
Methoden
humangenetischer Forschung
Betrachtet man zwei oder mehrere Menschen, so stellt man fest, dass kein
Mensch dem anderen gleicht, dass sie sich in vielen Merkmalen unterscheiden,
z. B. in der Haut- und Haarfarbe, in der Augenfarbe, in der Fähigkeit,
bestimmte Stoffe abzubauen. Jeder Mensch besitzt etwa 100 000 Erbanlagen
(Gene). Trotzdem weiß man heute schon viel über die Vererbung
beim Menschen. Ein wichtige Methode der humangenetischen Forschung ist dabei
die Familienforschung
(Stammbaumforschung).
Familienforschung
In der Familienforschung werden Stammbäume aufgestellt. Ein Familienstammbaum
kann quasi als Ersatz für die Kreuzungsexperimente in der klassischen
Genetik angesehen werden.
Die Auswertung von Familienstammbäumen ist eine wichtige Methode,
um die Vererbung eines Merkmals über viele Generationen zu verfolgen.
Sie ermöglicht in vielen Fällen schon Aussagen über das
Erkrankungsrisiko eines Kinds. Für die Erstellung von Familienstammbäumen
sind bestimmte Stammbaumsymbole gebräuchlich.
Beispiel: Der Stammbaum der Familie
Scott
Scott schrieb 1777 an seinen Freund folgendes (Ausschnitt):
"Ich kenne kein Grün in der Welt. Vor einigen
Jahren habe ich meine Tochter einem vornehmen Mann vermählt. Am Tage
vor der Hochzeit kam er in einem neuen Mantel aus bestem Stoff in mein
Haus. Ich war sehr gekränkt, dass er, wie ich glaubte, in Schwarz
gekleidet war, der Farbe der Trauer. Ich sagte ihm, er solle gehen und
den Mantel wechseln. Aber meine Tochter sagte, dass mich meine Augen
trögen. Der Mann trug einen feinen weinroten Mantel. Dieser aber
war für meine Augen schwarz. Es handelt sich um ein altes Familienleiden.
Mein Vater hatte genau dieselbe Krankheit. Meine Mutter und eine meiner
Schwestern konnten fehlerfrei sehen. Meine zweite Schwester war farbuntüchtig
wie ich. Sie hatte zwei Söhne, die beide an dieser Krankheit litten.
Ihre Tochter war dagegen normalsichtig. Ich selber habe einen Sohn und
eine Tochter, die beide alle Farben ohne Ausnahme sehen können. Das
Gleiche gilt für meine Frau. Der Bruder meiner Mutter hat denselben
Fehler wie ich."
Wie der Brief des Mr. Scott zeigt, hängt die Vererbung der Rotgrünblindheit
offenbar mit dem Geschlecht zusammen. Etwa 8 % der Männer und nur
0,5 % der Frauen sind von diesem Leiden betroffen.
Das Gen für die Vererbung der Rotgrünblindheit liegt auf dem
X-Chromosom und wird rezessiv vererbt. Alle Männer, die den Defekt
im X-Chromosom haben, erkranken. Mischerbige Frauen erkranken nicht, sie
sind Konduktorinnen. Eine Konduktorin
besitzt ein krankhaft verändertes Gen. Die Erbkrankheit (z. B. Bluterkrankheit)
bricht bei ihr jedoch nicht aus. Sie überträgt das krankhaft
veränderte Gen jedoch auf ihre Nachkommen.