






Die
Wasseraufnahme
Die Wasseraufnahme der Pflanzen
erfolgt durch die Wurzelhaarzellen.
Sie beruht auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten.
Physikalische Gesetze wirken auch außerhalb biologischer Objekte und
lassen sich durch Modellexperimente veranschaulichen und erklären.
In einem Standzylinder wird Wasser vorsichtig mit Fruchtsirup unterschichtet.
Zunächst sind im oberen Teil des Standzylinders nur Wasserteilchen,
im unteren vor allem Zuckerteilchen. Die Konzentration
von Wasserteilchen und Zuckerteilchen ist also in beiden Bereichen des
Standzylinders unterschiedlich. Beide Flüssigkeiten sind deutlich
voneinander getrennt.
Diese Grenze wird allmählich immer undeutlicher und auch
breiter, bis sich beide Flüssigkeiten vollständig miteinander
vermischt haben. Die Ursache dieser eigenständigen Vermischung der
Stoffe Wasser und Sirup ist die Eigenbewegung
der Wasser- und Sirupteilchen.
Durch diese Eigenbewegung "wandern" die Teilchen vom Ort der
höheren Konzentration zum Ort der niedrigeren Konzentration. So kommt
es zu einem Konzentrationsausgleich zwischen den beiden Stoffen Wasser
und Zucker im Standzylinder.
Diesen Konzentrationsausgleich zwischen Wasser und Sirup kann man durch
Schmecken feststellen. Während Wasser einen neutralen Geschmack hat,
schmeckt unverdünnter Fruchtsirup extrem süß. Die Mischung
aus beiden hat eine angenehme Süße.
Der physikalische Vorgang, auf dem diese Durchmischung beruht, heißt
Diffusion.
Wie erfolgt nun die Aufnahme des Wassers
aus dem Boden?
Auf dem Weg in das Wurzelinnere müssen die Wasserteilchen zunächst
von den Wurzelhaaren der Rhizodermis aufgenommen werden.
Die Wurzelhaarzellen sind dünnwandige, schlauchförmige,
lebende Zellen. Unter der Zellwand finden wir das Zellplasma mit dem Zellkern
und großen Vakuolen (Zellsafträumen), in denen Salze und andere
Stoffe gelöst sind.
Das Zellplasma wird von der Zellwand und zu den Vakuolen hin jeweils durch
dünne Membranen abgegrenzt. Die Membranen besitzen sehr kleine Poren.
Während Wasserteilchen die Poren ungehindert durchdringen können,
sind sie für Salzteilchen nicht passierbar. Da die Membranen immer
nur einen Stoff passieren lassen, nennt man sie semipermeable (halbdurchlässige)
Membranen.
Um diese Verhältnisse an einem Modellexperiment zu veranschaulichen,
wird das Diffusionsexperiment etwas variiert. Das Wasser und die Zuckerlösung
werden durch eine semipermeable
Membran getrennt. Als semipermeable Membran verwendet man z. B. einen
Bockwurstdarm. An einem Ende zugebunden, wird er mit einem Steigrohr versehen
und mit angefärbter Zuckerlösung gefüllt. Diese Apparatur
wird an einem Stativ in ein Becherglas mit Wasser gehängt.
Das im Becherglas befindliche Wasser stellt das Bodenwasser dar, das von der Wurzel aufgenommen werden soll. Der Bockwurstdarm symbolisiert die Zellmembranen, die das Zellplasma und die Vakuolen einschließen. Die Zuckerlösung entspricht dem Zellplasma und den in den Vakuolen gelösten Salzen. Nach kurzer Zeit kann man in der Versuchsanordnung ein Ansteigen des Flüssigkeitspegels im Steigrohr entgegen der Schwerkraft beobachten. Angefärbtes Zuckerwasser lässt sich dagegen nicht im Becherglas nachweisen.
Wie lässt sich die Beobachtung
erklären?
Im Unterschied zum ersten Experiment wird der Konzentrationsausgleich
zwischen dem Wasser und der Zuckerlösung durch die semipermeable
Membran in einer Richtung behindert.
Die Zuckerteilchen werden durch die semipermeable Membran zurückgehalten.
Die Wasserteilchen können die Membran dagegen ungehindert passieren
und diffundieren in die Zuckerlösung. Durch diese Wasseraufnahme
steigt der Flüssigkeitsstand im Steigrohr.
Die Wanderung von Wasserteilchen oder von kleinen gelösten Teilchen
aus einem Bereich hoher Konzentration (z. B. Wasser im Becherglas) durch
eine semipermeable Membran in einen Bereich niedrigerer Konzentration, also hier mit weniger Wasserteilchen
(z. B. Zuckerlösung im Bockwurstdarm) wird Osmose
genannt.
Im Zellplasma und in den Vakuolen der Wurzelhaarzellen ist die Konzentration
der Stoffteilchen größer als die Konzentration der Wasserteilchen.
Im Bodenwasser ist die Konzentration der Wasserteilchen größer
als die Konzentration der Stoffteilchen. Zellplasma und Vakuolen einerseits
und Bodenwasser andererseits sind durch semipermeable Membranen voneinander
getrennt. Aufgrund des physikalischen Vorgangs der Osmose wird das Wasser
aus dem Boden aufgenommen. Innerhalb der Zellen eines Gewebes wird das
Wasser auf der physikalischen Grundlage der Diffusion geleitet. Zwischen
den Zellen, auch denen verschiedener Gewebe, erfolgt die Wasserleitung
durch Osmose, weil semipermeable Membranen zu passieren sind.
Die Vakuolen der inneren Zellen der Wurzel haben im Vergleich zu den Rhizodermiszellen
eine höhere Konzentration an Stoffteilchen und eine geringere Konzentration
an Wasserteilchen. Durch Osmose gelangt das Wasser in das Wurzelinnere
zu den Leitbündeln und von diesen in die Sprossachse.
Die Leitung des Wassers in der Sprossachse
Die Versorgung der oberirdischen Pflanzenteile mit dem von den Wurzeln
aufgenommenen Wasser und den darin gelösten Mineralsalzen gehört
zu den wichtigsten Lebensprozessen der Pflanzen. Die Pflanzen leisten
dabei Erstaunliches, denn das Wasser muss entgegen der Schwerkraft, z. B. bei Bäumen, in oft beträchtliche Höhen (Ferntransport) und in großen Mengen
transportiert
werden. Anders als bei den Tieren, deren Blutkreislauf durch ein pumpendes
Herz angetrieben wird, stehen den Pflanzen für den Wassertransport
keine Flüssigkeitspumpen zur Verfügung.
Der Wassertransport in den Gefäßen der Leitbündel ist
von den Pflanzen kein aktiv geförderter Prozess. Er beruht auf rein
physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Das Wasser gelangt von den
Wurzelhaaren bis in die Gefäße
durch Diffusion und Osmose. Der Transport des Wassers in den Gefäßen
der Sprossachse bis in die
Laubblätter erfolgt durch andere physikalische Vorgänge. Um
diese Vorgänge zu erkunden, gibt es eine einfache Untersuchung. Wenn
man ein Glasgefäß mit Wasser füllt, das aus Röhren
mit unterschiedlichem Durchmesser besteht, die miteinander verbunden
sind, so stellt man fest, dass das Wasser in den sehr engen Röhren
(als Kapillaren bezeichnet) höher als in den weiten Röhren steigt.
Ursache dafür ist das Wirken von Anziehungskräften zwischen
den Teilchen des Wassers und des Glases.
Die Anziehungskräfte zwischen den Teilchen verschiedener Körper
werden als Adhäsionskräfte
bezeichnet.
Adhäsionskräfte bewirken z. B. das Haften von Kreide an der
Tafel, von Farben an Wänden und auf Bildern. Auch die Wirkungsweise
aller Klebstoffe basiert auf Adhäsion.
In den Gefäßen wirkt die Adhäsion ebenfalls.
Adhäsion ist in den Gefäßzellen das Anheftungsvermögen
der Teilchen verschiedener Stoffe an die Gefäßwand. Betrachtet
man die Gefäßzellen verschiedener Pflanzen, so erkennt man,
dass ihr Durchmesser je nach Pflanzenart 40 bis 700 mm beträgt. Die
Gefäßzellen wirken wie Kapillarsysteme, in denen das Wasser
aufsteigt. Mithilfe dieser Kapillarkräfte kann das Wasser in den
Gefäßen des Leitbündels etwa 4 bis 7 cm aufsteigen. Das
bedeutet, dass die in den Gefäßzellen (als Kapillaren gekennzeichnet)
wirkenden Adhäsionskräfte zwar den Wassertransport erleichtern,
sie können aber nicht die einzigen Kräfte sein, die ihn bewirken.
Für die Erzeugung des Wasserstroms in den Gefäßzellen
des Leitbündels gibt es theoretisch zwei Möglichkeiten: einmal
durch die Erzeugung eines Drucks von der Wurzel her und zum anderen durch
die Entwicklung eines Sogs an der Sprossspitze. Im ersten Fall wird das
Wasser in den Leitgefäßen von der Wurzel her "geschoben"
und im zweiten Fall von den Blättern her "gezogen". Beide
Möglichkeiten sind in der Pflanze verwirklicht.
Der Wurzeldruck lässt
sich auch an intakten Pflanzen beobachten. An warmen Tagen kann man in
den frühen Morgenstunden bei jungen Graspflanzen, aber auch an den
Blattspitzen des Springkrauts, Schöllkrauts, Salats, der Kresse,
der Erdbeere usw. sehen, dass an ihnen Wassertröpfchen geradezu herausquellen.
Der Wurzeldruck wird durch die osmotischen Vorgänge der Wasseraufnahme
durch die Wurzelhaare erzeugt und beruht somit auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten.
Abgabe des Wassers durch die Blätter
Die Pflanzen geben über die Blätter Wasser ab. Dieser Vorgang
heißt Transpiration.
Der durch die Transpiration hervorgerufene Wasserverlust erzeugt innerhalb
der Pflanze einen Sog, der Wasser aus den Blattzellen, den Blattnerven
und -stielen und letztlich aus der Sprossachse und den Wurzeln nachzieht.
Diesen Sog nennt man Transpirationssog.
Er kommt zustande, weil sich in der Umgebung der Laubblätter weniger
Wasser befindet als in den Laubblättern der Pflanzen. Wasser wird
daher den Laubblättern entzogen. Dies beruht auf Diffusion. Energiequelle
dafür ist die Sonne, die letztlich den Transpirationssog bewirkt.
Das Wasser wird aufgrund der Transpiration gleichsam in Form von "Wassersäulen"
durch die Gefäßzellen der Leitbündel nach oben gezogen.
Durch vielgestaltige Verdickungen der Zellwände der Gefäße, wie man sie auch analog in den Knorpelringen der Luftröhre oder dem Schlauch eines Staubsaugers finden kann, wird ein Zusammenfallen der Gefäße durch den Transpirationssog verhindert.
Der Wasserstrom kommt nur unter der Voraussetzung zustande, dass die
Wassersäulen in den Gefäßen trotz der hohen Zugkräfte
nicht reißen. Die Ursache für die Reißfestigkeit liegt
darin begründet, dass sich die Wasserteilchen gegenseitig anziehen.
Diese Erscheinung des Zusammenhalts der Wasserteilchen wird als Kohäsion
bezeichnet.
Nachweis der Wasserleitung in der
Sprossachse
Die Wasserleitung in der Sprossachse kann man mit einem einfachen Versuch
nachweisen. Dazu wird eine Pflanze mit einer weißen Blüte in
ein Gefäß mit angefärbtem Wasser gestellt. Nach 5 Stunden
kann man beobachten, dass sich die Blütenblätter der Pflanze
angefärbt haben. Wird dann die Sprossachse der Pflanze durchgeschnitten,
erkennt man die ebenfalls angefärbten Gefäße der Leitbündel.