1.
Die Zeit, in der er lebte
ADOLF BUTENANDT lebte in einem sehr bewegten Jahrhundert, dessen Bild geprägt
war von zwei Weltkriegen, Revolutionen und unzähligen wissenschaftlichen
und technischen Errungenschaften.
In den Wissenschaften wurden u. a. sehr bedeutende Entdeckungen gemacht, z.
B. (in chronologischer Reihenfolge vom Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts
an):
Die deutsche Wirtschaft erfuhr in den Zwanziger Jahren einen deutlichen
Aufschwung, noch heute spricht man von den "Goldenen Zwanzigern".
Katastrophale Folgen hatte der Börsenkrach vom 24. Oktober 1929 in
New York, dem sogenannten "Schwarzen Freitag", der eine Weltwirtschaftskrise
auslöste.
Um den Druck auf das Krieg führende Japan zu erhöhen, warf die USA am 6. August 1945 auf Hiroshima und drei Tage später auf Nagasaki jeweils eine Atombombe. Dabei kamen Millionen Menschen ums Leben und noch heute leiden viele unter den Folgen der atomaren Strahlung.
Sowohl die USA als auch die UdSSR waren um die Eroberung des Weltalls
bemüht.
Als Erstes gelang es der UdSSR 1957 einen künstlichen Erdsatelliten,
Sputnik 1, ins All zu schicken.
Lunik 3 schickte ein Jahr später die ersten Bilder von der Rückseite
des Mondes zur Erde.
1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.
2. Lebenslauf
ADOLF BUTENANDT wurde am
24.03.1903 in Bremerhaven - Lehe geboren. Er war der Sohn eines Kaufmanns.
Schon als Schüler war er stolzer Besitzer eines chemischen Labors,
welches sich in der Wohnung seiner Eltern befand. Hier führte er
analytische Arbeiten durch. Als er 1921 sein Studium der Biologie und
Chemie an der Universität Marburg aufnahm, war er bereits bestens
mit den Prinzipien der qualitativen Analyse vertraut.
Drei Jahre später wechselte er zur Universität Göttingen,
wo er besonders von WINDAUS beeinflusst wurde, der auch sein besonderes
Interesse an der Chemie förderte. Unter WINDAUS promovierte BUTENANDT
1927 zum Dr. phil. und 1931 folgte seine Habilitation für organische
und biologische Chemie.
Gleichzeitig war BUTENANDT Leiter der organischen und biochemischen Abteilung
des Allgemeinen Chemischen Labors der Universität Göttingen.
1933 erhielt BUTENANDT eine Berufung zum ordentlichen Professor an die
Technische Hochschule in Danzig, der er folgte. Drei Jahre blieb er in
Danzig bis er 1936 zum Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für
Biochemie in Berlin-Dahlem ernannt wurde.
Daneben war BUTENANDT zwischen 1938 und 1945 Honorarprofessor an der Universität
Berlin.
Bis 1941 konzentrierte sich BUTENANDT in seinen Forschungsarbeiten auf
die Steroidhormone. Steroide
sind Abkömmlinge, d. h. Derivate des Sterans (auch als "Gonan"
bezeichnet), einer Verbindung aus insgesamt 17 Kohlenstoff- und 28 Wasserstoffatomen,
die zusammen vier verknüpfte Ringe bilden.
In den 20er und 30er Jahren war BUTENANDT entscheidend an der Entdeckung
der männlichen Sexualhormone beteiligt. So konnte er 1929 unabhängig
von E. A. DOISY das Follikelhormon Östron isolieren und kristallisieren.
Zwei Jahre später folgte die Entdeckung und Isolierung des männlichen
Sexualhormons Androsteron.
In den Jahren 1933 bis 1935 entdeckte er das Schwangerschaftshormon Progesteron
sowie das männliche Keimdrüsenhormon Testosteron
(nach "testes" für Hoden). Die Synthese der Hormone schloss
sich ab 1935 an.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde das Kaiser-Wilhelm-Institut
für Biochemie nach Tübingen verlegt und unter
dem Namen MAX-PLANCK-Institut
für Biochemie weitergeführt.
Ab 1945 war BUTENANDT als ordentlicher Professor für physiologische Chemie an der Universität Tübingen und gleichzeitig als Professor und Direktor des Physiologisch-Chemischen Instituts der Universität Tübingen tätig.
Nach 1941 befasste sich BUTENANDT mit dem Tryptophanstoffwechsel
der Insekten. Tryptophan ist eine Aminosäure. So führte er Untersuchungen
bei dieser Wirbellosengruppe durch, um die genetische Steuerung des Ab-
und Umbaus von Tryptophan zu klären.
Dabei gelang ihm auch bei der Untersuchung der Vererbung der Augenfarbe
der Mehlmotte die Entdeckung einer neuen, bisher unbekannten Klasse von
Insektenfarbstoffen, den Ommochrome und Phenoxazonfarbstoffen.
1954 identifizierte, isolierte und kristallisierte BUTENANDT das Verpuppungs-
und Häutungshormon des Seidenspinners,
Bombyx mori, das Ecdyson.
In einer insgesamt fast zwanzig Jahre dauernden Arbeit gelang es ihm schließlich
auch, den Sexuallockstoff
des Seidenspinnerweibchens, mit dem es männliche Falter über
Kilometer hinweg anlockt, das "Bombykol"
zu isolieren sowie seine Konstitution aufzuklären und es zu synthetisieren.
1956 erfolgte der Umzug des Max-Planck-Instituts nach München und
auch hier folgte BUTENANDT als ordentlicher Professor für physiologische
Chemie an die örtliche Universität.
Daneben war er von 1956 bis 1959 Direktor des Physiologisch-Chemischen
Instituts der Universität München sowie 1956 bis 1971 ordentlicher
Professor für physiologische Chemie, ebenfalls an der Universität
München tätig.
BUTENANDT erforschte neben den Hormonen auch die chemische Natur der Viren und die biochemischen Grundlagen der Entstehung von Krebs.
1960 schließlich trat er die Nachfolge OTTO HAHNs als Präsident
der Max-Planck-Gesellschaft an. Dieses Amt bekleidete er über zwei
Wahlperioden bis 1972.
Im gleichen Jahr zog er sich dann in den Ruhestand zurück.
Bereits 1939 war BUTENANDT der Nobelpreis für Chemie verliehen worden, den er jedoch erst 1947 entgegennehmen konnte.
ADOLF BUTENANDT starb am 18. Januar 1995 in München.
3. Bedeutende Leistungen
4. Interessante Storys, Anekdoten
oder historische Dokumente (Originaltexte)
Im Interview vom 30. September 1993 erzählte BUTENANDT folgend Geschichte
aus seiner Kindheit:
"...Die Chemie hat mich schon als Schüler begeistert. Ich hatte
als Schüler ein chemisches Laboratorium in der Wohnung meiner Eltern
und habe analytische Arbeiten gemacht. Als ich zur Universität kam,
kannte ich die Prinzipien der qualitativen Analyse bereits vollständig.
Es hat auch eine dazu passende nette Episode gegeben: in der analytischen
Chemie braucht man für bestimmte Reaktionen Zyankalium als Komplexbildner.
Und weil man das brauchte, habe ich versucht, Zyankalium zu kaufen, das
konnte man nur, wenn man eine besondere Erlaubnis hatte und dann habe
ich als Schüler einen Antrag auf Bezug von einem Gramm Zyankalium
gestellt. Ich sehe noch, wie ich ihn im Landratsamt abgegeben habe. Das
hat dann große Aufregung gegeben. Es kam eines Tages ein Polizist,
klingelte, meine Mutter öffnete selber die Tür, und er sagte
ganz scharf: "Haben Sie einen Sohn des Namens ADOLF BUTENANDT?"
Meine Mutter war ganz erschrocken, was ich wohl angestellt haben könnte,
dass sich ein Polizist nach mir erkundigte. Dann sagte er, ich hätte
also einen Antrag gestellt und wollte mich in den Besitz eines Giftes
bringen, mit dem ich ganz Geestemünde vergiften könnte. Das
sei sehr bedenklich und man müsste sich nach dem Sinn des Lebens
des jungen Menschen wohl fragen. Es ist dann auch bis zur Schule vorgedrungen
und ich hatte ein Gespräch mit dem Schuldirektor darüber, aber
glücklicherweise hatten die alle sehr großes Verständnis
für meinen Wunsch, und dass ich nicht die Absicht hatte, damit Unsinn
zu machen, es wäre auch nichts passiert. Aber natürlich habe
ich es nicht bekommen..."