"Vollwerternährung"
- dieser Begriff ist von
WERNER
KOLLATH im Jahre 1942 geprägt worden. Er strebte eine ganzheitlich
zu betrachtende
Ernährung an. Damit
steht er in der Tradition von Theorien des Hippokrates. Das rein wissenschaftliche
Bild des vollen Wertes der Nahrung wird erweitert.
Vollwertkost
nach KOLLATH ist mehr als die Summe ihrer physikalischen, chemischen und
physiologischen Teilwerte.
Vollwert-Ernährung hat auch ökologische,
gesellschaftliche, kulturelle und ökonomische Aspekte. Daraus folgt,
dass
Nahrung möglichst frisch und
wenig weiterverarbeitet aufgenommen werden sollte.
Lacto-vegetarischer Kost wird der Vorzug
gegeben. Dazu gehören gering verarbeitete Lebensmittel wie Obst und
Gemüse. Die Hälfte der Nahrung sollte aus unerhitzter Rohkost
bestehen. Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte werden
empfohlen. Milch und ihre Produkte sind anerkannt. Fleisch, Fisch und Eier
sollten in Maßen genossen werden. Fett, besonders tierisches, wird
weitgehend vermieden. Auf die Naturbelassenheit aller Produkte wird großer
Wert gelegt.
Deshalb sind sämtliche Zusatzstoffe zu Nahrungsmitteln zu vermeiden.
Sie täuschen eine nicht vorhandene Qualität der Lebensmittel vor.
Lebensmittel sollten nicht technologisch oder gentechnisch verändert
sein. Dazu gehört auch food-design oder Bestrahlung.Aus ökologischen Betrachtungen heraus ergibt
sich die Forderung, möglichst Produkte der Region zu verwenden. Auch
eine sinnvolle jahreszeitliche Zusammensetzung der Nahrung ist wünschenswert.
Die Verpackung der Lebensmittel sollte angemessen sein.
Die Auswirkungen industriell hergestellter Nahrung sowie der reichliche
Zucker- und Salzkonsum werden kritisch betrachtet. Eine Veränderung
unserer Geschmackskultur, weg von Süßem und Salzigem, wird empfohlen.
Es ist auf eine ausgewogene Zusammenstellung unter Beachtung des regionalen
Angebotes zu achten.
Die Nahrungsmittel werden heute in vier verschiedene
Wertstufen unterteilt.
Stufe I: sehr empfehlenswert (unerhitzte
Speisen, Mineralwasser, rohes Obst und Gemüse, frische Milch)
Stufe II: empfehlenswert
(mäßig verarbeitet, Frucht- und Gemüsesäfte, Vollkornbrot)
Stufe III: weniger empfehlenswert
(Kaffee, Tee, Konserven, Weißbrot)
Stufe IV: nicht empfehlenswert (isolierter
Zucker, Kondensmilch, Schlankheitsdrinks, künstliche Süßstoffe)
Die Vollwerternährung bringt unsere
Nahrungsmittel
in ein System, berücksichtigt aber nicht nur ihren physiologischen
Wert. So geht beispielsweise auch der Aufwand, der zur Herstellung der Nahrung
notwendig ist, in die Wertigkeit des Lebensmittels mit ein. Zur
Gesunderhaltung
des Menschen und seiner Umwelt wird deshalb allen naturbelassenen Lebensmitteln
der Vorzug gegeben.