





Der äußere
Bau der Wurzeln
Alle Wurzeln einer Pflanze bilden ein Wurzelsystem.
Bei zweikeimblättrigen Pflanzen besteht das Wurzelsystem aus einer
in die Tiefe wachsenden Hauptwurzel,
die fortlaufend Seitenwurzeln bildet.
Die Hauptwurzel dringt tief in den Boden ein und bildet einen festen Anker.
Pflanzen, die mit ihren Wurzeln sehr tief in den Boden
vordringen, heißen Tiefwurzler.
Pflanzen, deren Wurzeln sich flach unter der Bodenoberfläche ausbreiten,
nennt man Flachwurzler.
Einige Hauptwurzeln, z. B. die der Möhre und Zuckerrübe,
sind als Speicherorgane umgebildet. Die gespeicherten Nährstoffe
werden von der Pflanze während der Blüten- und Fruchtbildung
verbraucht. Deshalb wird das Wurzelgemüse vor der Blüte geerntet.
Einkeimblättrige Pflanzen haben ein sprossbürtiges Wurzelsystem.
Bei ihnen stirbt die bei der Keimung des Samens gebildete Wurzel ab
und wird durch mehrere aus der Basis der Sprossachse herauswachsende
Wurzeln, den sogenannten sprossbürtigen
Wurzeln, ersetzt. Die sprossbürtigen Wurzeln bilden dicht unter
der Bodenoberfläche ein weit verzweigtes Wurzelsystem. Aus diesem
Grund sind z. B. Gräser ausgezeichnete Bodenbedecker, die
eine Bodenerosion verhindern. Die Wurzeln einiger Gräser können aber auch bis einige Meter tief in die Erde hineinreichen, um aus diesen tieferen Bodenschichten Wasser aufzunehmen.
Wurzelsysteme haben meist eine beträchtliche Gesamtlänge
und können beachtliche Tiefen erreichen, z. B. besitzt eine
Roggenpflanze eine Gesamtlänge des Wurzelsystems von 975 m
und eine Wurzeltiefe von 2 m.
Die Zonierung einer Wurzel ist an Keimwurzeln gut erkennbar. An der
Wurzelspitze befindet sich eine Wurzelhaube
(Kalyptra). Sie schützt das darunter befindliche Bildungsgewebe,
das durch Zellteilungen für das Wachstum der Wurzeln in den Erdboden
verantwortlich ist. Der Bereich des Wachstums wird Streckungszone genannt.
Er kann durch das Anlegen einer gleichmäßigen Markierung
an Keimwurzeln leicht ermittelt werden. Dicht hinter der Streckungszone
folgt die Wurzelhaarzone. Dort vergrößern
viele winzige Wurzelhaare die Wurzeloberfläche. Sie tragen in besonderem
Maße zur Gesamtlänge der Wurzelsysteme bei. Nur in dem Bereich
der Wurzelhaarzone, der oft nur wenige Zentimeter lang ist, kann die
Pflanze Wasser und Mineralsalze aufnehmen. Die sehr fein gebauten Wurzelhaare
leben nur ein bis wenige Tage und werden mit dem Wachstum neu gebildet.
Wurzeltiefe von Pflanzen (Auswahl) in m:
| Löwenzahn |
0,30
|
| Ackerwinde |
1,00
|
| Glockenblume |
1,00
|
| Sommer-Weizen |
1,90
|
| Erbse |
2,10
|
| Rotklee |
2,10
|
| Gerste |
2,60
|
| Hafer |
2,60
|
| Waldbäume |
5-10
|
| Wüstenpflanzen |
10-20
|
Der innere Bau der Wurzeln
Obwohl die Wurzeln ein sehr unterschiedliches äußeres Aussehen
haben können, sind sie in ihrem inneren Bau weitgehend übereinstimmend.
Dies ist an einem Wurzelquerschnitt
bzw. Wurzellängsschnitt zu erkennen. Das äußere Abschlussgewebe
wird Rhizodermis (Wurzelhaut)
genannt. Die Rhizodermis besteht aus einer Einzelschicht dicht aneinander
gelagerter Zellen, die die Wurzel wie eine pflanzliche Haut schützt.
An der Wurzelhaarzone haben die Rhizodermiszellen
Ausstülpungen und bilden so die feinen Wurzelhärchen, die für
die Aufnahme von Wasser und Mineralsalzen so wichtig sind. Nach innen
schließt sich das Rindengewebe an. Es bildet den Hauptteil des Wurzelkörpers
und füllt den Raum zwischen der Rhizodermis und dem Leitgewebe mit
gleichmäßig geformten Grundgewebszellen aus. Das Rindengewebe
kann neben Schutz- und Festigungsfunktionen auch Speicherfunktionen erfüllen.
Die Endodermis ist die innerste Zellschicht der Rinde. Sie umschließt
den Zentralzylinder mit den Leitbündeln. Die Leitbündel bestehen
aus Gefäß- und Siebzellen. Die Gefäßzellen dienen
der Leitung von Wasser, die Siebzellen transportieren organische Stoffe.
Das Leitgewebe hat neben der Transportfunktion immer auch Stütz-
und Festigungsfunktionen zu erfüllen. Die Stützzellen sind an
ihrer verstärkten Zellwand zu erkennen.
Die Aufnahme des Wassers
durch die Wurzeln
Die Wasseraufnahme der Pflanzen erfolgt durch die Wurzelhaarzellen. Sie
beruht auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Diffusion.
Die Diffusion ist ein physikalischer
Vorgang, bei dem aufgrund der Eigenbewegung der Stoffteilchen ein Konzentrationsausgleich
zwischen unterschiedlich konzentrierten gasförmigen oder flüssigen
Stoffen erfolgt.
Wie erfolgt nun die
Aufnahme des Wassers aus dem Boden?
Auf dem Weg in das Wurzelinnere müssen die Wasserteilchen zunächst
von den Wurzelhaaren der Rhizodermis aufgenommen werden. Die Wurzelhaarzellen
sind dünnwandige, schlauchförmige, lebende Zellen. Unter der
Zellwand finden wir das Zellplasma mit dem Zellkern und großen
Vakuolen (Zellsafträumen), in denen Salze und andere Stoffe gelöst
sind. Das Zellplasma wird von der Zellwand und zu den Vakuolen jeweils
durch dünne Membranen abgegrenzt. Die Membranen besitzen sehr kleine
Poren.
Während Wasserteilchen die Poren ungehindert durchdringen können,
sind sie für die größeren Stoffteilchen (z. B.
Salzteilchen) nicht passierbar. Da die Membranen immer nur einen Stoff
passieren lassen, nennt man sie semipermeable
(halbdurchlässige) Membranen.
Um diese Verhältnisse an einem Modellexperiment zu veranschaulichen, werden die beiden unterschiedlich konzentrierten Lösungen durch eine semipermeable Membran voneinander getrennt. Als semipermeable Membran kann man z. B. eine Schweinsblase oder einen Bockwurstkunstdarm verwenden. An einem Ende zugebunden, wird die Blase oder der Darm mit einem Steigrohr versehen und mit angefärbter konzentrierter Kochsalz- oder Zuckerlösung gefüllt. Diese Apparatur wird an einem Stativ in ein Becherglas mit Wasser gehängt.
Das im Becherglas befindliche Wasser stellt das Bodenwasser dar, das
von der Wurzel aufgenommen werden soll. Der Bockwurstdarm symbolisiert
die Zellmembranen, die das Zellplasma und die Vakuolen einschließen.
Die konzentrierte Kochsalz- oder Zuckerlösung würde dem Zellplasma
und den in den Vakuolen gelösten Salzen entsprechen. In der Versuchsanordnung
können wir nach wenigen Minuten ein Ansteigen des Flüssigkeitspegels
im Steigrohr entgegen der Schwerkraft beobachten. Angefärbtes Salz-
oder Zuckerwasser lässt sich dagegen nicht im Becherglas nachweisen.
Wie lässt sich
die Beobachtung erklären?
Der Konzentrationsausgleich zwischen dem Wasser und der Kochsalz- oder
Zuckerlösung wird durch die semipermeable Membran in einer Richtung
behindert. Die Kochsalzteilchen (konzentrierte Lösung) werden durch
die semipermeable Membran zurückgehalten. Die Wasserteilchen (verdünnte
Lösung) können die Membran ungehindert passieren und diffundieren
in die Kochsalz- oder Zuckerlösung. Durch diese Wasseraufnahme steigt
der Flüssigkeitsstand im Steigrohr. Die konzentrierte Kochsalz- oder
Zuckerlösung wird durch die Wasseraufnahme verdünnt.
Die Wanderung von Wasserteilchen oder von kleinen gelösten Teilchen
einer schwach konzentrierten Lösung durch eine semipermeable Membran
in eine stärker konzentrierte Lösung wird als Osmose bezeichnet.
Die Osmose
ist ein physikalischer Vorgang, bei dem die Diffusion durch eine halbdurchlässige
Membran erfolgt.
Im Zellplasma und in
den Vakuolen der Wurzelhaarzellen ist die Konzentration der Stoffteilchen
größer als die Konzentration der Wasserteilchen. Im Bodenwasser
ist die Konzentration der Wasserteilchen größer als die Konzentration
der Stoffteilchen. Zellplasma und Vakuolen einerseits und Bodenwasser
andererseits sind durch semipermeable Membranen voneinander getrennt.
Aufgrund des physikalischen Vorgangs der Osmose
wird das Wasser aus dem Boden aufgenommen. Innerhalb der Zellen eines
Gewebes wird das Wasser auf der physikalischen Grundlage der Diffusion
geleitet. Zwischen den Zellen, auch denen verschiedener Gewebe, erfolgt
die Wasserleitung durch Osmose, weil semipermeable Membranen zu passieren
sind.
Die Vakuolen der inneren Zellen der Wurzel haben im Vergleich zu den Rhizodermiszellen
eine höhere Konzentration an Stoffteilchen und eine geringere Konzentration
an Wasserteilchen. Durch Osmose gelangt das Wasser in das Wurzelinnere
zu den Leitbündeln und von diesen in die Sprossachse.
Die Mineralsalze können von der Pflanze nur in gelöster Form
aufgenommen werden. Da die Zellmembranen für die gelösten Mineralsalze
weitgehend undurchlässig sind, können diese nicht durch den
Wasserstrom mittransportiert werden. Die Mineralsalze werden an ein Trägerteilchen
der Membran gebunden und von diesem unter Energieverbrauch aktiv in das
Zellinnere transportiert.