





Spezielle
Hormone und ihre Wirkungen
Beispiele für Stoffwechselhormone
(metabolische Hormone) sind Thyroxin, Insulin, Glucagon, Adrenalin und Glucocorticoide.
Thyroxin (Tetrajodhyronin) und Trijodhyronin
werden im Schilddrüsengewebe aus der Aminosäure Thyrosin und
3 bzw. 4 Jodatomen gebildet. Da der Organismus Jod
jedoch nicht selbst bildet, muss es über die Nahrung aufgenommen
werden.
Die beiden Schilddrüsenhormone
wirken auf zwei Weisen: Zum einen erhöhen sie den Energieumsatz des
menschlichen Körpers und passen ihn somit an Kälte und Aktivität
an, zum anderen hemmen sie die Hormonausschüttung aus Hypothalamus
und Hypophyse, durch welche sie ursprünglich zum Arbeiten angeregt
wurden. Diesen Vorgang nennt man negative Rückkoppelung.
Über die Stoffwechselbeschleunigung hat Thyroxin auch Einfluss auf
Wachstum und Entwicklung.
Insulin steuert den Kohlenhydratstoffwechsel.
Es wird in den langerhansschen Inseln des Pankreas (Bauchspeicheldrüse)
gebildet und ist als einziges Hormon in der Lage, den Blutzuckerspiegel
zu senken (Sollwert des Menschen liegt bei 0,9 mg/ml). Dies geschieht
durch die Fähigkeit zur Steigerung der Membrandurchlässigkeit
für Glucose (Zucker), womit sie schneller ins Zellinnere und damit
zum Abbauort befördert werden kann. Des Weiteren aktiviert Insulin
Enzyme, welche die Glykogenbildung und -speicherung aus Glucose fördern
und die Fettumwandlung aus Zucker erhöhen.
Glucagon ist ebenfalls ein Hormon
der langerhansschen Inseln des Pankreas, es erhöht den Blutzuckerspiegel
bei Zuckermangel durch Glykogenabbau (Glykogenolyse), und die daraus resultierende
Glucosebereitstellung. Glucagon erzielt also die genau entgegengesetzte
Wirkung von Insulin.
Insulin und Glucagon sind Beispiele für antagonistische Hormone,
die gegensätzliche Wirkung haben, aber dadurch das physiologische
Gleichgewicht einer oder mehrerer Körperfunktionen regulieren.
Adrenalin und Noradrenalin
sind Botenstoffe des Nebennierenmarkes und werden aus Thyrosin gebildet.
Adrenalin und Noradrenalin sind auch "Stresshormone" und wichtige
Überträgerstoffe im Nervensystem, dessen Aufgabe es ursprünglich
war, den Körper zu Kampf oder Flucht zu befähigen. Sie besitzen
ein breites Wirkungsspektrum.
Adrenalin wird ausgeschüttet bei: Körperlicher und seelischer
Belastung, Infektionen, Verletzungen und niedrigem Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie).
Es erfüllt folgende Aufgaben:
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-
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Es beschleunigt den Puls und die Pumpkraft des Herzens. |
| - | Es steigert den Blutdruck durch Verengung der Blutgefäße. |
| - | Es senkt die Darmtätigkeit. |
| - | Es erweitert die Bronchien und die Pupillen. |
| - | Es fördert den Sauerstoffverbrauch des Körpers. |
| - | Es stellt Energien bereit, indem Fett- und Zuckervorräte des Körpers aus ihren Speichern gelöst werden. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel erhöht (entgegengesetzt zu Insulin). |
| - | Es löst Unruhe und Angst aus. |
Glucocorticoide wie z. B. das Cortisol beeinflussen den Energiestoffwechsel. Sie fördern den Glykogenabbau in der Leber und die Synthese von Glucose aus Nicht-Kohlenhydraten wie z. B. aus Proteinen, wenn Glucosevorräte nicht mehr mobilisiert werden können oder aufgebraucht sind. Glucocorticoide werden in der Nebennierenrinde gebildet. Sie wirken auch entzündungshemmend.
Beispiele für Wachstums- und Entwicklungshormone (morphogenetische
Hormone) sind das Wachstumshormon Somatropin und die Geschlechtshormone
(Testesteron, Progesteron, Östradiol).
Das Wachstumshormon (Somatropin,
Growth-Hormon (GH)) wird in der Adenohypophyse (Vorderlappen der Hypophyse)
gebildet und vorrangig im Tiefschlaf freigesetzt. Es beeinflusst das Gewebewachstum,
vor allem das der Knochen und der Knorpel. Diese Wirkung ist auf das Jugendalter
(etwa bis 18 Jahre) begrenzt. Unzureichende Produktion im Kindes- und
Jugendalter hat Zwergenwuchs zur Folge. Das Wachstumshormon hat aber auch
über das Jugendalter hinaus Einfluss auf den Stoffwechsel. Es hat
anabolische (muskelbildende) Wirkung, hemmt die Insulinwirkung und vermindert
demzufolge den Zuckerabbau. Auch auf Haut und Gehirn sind positive Wirkungen
nachgewiesen. Im Jugendalter ausreichend vorhanden, nimmt die Produktion
des Wachstumshormons mit zunehmendem Alter ab. Die Folgen bei Mangel an
GH reichen von Fettpolsterbildung und Cholesterinwerterhöhung bis
Leistungsabnahme, Schwächung von Immun- und Blutsystem und Beeinträchtigungen
der Gehirnfunktion – das Auftreten der typischen Alterungserscheinungen.
Geschlechtshormone
(Sexualhormone) werden aus Cholesterin
in den Keimdrüsen und z. T. in der Nebennierenrinde hergestellt und
sind chemisch sehr ähnlich. Sie beeinflussen die geschlechtliche
Entwicklung, den Körperbau, verschiedene Stoffwechselprozesse, die
Emotionen und Motivationen und das Verhalten von Menschen und Tieren.
Die Synthese der Sexualhormone wird durch Hormone der Hypophyse (Adenohypophyse)
stimuliert.
Männliche Sexualhormone, die Androgene
(z. B. Testosteron) werden hauptsächlich in den Interstitiellen (embryonale
Zellen, die noch nicht differenziert sind) oder den leydigschen Zwischenzellen,
die zwischen den Samenkanälchen der Hoden liegen, gebildet. Das Testosteron
löst während der Pubertät die Reifung des Hodengewebes
und die Bildung von Spermien aus. Es hat Einfluss auf die Ausbildung sekundärer
Geschlechtsmerkmale, auf das Wachstum der Muskulatur und das Verhalten.
In der Embryonal- und Kindheitsentwicklung des Menschen und vieler Wirbeltiere
werden durch Testosteron und seine Vorstufen die primären Geschlechtsmerkmale
sowie die Entwicklung der Sexualzentren im Gehirn stimuliert. Testosteron
wird auch bei Frauen und Mädchen in der Nebennierenrinde gebildet.
Weibliche Sexualhormone (Follikelhormon und Gelbkörperhormon) beeinflussen sich wechselseitig und auch ihre Synthese wird durch die Hypophyse gesteuert. Das Östradiol (früher Follikelhormon) wirkt in der Embryonal- und Kindheitsentwicklung auf die Ausbildung weiblicher Geschlechtsmerkmale und die Entwicklung der zyklischen Sexualzentren im Gehirn. Während der Pubertät und im Erwachsenenalter lösen sie den weiblichen Genitalzyklus aus. Reift (in der Regel alle 28 Tage) im weiblichen Eierstock durch Hormone angeregt eine Eizelle heran, bildet sich als Hülle ein flüssigkeitsgefülltes Bläschen – der sogenannte Follikel. Dieses Bläschen übernimmt die Funktion einer Hormondrüse und produziert nun Östradiol, welches die Gebärmutter informiert, sich durch die Bildung einer gut durchbluteten Wand auf die Einnistung und längerfristige Ernährung eines Embryos vorzubereiten.
Zirka 13 Tage später platzt der Follikel, gibt die Eizelle in den
Eileiter frei und beginnt sofort sich mit Zellen zu füllen, die eine
gelbliche Flüssigkeit enthalten (Gelbkörper). Dieser Prozess
entspricht wieder der Umwandlung des Bläschens in eine Hormondrüse.
Bei einer Befruchtung der Eizelle produziert diese nun das Hormon Progesteron,
welches die begonnene Tätigkeit des Östradiol fortsetzt und die Gebärmutter
weiter animiert, eine gut durchblutete Hülle vorzubereiten. Die Durchblutung
wird weiterhin erhöht und ein Zusammenziehen der Gebärmutter
verhindert. Bis zum 4. Schwangerschaftsmonat übernimmt der Gelbkörper
die Steuerzentrale der Gebärmutter. Gleichzeitig verhindert Progesteron
nun das Reifen anderer Eizellen und bereitet durch Auflockern des Bindegewebes,
Erweichen des Beckenknochengewebes und Anregen entspannender Gefühle
bereits die Geburt vor.
Bei Nichtbefruchtung wird der Aufbau der nun funktionslosen Gebärmutterschleimhaut
nicht weiter veranlasst und sie wird abgestoßen (Menstruation).