
Zusammenwirken von Hormon- und Nervensystem
bei der Regulation des Schilddrüsenhormonspiegels im Blut
Sinkt der Thyroxinspiegel im Blut unter den Normalwert ab, so nehmen Sinneszellen
in den Blutgefäßen diese Veränderungen wahr (1), über
Nerven gelangen die Erregungen ins Zwischenhirn (Hypothalamus, 2). Dort
werden Hormone freigesetzt, die die Hirnanhangsdrüse zur Produktion
von Hormonen anregen (3), die wiederum die Schilddrüse anregen, Thyroxin
zu produzieren (4) und es ins Blut abzugeben. Dadurch steigt der Thyroxinspiegel
wieder an (5). Die Zellen des Zwischenhirns (Hypothalamus) registrieren
über Nerven diesen Anstieg und stellen die Produktion von Freisetzungshormonen
zur Anregung der Hirnanhangsdrüse ein (6).
Steigt der Thyroxinspiegel im Blut sehr hoch (5), werden vom Hypothalamus
(2) Hemmungshormone gebildet (7), die die Hirnanhangsdrüse zur Produktion
solcher Hormone anregen (8), die der Schilddrüse "befehlen",
die Thyroxinausschüttung zu reduzieren (9). Dadurch sinkt der Thyroxinspiegel
im Blut (10) wieder.
Hormon- und Nervensystem wirken auch bei Stresssituationen
eng zusammen. Der Begriff "Stress"
wird im allgemeinen Sprachgebrauch fast täglich verwendet und ist
meist mit sehr negativen Vorstellungen verbunden. Eigentlich ist damit
eine plötzliche körperliche oder seelische Belastung gemeint.
Beispielsweise kennt sicher jeder die folgende Situation: Man hat einen
wichtigen Termin, und es ist schon ziemlich spät. Man läuft
Gefahr, den letzten Bus, der ein pünktliches Erscheinen ermöglicht,
zu verpassen – eine typische Stresssituation. Darauf reagiert unser Organismus.
Diese äußeren Umstände bezeichnet man als Stressoren.
Die Informationen der Stressoren werden über das Nervensystem aufgenommen
und verarbeitet. Durch das vegetative Nervensystem wird das Nebennierenmark
aktiviert. Dadurch werden schlagartig Stresshormone (Adrenalin und Noradrenalin)
freigesetzt und in das Blut abgegeben. Sie sorgen dafür, dass das
Herz schneller schlägt, der Blutdruck steigt und sich die Atemfrequenz
erhöht. Durch diese erhöhte Aktivität der Organe kann mehr
Sauerstoff aufgenommen und transportiert werden. Gleichzeitig nimmt der
Zucker- und Fettgehalt im Blut zu. Dadurch werden auch die Brennstoffe
zur Energiefreisetzung bereitgestellt. Der Körper hat in kürzester
Zeit auf volle Leistungsbereitschaft geschaltet. Die Beinmuskeln können
aktiv werden, und mit einem Sprint erreicht man den Bus doch noch.
Die erhöhte Adrenalinkonzentration bewirkt außerdem die Ausschüttung
von einem bestimmten Hormon (ACTH-adeno-corticotropes
Hormon) in der Hypophyse, das wiederum
zur Freisetzung von Glukokortikoiden (z. B. Kortisol) aus der Nebenniere
anregt. Diese Kortikoide beschleunigen die Wundheilung und haben entzündungshemmende
Eigenschaften. Der Stress hat unseren Körper also zu Höchstleistungen
herausgefordert und sogar zur Steigerung der Widerstandskraft beigetragen.
Aus diesen zunächst positiven Stresssituationen können sich
nervliche Störungen und Überlastungssymptome entwickeln.
Negativ wird Stress erst dann, wenn er häufig auftritt und kein körperlicher
Ausgleich erfolgt, die körperlichen "Reserven" nicht "abgerufen"
werden, z. B. durch Bewegung. Dann "kreisen" die Brennstoffe
Zucker und Fett ungenutzt in der Blutbahn. Dauerhaft erhöhte Blutfettwerte
können zur Arterienverkalkung beitragen. Durch einen ständig
erhöhten Adrenalinspiegel und damit verbunden durch eine erhöhte
Konzentration eines bestimmten Hormons der Hirnanhangsdrüse (ACTH-adeno-corticotropes
Hormon) kann es bei Dauerstress zu
Erschöpfungszuständen kommen. Dem sollte durch eine ausgeglichene
Lebensführung mit ausreichender Bewegung und rechtzeitiger Problembewältigung
vorgebeugt werden.