun verfügbaren
Freizeit zeigten sich viele Proben seines Erfindertalents. So baute er
eine ziemlich genau gehende hölzerne Uhr. Aber der Plan, ihn nun
Uhrmacher werden zu lassen, wurde aufgegeben. Am Ende zeigte sich, dass
er für die Gelehrtenlaufbahn wohl am geeignetsten sei. So wurde er
auf die Westminsterschule geschickt, wo er Latein, Griechisch, Hebräisch
und Mathematik studierte. Besonders in Mathematik machte er rasche Fortschritte.
Auch hier zeigte sich seine Erfindergabe, indem er seinem Lehrer 30 verschiedene
Arten zu Fliegen mitteilte.
1653 bezog er die Universität Oxford. Dort wurde er mit Wissenschaftlern
bekannt und wurde wegen seines Talents bald Gehilfe des berühmten
ROBERT BOYLE. Aufgrund der Erfindungen und Entdeckungen, die
er in den folgenden Jahren machte, wählte ihn die Royal
Society in London 1663 zu ihrem Mitglied. Wegen seiner drückenden
Vermögenslage erließ man ihm die dafür sonst übliche
Gebühr und gewährte ihm sogar ein - allerdings sehr bescheidenes
- jährliches Gehalt.
HOOKE war von sehr reizbarem Temperament, eigensinnig und auf jeden fremden
Verdienst eifersüchtig. Ständig war er in Streitigkeiten verwickelt,
u. a. mit HUYGENS,
mit NEWTON oder mit der ganzen Royal
Society. Wie sehr man seine Leistungen trotz seiner Fehler schätzte,
geht aus der Unterstützung hervor, die er immer wieder für seine
Arbeit erhielt.
HOOKE bewahrte seine große Aktivität bis ins hohe Alter. Er
starb am 03.03.1703 im Alter von fast 68 Jahren. In den letzten Jahren
seines Lebens saß er fast Tag und Nacht am Schreibtisch und ging
nie anders als unausgekleidet ins Bett. Verheiratet war er nie.
HOOKE baute Mikroskope mit zwei oder
drei beweglichen Linsen (Bild 3). Mit diesen Geräten untersuchte
er Pflanzengewebe, z. B. Kork, Mohrrüben und Schilf.
Im Jahr 1665 veröffentlichte HOOKE sein erstes Lehrbuch über
Mikroskopie mit dem Titel "Micrographia", in dem er u. a. folgendes
äußerte: "...von einem sauberen Kork
schnitt ich mit
einem rasiermesserscharfen Messer ein Stückchen ab; so erzielte
ich eine äußerst glatte Schnittfläche. Dann betrachtete
ich das Korkstück sehr genau unter dem Mikroskop...ich konnte deutlich
erkennen, dass es überall durchlöchert und porös war, es
sah aus wie eine Honigwabe, nur dass die Poren unregelmäßig
waren...durch das Mikroskop erkennen wir, dass der Korkstoff ganz und
gar mit Luft gefüllt ist, die in kleinen, voneinander getrennten
Schachteln oder Zellen vollkommen eingeschlossen ist..."
Er entdeckte bei mikroskopischen Untersuchungen als Erster die Plasmaströmung in den Brennhaaren der Brennnessel, führte das Fernrohr als astronomisches Messgerät ein und war mit dem französischen Wissenschaftler DENIS PAPIN (1647-1712) Wegbereiter für die Dampfmaschine.
Hervorzuheben ist, dass HOOKE bereits
um 1670 Licht als Welle betrachtete
und zwar im Unterschied zu HUYGENS schon entsprechend unserer heutigen
Auffassung als Querwelle (Transversalwelle). Das stand im Gegensatz zu
der von NEWTON mit aller Autorität in einem Werk 1672 vertretenen
Teilchenvorstellung. Nun folgende Streitereien, von beiden Seiten oft
mit unfairen Mitteln geführt, haben NEWTON bewogen, erst nach HOOKEs
Tod wieder über Optik zu schreiben (1704).
In seiner Schrift über die Bewegung der Erde (1674) ist HOOKE der
Entdeckung des Gravitationsgesetzes sehr nahe, wenn er schreibt:
"Ich werde ein Weltsystem erklären, welches
in jeder Beziehung mit den bekannten Regeln der Mechanik übereinstimmt.
Dasselbe beruht auf drei Annahmen: Erstens, dass alle Himmelskörper
ohne Ausnahme eine gegen ihren Mittelpunkt gerichtete Anziehung oder Schwerkraft
besitzen, wodurch sie nicht bloß ihre eigenen Teile, sondern auch
alle innerhalb ihrer Wirkungssphäre befindlichen Himmelskörper
anziehen. Die zweite Voraussetzung ist die, dass alle Körper,
welche in eine geradlinige und gleichförmige Bewegung versetzt werden,
sich solange in gerader Linie fortbewegen, bis sie durch irgendeine Kraft
abgelenkt und in eine Bahn gezwungen werden, welche einem Kreis, einer
Ellipse oder einer anderen nicht so einfachen krummen Linie entspricht.
Nach der dritten Hypothese sind die anziehenden Kräfte umso stärker,
je näher ihrem Sitz der Körper ist, auf den sie wirken. Welches
die verschiedenen Grade der Anziehung sind, habe ich noch nicht durch
Versuche feststellen können. Aber es ist ein Gedanke, der, wenn er
weiter verfolgt wird, den Astronomen in den Stand setzen muss, alle
Bewegungen der Himmelskörper nach einem gewissen Gesetz zu bestimmen."
Der Autor äußert den Wunsch, dass jemand diese Gedanken weiter
verfolgen möge, er selbst sei zu sehr durch andere Dinge in Anspruch
genommen.