















Die Weichtiere
(Mollusca) sind mit etwa 130 000 Arten weltweit nach den Insekten die zweitgrößte
Tiergruppe, sie sind ebenfalls Wirbellose. Etwa 600 Arten sind in Deutschland bekannt. In der Größe sowie im Erscheinungsbild zeigen sie eine große
Mannigfaltigkeit. Gemeinsam ist allen Vertretern dieser Tiergruppe ein wenig gegliederter, drüsenreicher und
weicher Körper. Daher haben sie den Namen Weichtiere
erhalten.
Vertreter der Weichtiere besiedeln alle Lebensräume, die Meere
und Süßgewässer sowie das Land. Zu ihnen gehören auch uns sehr gut bekannte und geläufige
Tiergruppen, z. B. die Schnecken,
Muscheln und Kopffüßer,
auch Tintenschnecken genannt. Trotz gemeinsamer Merkmale besitzt doch jede dieser Gruppen eigene
charakteristische Kennzeichen.
Bau und Lebensweise einer Gehäuseschnecke
Körperbau der Weinbergschnecke
Zu den größten heimischen gehäusetragenden Schnecken
gehört die Weinbergschnecke.
Sie besiedelt verschiedene Lebensräume, z. B. Gärten, Wälder,
Hecken, Gebüsche und Mauern.
Ihr weicher, drüsenreicher Körper ist in Kopf,
Fuß,
Mantel und Eingeweidesack
gegliedert. Der Eingeweidesack ist ein Gebilde, das die inneren Organe
umschließt. Der Mantel ist eine Hautfalte, die den Eingeweidesack
umhüllt. Eine Stelle, der Eingang in die Atemhöhle,
wird dabei offen gelassen.
Der Mantel sondert ein kalkhaltiges, hartes Gehäuse ab. Dieses
schützt den weichen Körper der Weinbergschnecke vor Feinden
und Austrocknung. Das Gehäuse ist ca. 4 – 6 cm lang, gelblich gefärbt
mit dunklen Bändern. Am Kopf befinden sich 2 Paar Fühler. Die
hinteren, größeren Fühler tragen die Augen. Die Weinbergschnecke
kann mit ihnen auf Licht und Berührung reagieren. Ihr einfaches Nervensystem
besteht aus Nervenknoten und -strängen. Der untere, sichtbare Teil
des Weichkörpers ist der muskulöse Fuß. Er ist auf der
unteren Seite zu einer Kriechsohle abgeplattet.
Das Atemloch am Mantelrand schließt und öffnet sich regelmäßig.
Hierdurch gelangt die Luft in die Atemhöhle, auch als "Lunge"
bezeichnet. Die Atemhöhle ist mit feinsten Blutkapillaren ausgekleidet.
Hier erfolgt der Austausch der Atemgase Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid.
Ihren Transport in bzw. aus dem Körper übernimmt ein offenes
Blutgefäßsystem. Die Weinbergschnecke atmet außerdem
noch durch die gesamte Körperoberfläche (Hautatmung).
Fortbewegung der Weinbergschnecke
Wenn du eine Weinbergschnecke über eine Unterlage kriechen lässt,
hinterlässt sie eine schleimige Spur. Durch Ausstrecken und Zusammenziehen
der kräftigen Muskeln in der Kriechsohle kann sich die Weinbergschnecke
in einer Stunde etwa 3,5 bis 4,5 m vorwärts bewegen. Dabei wird ein
schleimiges Sekret abgesondert, mit dessen Hilfe die Weinbergschnecke
über fast jedes Hindernis gelangt und auch nach oben kriechen kann,
z. B. über Steine, an Bäumen, an Gartenzäunen, ja sogar
über eine Rasierklinge, eine Messerschneide oder über Glasplatten. Beim
Kriechen über eine Glasplatte kannst du von unten gesehen Wellenbewegungen beobachten,
die über ihre Kriechsohle hinweglaufen.
Fortpflanzung und Vermehrung der Weinbergschnecke
Die Weinbergschnecke ist ein zwittriges Tier. Jedes Tier bildet sowohl
weibliche Eizellen als auch männliche Spermienzellen (Samenzellen)
aus. Diese Zellen werden in einer Spermientasche aufbewahrt. Sind diese
gereift, finden sich zwei Weinbergschnecken zur Paarung zusammen.
Die Spermien werden wechselseitig übertragen und befruchten jeweils
die Eizellen des Partners. Die befruchteten, etwa erbsengroßen Eier
werden in einer kleinen, mit dem Fuß selbst gegrabenen, 10 cm tiefen
Erdhöhle abgelegt. Die Entwicklung erfolgt über Larvenstadien. Die gesamte embryonale und larvale Entwicklung findet im Ei statt. Nach einigen Wochen schlüpfen die Jungen. Sie sehen den erwachsenen Schnecken sehr ähnlich, sind jedoch noch viel kleiner und ihr Schneckenhaus ist noch nicht hart.
Die Jungen wachsen schnell heran. Im Herbst verkriechen sich die jungen und die alten Schnecken unter Moos, Laub und in lockerer Erde. Sie ziehen ihren weichen Körper vollständig in das Gehäuse ein und verschließen die Gehäuseöffnung mit einer dünnen Kalkplatte.
In Winterstarre (Kältestarre)
überwintern sie. Ist die Temperatur im Frühling gestiegen, wird
der Kalkdeckel entfernt und die Weinbergschnecken kriechen nach oben an
die Oberfläche.
Vielfalt der Schnecken
Auf der Erde gibt es über 40 000 Schneckenarten. Die Mannigfaltigkeit in
der Ausbildung der Organe und der Lebensweise ermöglicht den Schnecken
die Anpassung an Lebensräume im Wasser und auch an Land, dort teilweise
sogar an trockenen Stellen.
Entsprechend des Vorhandenseins der Atmungsorgane "Lungen" oder Kiemen werden die Schnecken von Biologen in die Gruppen Kiemenschnecken (z. B. Sumpfdeckelschnecke, Wellhornschnecke) und Lungenschnecken (z. B. Hain-Schnirkelschnecke, Große Wegschnecke) unterteilt. Auch in der Ausbildung der Schalen ist eine große Mannigfaltigkeit festzustellen. Bei vielen Vertretern ist dieses Gehäuse ein kunstvolles, spiraliges Gebilde aus Kalk, z. B. bei den Gehäuseschnecken. Bei anderen Schnecken, den Nacktschnecken, ist das Gehäuse auf eine kleine Kalkplatte im Körperinneren reduziert oder fehlt völlig.
Vertreter der Landschnecken (Lungenschnecken)
Hain-Schnirkelschnecke
(ca. 2 cm):
Gehäuseschnecke; dunkler Saum an der Gehäuseöffnung; unterschiedliche
Färbung und Bänderung des Gehäuses; lebt in Gärten,
auf Wiesen, im Gebüsch.
Vertreter der Wasserschnecken (Kiemenschnecken)
Posthornschnecke (Planorbarius corneus) (ca. 1,5 cm):
Gehäuseschnecke; bräunliches, flaches Gehäuse; häufiger
Bewohner ruhiger, pflanzenreicher Gewässer; wird auch in Aquarien zum "Abweiden"
von Algen genutzt
Sumpfdeckelschnecke (Viviparus contectus) (3 – 4 cm):
Gehäuseschnecke; kegelförmiges Gehäuse mit braunen Zuwachsstreifen,
durch Deckel verschließbar; lebt in Seen, Teichen, Tümpeln
Porzellan-Schnecke (Cypraea tigris), auch Tigermuschel genannt (ca. 10 cm):
Gehäuseschnecke; hartes, buntfarbiges, glänzendes Gehäuse
wie Porzellan; hält man ein leeres Gehäuse ans Ohr, hört man "Meeresrauschen"; lebt in
Korallenriffen; früher als Zahlungsmittel verwendet
Vertreter der Muscheln
Auf der Erde gibt es über 10 000 Arten von Muscheln. Die in nahezu allen
Meeres- und Süßgewässern zu findenden Muscheln sind häufig
fest sitzend. Sie atmen durch Kiemen.
Der Fuß ermöglicht nur langsame Bewegungen. Viele Muscheln
können sich durch Abgabe eines Drüsensekretes, das im Wasser
schnell erhärtet, an Gegenständen, Steinen oder anderen Materialien,
z. T. auch an den Schalen von Artgenossen, festhalten.
Diese Schalen werden aus zwei Schalenklappen gebildet, die den gesamten,
seitlich abgeflachten Weichtierkörper schützend umschließen.
Muscheln besitzen keinen Kopf. Durch ein elastisches Band und kräftige
Schließmuskeln können die Schalenklappen bei Gefahr geschlossen
werden. Durch die scharfkantigen, vorderen Schalenränder oder durch
säurehaltige Sekretausscheidungen können sich einige Muscheln
in Steine oder Holz einbohren und z. T. zu Schäden an Hafenanlagen
führen.
Die dreischichtigen Schalen können aber auch sehr wertvolle Edelperlen
entstehen lassen, indem kleine, in die Muschel eingestrudelte Fremdkörper
von der inneren Perlmuttschicht eingeschlossen und überlagert werden.
Nach mehreren Jahren entsteht so im Inneren der Muschel eine Perle.
Ökologische Bedeutung erhalten Muscheln dadurch, dass sie mit dem
Atemwasser Plankton und Detritus (tote organische Substanz) filtern und
als Nahrung nutzen. Dadurch unterstützen sie die biologische
Selbstreinigung der Gewässer. Durch den Menschen verursachte
übermäßige Veränderungen der Gewässer führen
jedoch auch zu einer Bedrohung der Muscheln.
Vertreter der Kopffüßer
Die Kopffüßer (Cephalopoda), auch Tintenschnecken genannt, sind die am weitesten
entwickelte Gruppe der Weichtiere. Heute leben etwa 750 bis 1 000 Arten. Fossil sind rund 10 000 Arten bekannt. Zu den Kopffüßern gehören zwei Gruppen. Die Gruppe der achtarmigen Kopffüßer (Octobrachia), die Kraken, mit sackförmigem Körper und acht Armen, die zwei Reihen von Saugnäpfen besitzen. Und die Gruppe der zehnarmigen Kopffüßer (Decabrachia), die Sepien und Kalmare, mit fünf Armpaaren, deren viertes zum Beutefang verlängert und einziehbar ist (Fangarme, Tentakel).
Bei den Kopffüßern ist der Fuß zu Kopf- und Fangarmen umgewandelt. Diese sind mit Drüsen und auf der Mundseite mit Saugnäpfen
besetzt. Einzelne Vertreter, z. B. die Riesenkalmare, erreichen eine Länge von ca. 18 m und stellen somit die größten
wirbellosen Tiere der Welt dar. Deren 2 Linsenaugen sind mit einem Durchmesser
von 40 cm die größten im gesamten Reich der Tiere. Bei fast
allen Kopffüßern wird die harte Schale nicht außen, sondern
innerlich als "Schulp" ausgebildet.
Kopffüßer nutzen die Kopf- und Fangarme sowohl zum Nahrungserwerb,
also zum Ergreifen von Fischen oder Muscheln, als auch zur Fortbewegung.
Ein vor der Atemhöhle befindlicher Trichter ermöglicht eine
schnelle Fortbewegung nach dem Rückstoßprinzip. Dabei wird
die Atemhöhle verengt und das Wasser durch den Trichter rasch nach
außen gepresst. Bei den Sepien und Kalmaren wird die Fortbewegung
durch ein Paar Flossen unterstützt.
Manche Arten geben bei Gefahr ein Sekret aus einer Anhangsdrüse des
Enddarms (Tintenbeutel) ins Wasser ab. Dadurch bildet sich eine dichte,
dunkle Farbwolke, die das Tier schützt. Diese Verhaltensweise führt
dazu, dass die Kopffüßer auch als Tintenschnecken oder "Tintenfische" bezeichnet werden. Viele Kopffüßer können ihre Farbe zur Tarnung oder zur Kommunikation wechseln. Einige können sich der Struktur des Untergrunds perfekt anpassen und so für ihre Feinde unsichtbar werden.
Gemeiner
Krake (Octopus vulgaris):
lebt in Mittelmeer, Ostatlantik und Nordsee auf felsigem Grund;
8 Kopfarme mit zwei Reihen Saugnäpfen besetzt;
Körper sackförmig; Schale z. T. ganz zurückgebildet, das befähigt das Tier zu großer Beweglichkeit (kann sich durch sehr enge Felslücken zwängen); ohne
Flossensaum; passt sich dem Untergrund durch Farbwechsel an; lebt in Höhlen; gibt bei Gefahr Tinte ab; Nahrung: Muscheln und Krebse; Länge ca. 1 m (im Mittelmeer bis 3 m); wird vom Menschen als Nahrungsmittel genutzt
Weichtiere als Fossilien
Weichtiere besiedelten die Meere schon vor etwa 500 Millionen Jahren im
Erdaltertum. Es waren vor allem Vertreter der Tintenschnecken (Kopffüßer),
die Ammoniten und Belemniten. Deren Blütezeit war vor etwa 190 Millionen Jahren im Erdmittelalter
(Jura- und Kreidezeit). Am Ende dieses Zeitalters, vor etwa 65 Millionen
Jahren, starben sie aus.
Wissenschaftler erwarben diese Kenntnisse von Fossilien,
z. B. Versteinerungen dieser Tiere, die in verschiedenen Gesteinsschichten
gefunden wurden. Die Ammoniten, auch
nach dem ägyptischen Gott Ammon Ammonshörner genannt, besaßen
ein gekammertes äußeres Gehäuse und ähnelten äußerlich den
Schnecken.
Die Belemniten waren wahrscheinlich zehnarmige Kopffüßer. Erhalten geblieben sind die spitzen Reste
ihrer inneren Schale. Diese findest du noch heute an Meeresstränden
oder in Gesteinsschichten. Sie werden "Donnerkeile" genannt.
Auch zahlreiche Schneckengehäuse und Muschelschalen, unseren heute
lebenden Schnecken und Muscheln ähnlich, wurden in verschiedenen
Gesteinsschichten, dem Muschelkalk, gefunden. Solche Fossilien ermöglichen
einen Vergleich mit heute lebenden Arten und lassen Rückschlüsse
auf die Lebensbedingungen in vergangenen Zeiten zu.
Viele Reste von Weichtieren und anderen Kleintieren findest du in den
Kreidefelsen
der Insel Rügen. Betrachtest
du ungereinigte Kreide unter einem Mikroskop, so findest du verschiedene
Überbleibsel dieser Lebewesen aus der Zeit vor etwa 80 Millionen
Jahren. In den Kreidefelsen der Steilküste an der Stubbenkammer beispielsweise
befinden sich versteinerte Seeigel, "Donnerkeile", Schwämme,
Muscheln und andere Fossilien.