
Wespen oder Bienen rufen bei einer gemütliche Kafferunde oft hektische Bewegungen der Anwesenden hervor. Bienen und Wespen gehören zu den Insekten (Ordnung Hautflügler). Sie werden aber verschiedenen systematischen Gruppen zugeordnet. Vier wichtige Unterscheidungsmerkmale im Körperbau der Wespen sind:
Es gibt einzeln lebende (solitäre
- z.B. Lehmwespen) Wespen und staatenbildende Wespen (soziale, z. B. Faltenwespen).
Die etwa 3000 Wespenarten verteilen sich auf 3 Familien.
Der Wespenstaat
Mit maximal 5500 Organismen sind die Wespenstaaten
wesentlich kleiner als die Bienen- oder Ameisenstaaten und sie erreichen
auch deren Organisationshöhe nicht.
Wespen bilden als soziale Insekten Kasten (Königin, Arbeiterinnen, Männchen), auf die grundsätzlich die gleichen Merkmale wie die der Bienen zutreffen. Jedoch ist die Unterscheidung der Kasten anhand des Körperbaus viel schwieriger. Die weiblichen Organismen - Königin und Arbeiterinnen, die sich aus befruchteten Eiern bilden, lassen sich oft anhand der Größe, genauer aber am Verhalten erkennen. Die Männchen entstehen aus unbefruchteten Eiern und besitzen längere Fühler.
Die Aufgaben der Arbeiterinnen im Innen- bzw. Außenbereich werden in Abhängigkeit vom Alter bei Bienen und Wespen nacheinander ausgeführt. Der Zusammenhang besteht darin, dass je nach Alter die notwendigen Organe für die Arbeiten nach und nach funktionstüchtig werden. Jedoch dauern die Aufgabenbereiche bei den Wespen unterschiedlich lang und überschneiden sich. So füttert z.B. eine Arbeiterin bis zum 9.Tag Larven, ab dem 8.Tag steht sie schon für das Eintragen von Nestmaterial, Wasser und zur Nestverteidigung zur Verfügung. Vierzehn Tage lang sammelt sie ab dem 12. Lebenstag im Außendienst Nahrung. Danach verrichtet sie bis zu ihrem Tod Wächterdienst.
Die Bildung eines neues Wespenstaates
Die begattete junge Königin
verlässt im Frühjahr ihr Winterquartier. Nachdem sie sich kurz
mit Nektar gestärkt hat, muss das Weibchen zur Gründung
und Entwicklung ihres neuen Volkes ein kleines Nest bauen. Die
Wahl des Ortes ist von Licht-, Feuchtigkeit- und Temperaturverhältnisse
abhängig. Die Nistorte können frei in Bäumen hängen,
sich in Bodensenken (Bodennester) oder unter der Erdoberfläche -
meist Mäuselöcher - (Erdnester) befinden. Nestbaumaterial sind
immer Pflanzenfasern, welche durch das Abschaben von Holz mithilfe des
Oberkiefers gewonnen werden.
Die Königin betreibt, nachdem sie ihre Eier ins kleine Nest abgelegt
hat, zunächst selbst Brutpflege. Wenn die ersten Arbeiterinnen geschlüpft
sind, wird das Nest schrittweise vergrößert und sie übernehmen
alle weiteren Arbeiten.
Anfangs besteht der Wespenstaat nur aus einer horizontalen Wabe mit vielen
sechseckigen Zellen. Jede Wabe besteht
nur aus einer Zellschicht (im Gegensatz zu den Honigbiene) und die Öffnungen
zeigen nach unten. Die Eier und Junglarven werden mit einem Sekret festgeklebt,
damit sie nicht herausfallen. Der Kopf der Larven zeigt zur Fütterung
nach unten. Die meisten Wespen vertilgen große Mengen an Insekten.
Sie werden zur Ernährung des Nachwuchses getötet, zerstückelt
und z.T. mit den Mundwerkzeugen zerkaut. Der entstandene Fleischbrei wird
mit eigenen Ausscheidungsprodukten an die Larven verfüttert. Man
hat 60 Wespen beobachtet, die in einer Stunde ca. 227 Fliegen gefangen
haben. Die erwachsenen (adulten) Wespen leben in Symbiose
mit den Larven, indem sie Flüssigkeiteitstropfen der Larven aufsaugen.
Der abgegebene Speichel enthält Enzyme zum Eiweißabbau (Proteasen),
welche die weiblichen Individuen nicht mehr besitzen.
Wespen können ihre Nesttemperatur ähnlich wie die Honigbienen z.B. durch Wärmeerzeugung oder Wassereintragen bei zu hohen Temperaturen regulieren und relativ konstant halten.
Von "Kuckuckswespen" und Hornissen
Unter den Wespen haben sich auch schmarotzende Arten (Kuckuckswespen)
herausgebildet. Sie suchen andere Nester auf, töten die dort lebende
Königin oder verdrängen sie, um ihre Brut von fremden Arbeiterinnen
pflegen zu lassen. Schmarotzerwespen
sind durch ihren Körperbau an ihre Lebensweise angepasst, indem sie
stärker gepanzert sind und einen kräftigeren Stachel als die
Wirte besitzen.
Hornissen als die größten
einheimischen Wespen, erreichen eine Größe bis 40 mm. Nach
vielen Legenden über die Hornisse als "Horrorinsekt" ist
ihr Bestand stark zurückgegangen. Die Gefährlichkeit der Hornissen
wird seit jeher stark übertrieben. Es ist noch kein sicherer Fall
aufgetreten, dass ein Mensch an Hornissenstichen gestorben ist. Ausnahmen
sind allerdings Menschen, die gegenüber Insektenstichen allergisch
sind. Die Hornissen leben sozial in ihrem bis zu 1500 Organismen umfassenden
Nest und ähnlich den mit ihnen verwandten Wespen.