

Kommunale Abwässer
setzen sich aus häuslichen und gewerblichen Abwässern zusammen.
Wenn die oft schadstoffhaltigen Abwässer unbehandelt in die Flüsse
gelangen, gefährden sie die Trinkwasserversorgung und die im Wasser
lebenden Organismen.
Daher ist es unbedingt notwendig, die gesammelten Abwässer in Kläranlagen
zu reinigen. Im ländlichen Raum kommen Schilfklärbeete zur Abwasserreinigung
als Alternative in Frage. In der BRD fallen jährlich ca. 8 Milliarden
m³ Abwasser an, das sind täglich 128 l / Einwohner.
Hauptbelastungen kommunaler
Abwässer sind:
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suspendierte Feststoffe (Sand, biologisches Material, Fäkalien) |
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Nährstoffe (Stickstoffverbindungen und Phosphate) |
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abbaubare organische Verbindungen (z. B. Eiweiße, Fette, Tenside) |
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teilweise kritische Schwermetallgehalte (Zn, Pb, Cd, Hg) |
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teilweise biologisch wirksame Stoffe (z. B. Arzneimittel, Hormone ) |
Abwasserreinigung
Eine kommunale Kläranlage
besitzt mehrere Reinigungsstufen. Das Hauptziel besteht dabei in der Abtrennung
der Feststoffe, der organischen Inhaltsstoffe sowie der Nährstoffe
aus dem Abwasser (Bild 1).
In der ersten Stufe, der mechanischen Reinigung, werden mit dem Rechen die Feststoffe abgetrennt, die dann auf eine Deponie oder zur Müllverbrennung gelangen (Bild 2).
Die zweite Stufe ist eine biologische Reinigung. Hier bauen Mikroorganismen im Belebtbecken (Bild 3) unter Belüftung die organischen Verbindungen größtenteils ab. Dabei werden auch die Nährstoffe weitgehend umgesetzt.
Im Nachklärbecken (Bild 4) setzen
sich die Mikroorganismen als sog. Klärschlamm
ab. Dieser wird z. T. in das Belebtbecken zurückgeführt. Durch
die Vermehrung der Mikroorganismen entsteht Überschussschlamm, dieser
gelangt zur Schlammbehandlung.
Aus dem Schlamm wird im Faulbehälter Biogas gewonnen.
In der biologischen Reinigung wird aber teilweise das Phosphat nur unzureichend eliminiert. Um das Risiko der Gewässereutrophierung durch Phosphat zu reduzieren, kann als dritte Stufe eine Phosphatfällung nachgeschaltet oder integriert werden. Hierbei wird durch Zugabe von Eisensalzen das Phosphat als schwer lösliches Eisen(III)-phosphat ausgefällt.
Der in der biologischen Reinigung anfallende Überschussklärschlamm enthält etwa 95% Wasser und muss vor einer Verwertung oder Entsorgung auf einer Sonderdeponie entwässert werden.
Im Prinzip ist Klärschlamm
ein wertvoller organischer Dünger. Da aber daran auch z. B. Schwermetalle
oder schwer abbaubare toxische organische Schadstoffe adsorbiert sein
können, ist infolge des zu hohen Schadstoffgehaltes gemäß
Klärschlammverordnung eine landwirtschaftliche Nutzung häufig
nicht möglich. In Deutschland werden von den jährlich etwa 80
Millionen Tonnen Klärschlamm nur knapp 50% landwirtschaftlich verwertet,
der Rest wird auf Deponien verbracht oder verbrannt.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass verschiedene Stoffe in Kläranlagen
kaum abgebaut werden, z. B. bestimmte Pharmaka.
Das kann ein Risiko werden, da sie dann negativ auf die im Wasser lebenden
Organismen in den Flüssen wirken oder über das Grundwasser in
das Trinkwasser gelangen können. Damit sind mögliche Langzeitwirkungen
nicht vorhersehbar.
Medikamente und andere Pharmaka (Bild 5) werden z. T. unverändert
vom Menschen ausgeschieden und auch im Klärwerk nicht vollständig
abgebaut.
Beispielsweise nehmen über 15 Millionen Frauen in der BRD die Antibaby-Pille.
Von den 30 µg Wirkstoff (meist Ethinylöstradiol) je Pille
gelangt ein großer Teil unverändert ins Abwasser. Im Klärwerk
erfolgt kaum ein Abbau dieses Stoffes. In Klärwerksabwässern
beträgt der Gehalt an Ethinylöstradiol durchschnittlich 17 ng/ l, teilweise wurden aber auch die 2-4 fache Konzentration gefunden.
In Rhein und Main wurden schon Mengen von 1-5 ng/ l gemessen.
Eine Menge von 1 ng/ l ist zwar eine sehr geringe Konzentration, vergleichbar
damit, dass man ein Becken von 1 km² Fläche und 10 m Tiefe mit
Wasser füllt und darin 4 Stücke Würfelzucker (10 g
) auflöst. Aber schon 1 ng/ l dieses synthetischen Hormons kann die
Eiablage von Fischen stören.
In Klärwerksabwässern aufgezogene Fische verweiblichen, d. h.
aus den Eiern entwickeln sich viel mehr Weibchen als Männchen, außerdem
entstehen auch relativ viele Zwitter. Das ist ein Indiz dafür, dass
bestimmte Stoffe in den Klärwerksabwässern biologisch wirksam
sind bzw. bleiben.