



Wasser ist für das Leben auf der Erde von großer Bedeutung.
Es ist Lebensraum für viele unterschiedliche Organismen sowohl im
Meereswasser als auch im Süßwasser.
Wasser ist ein gutes Lösungsmittel sowohl für Salze als auch
für viele andere Stoffe. Das ist sehr wichtig für das Leben
auf der Erde. Beispielsweise liegen die Nährsalze im Boden in Ionen,
also in gelöster Form vor. Nur in dieser Form können die Pflanzen
die Stoffe über die Wurzel aus dem Boden aufnehmen.
Wasser hat einen großen Anteil an unserem Blut. Da sich viele Stoffe
in ihm lösen, ist es auch als Transportmittel innerhalb des Körpers
gut geeignet. Auch in Flüssen und Bächen werden viele Stoffe
transportiert.
Ohne Wasser können viele pflanzliche Samen nicht quellen (Quellungsmittel).
Die Quellungsvorgänge bilden aber die Voraussetzung für das
Keimen den Samen.
Wasser bildet einen wesentlichen Ausgangsstoff für chemische und
biochemische Reaktionen, z. B. für die Fotosynthese.
Viele biochemische Reaktionen können nur im Wasser stattfinden. Es
ist also Reaktionsraum. Daher besteht unser Körper zu einem großen
Teil aus Wasser und ein starker Wasserverlust wird lebensbedrohlich.
Anomalie des Wasser
Die Bedeutung des Wassers für das Leben auf der Erde hat ihre Ursache
in den Eigenschaften von Wasser.
Einige dieser Eigenschaften sind außergewöhnlich und werden
unter dem Stichwort Anomalie
des Wassers zusammengefasst.
Dichte
In der Regel nimmt mit fallender Temperatur die Dichte der Stoffe
zu, weil die Beweglichkeit der Teilchen, aus denen die Stoffe bestehen,
abnimmt. Wasser zeigt ein davon abweichendes thermisches Verhalten.
Wasser weist eine Dichteanomalie
auf. Durch genaue Messungen kann man die Abhängigkeit der Dichte
des Wassers von der Temperatur ermitteln. In Bild 2 sind die Werte für
die Dichte des Wassers bei unterschiedlicher Temperatur angegeben. Es
hat bei 4 °C sein kleinstes Volumen und damit seine größte
Dichte. Wird es im Herbst kalt, sinkt z. B. das an der Oberfläche
abgekühlte Wasser nach unten und das auf 0° abgekühlte Wasser
erstarrt an der Oberfläche. Während Wasser von 4 °C eine
Dichte von etwa
hat, beträgt die Dichte von Eis bei 0 °C
.
Deshalb schwimmt Eis auf Wasser. Das Verhältnis der Dichten von Eis
und Wasser ist auch der Grund dafür, dass sich bei einem Eisberg
etwa 9/10 unter Wasser und nur etwa 1/10 über Wasser befindet. Das
macht sie so gefährlich.
Schmelzpunkt
Ein Stahldraht, welcher über einen Eisblock gelegt und mit einem
Gewicht beschwert wird, wandert mit der Zeit durch den Eisblock.
Denselben Effekt nutzen wir, wenn wir auf Kufen über das Eis gleiten.
Vielleicht hat sich jeder schon einmal gefragt, warum man auf einer glatten
Betonfläche nicht Schlittschuh laufen kann, sondern immer eine Eisbahn
benötigt wird. Durch das Körpergewicht wird über die schmale
Kufe Druck auf das Eis ausgeübt. Durch die Erniedrigung des Schmelzpunktes
bei Druck schmilzt das Eis. Auf der dünnen Wasserfläche gleitet
der Schlittschuh. (Zum Teil spielt auch die beim Gleiten auf dem Eis erzeugte
Reibungswärme eine Rolle.)
Volumen
Wasser dehnt sich im Gegensatz zu anderen Stoffen beim Gefrieren aus.
Es kommt zu einer Volumenzunahme um 9%.
Füllt man z. B. eine Stahlkugel mit Wasser, verschraubt sie
fest und gibt sie anschließend in ein Kältebad, führt
das zu einer erschreckenden Explosion des Stahlkörpers. Gewaltige
Kräfte wirken! Dies ist vergleichbar mit der im Tiefkühlfach
vergessenen Sektflasche, die ebenfalls zerbricht.
Der Effekt spielt auch in der Natur eine große Rolle. Als Sonderform der Temperaturverwitterung gilt die Frost(sprengungs)verwitterung. Hier wird die Erosion von Gesteinen durch das häufige Auftauen und Wiedergefrieren des sich in den Hohlräumen des Gesteins befindlichen Wassers verursacht. Dadurch wird der Zerfall des Gesteins stark beschleunigt. In Gebieten mit tageszeitlichem Frostwechsel, beispielsweise in den subpolaren Gebieten der Erde und in den Hochgebirgen, ist diese Verwitterungsform für die Gestaltung des Reliefs besonders bedeutsam.
Die Ausdehnung von Wasser bei Abkühlung und insbesondere bei Eisbildung muss auch im Alltag beachtet werden. Die Asphaltschäden, die nach dem Winter sichtbar werden und jährlich Millionen kosten, gehen ebenfalls auf diese Frostverwitterung zurück. Frieren z. B. frei liegende Wasserrohre oder Pumpen ein und befindet sich Wasser in ihnen, so dehnt sich dieses Wasser bei der Bildung von Eis aus und kann die Rohre bzw. Pumpen regelrecht auseinandersprengen. Deshalb ist auch erforderlich, dem Kühlwasser von Pkw Frostschutzmittel beizugeben, weil ansonsten die Möglichkeit besteht, dass die Kühlflüssigkeit einfriert und den Kühler sprengt.
Aggregatzustand
Wasser gefriert bei 0°C und geht erst bei 100 °C in den gasförmigen
Aggregatzustand über. Bei Standardbedingungen ist Wasser flüssig.
Da sich das Leben im Wasser entwickelt hat, hat auch dieser Fakt große
Bedeutung für das Leben auf der Erde. Der flüssige Aggregatzustand
von Wasser ist ebenfalls etwas Besonderes. Alle Wasserstoffverbindungen
von Elementen, die im PSE dem Sauerstoff benachbart sind (wie Chlorwasserstoff,
Ammoniak, Schwefelwasserstoff) sind bei Standardbedingungen gasförmig.
Spezifische Wärmekapazität
Nicht zuletzt sind die Verdampfungswärme
von Wasser und seine spezifische
Wärmekapazität viel größer als bei anderen Stoffen.
Ersteres spielt bei der Temperaturregulation unseres Körpers eine
Rolle, wo der Körper sich durch Schwitzen vor Überhitzung schützt.
Letzteres ist sogar für die "Temperaturregelung" unseres
Planeten wesentlich: Große Meeresströmungen, z. B. der Golfstrom,
beeinflussen das Klima in vielen Ländern. So transportiert z. B.
der Golfstrom warmes Wasser und damit Wärme aus dem mittelamerikanischen
Bereich (Karibik) quer über den Atlantik bis zu den Küsten Irlands,
Englands, Schottlands, Norwegens und Russlands. Folgen davon sind beispielsweise,
dass an der Westküste Englands Palmen wachsen und die norwegische
Westküste stets eisfrei bleibt. Das gilt selbst für einen so
weit nördlich gelegenen Hafen wie Murmansk in Russland.
Bau des Wassermoleküls
Die Ursache für dieses Verhalten ist in der Molekülstruktur
des Stoffes, in den Kräften, die zwischen den Molekülen wirken
und in der sich daraus ableitenden räumlichen Anordnung der Teilchen
bei verschiedenen Temperaturen zu finden.
Wassermoleküle bestehen jeweils aus einem Sauerstoffatom und zwei Wasserstoffatomen. Die beiden nicht bindenden Elektronenpaare des Sauerstoffatoms führen zu einer Deformation des Tetraederwinkels (ideal 109,5°) zwischen den Wasserstoffatomen und dem Sauerstoffatom. Der Bindungswinkel beträgt daher im Wassermolekül 104,5°.
Des weiteren bewirkt die hohe Elektronegativität des Sauerstoffatoms,
dass die Elektronenpaarbindungen zu den Wasserstoffatomen stark polarisiert
werden. Die Elektronendichte am Sauerstoffatom wird stark erhöht,
an den Wasserstoffatomen stark verringert.
Durch die oben beschriebene Winkelung und die darunter aufgezeigte Polarisierung
zeigt das Wassermolekül alle Eigenschaften eines Dipols
(Bild 4).
Unter 0°C bilden Wassermoleküle ein Molekülgitter. In dieser Struktur des Eises ist jedes Sauerstoffatom tetraedisch von vier Wasserstoffatomen umgeben. Zu den "eigenen" Wasserstoffatomen existieren zwei polarisierte Atombindungen und zu den beiden anderen Wasserstoffatomen, die von benachbarten Wassermolekülen stammen, werden Wasserstoffbrückenbindungen ausgebildet.
Diese Anordnung ergibt ein weitmaschiges Gitter mit durchgängigen
sechseckigen Hohlräumen. Die Dichte des so Eises ist deutlich geringer
als die des flüssigen Wassers. Eis schwimmt oben.
Es ist in reiner Form farblos, erscheint jedoch oft bläulich bis
leicht grünlich. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Eis
sehr leicht Einschlussverbindungen (Clathrate) bildet. Dabei lagern sich
Moleküle gasförmiger Stoffe in das Gitter der Wassermoleküle
ein.
Neben der in Bild 5 dargestellten Eisstruktur kennt man noch 11 weitere
kristalline und 2 amorphe Modifikationen. Bei einer Temperaturerhöhung
über 0°C beginnt das Eis zu schmelzen, da das Gitter teilweise
durch die thermische Bewegung der Moleküle zerstört wird. Dabei
werden viele Wasserstoffbrückenbindungen gelöst.
Jedoch auch in flüssigem Wasser sind Teile der ursprünglichen
Gitterstruktur nachweisbar. Man nennt diese Cluster.
Da sich im flüssigen Zustand frei bewegliche Wassermoleküle
in noch vorhandene Gitterstrukturen einlagern, nimmt die Dichte zu und
erreicht erst bei 4°C den größten Wert. 1 cm³ Wasser
wiegt dann 1 g.
Bei weiterer Temperaturerhöhung nimmt wie bei allen anderen Flüssigkeiten
die Bewegungsenergie der Moleküle zu, die Abstände der Teilchen
zueinander vergrößern sich, die Dichte des Stoffes verringert
sich weiter; bei 100°C geht das Wasser in den gasförmigen Aggregatzustand
über.
Bedeutung der Anomalie des Wassers
Die Anomalie des Wassers ist für das Leben von Tieren und Pflanzen
im Wasser sehr wichtig und ermöglicht dieses Leben erst. Dazu betrachten
wir die Verhältnisse in einem
See zu verschiedenen Jahreszeiten (Bild 6).
Im Sommer wird das Wasser von der
Sonne erwärmt. Das leichtere, wärmere Wasser bleibt an der Oberfläche.
Tiefer liegende Schichten sind kühler. Da die Wärmeleitfähigkeit
des Wassers nur gering ist, bildet sich eine charakteristische Temperaturschichtung
heraus. Je größer die Tiefe ist, umso niedriger
wird die Temperatur des Wassers.
Im Herbst ist die Sonneneinstrahlung
geringer. Auch die Luft ist kühler. Das Wasser an der Oberfläche
kühlt sich allmählich ab. Wenn es eine Temperatur von 4°C
erreicht hat, ist es in jedem Fall schwerer als die tieferen Wasserschichten.
Dieses kalte und schwere Wasser sinkt nach unten, während das leichtere
Wasser an die Oberfläche aufsteigt und dort ebenfalls abgekühlt
und mit Sauerstoff angereichert wird. Auf diese Weise erfolgt im Herbst
und im Frühjahr eine Durchmischung und ein Temperaturausgleich im
gesamten See.
Im Winter schwimmt Eis auf flüssigem
Wasser, obwohl sonst alle festen Stoffe in ihren Schmelzen untergehen.
Die Bilder schwimmender Eisberge im Polarmeer sind jedem bekannt und nicht
erst seit dem Untergang der Titanic auch als Gefahr erkannt. Trotzdem
hat diese sonderbare Eigenschaft Bedeutung für das Überleben
von Wasserorganismen im Winter. Die Gewässer frieren nämlich
dadurch immer von oben nach unten. Am Grund des Gewässers bleibt
im Normalfall eine eisfreie Wasserschicht mit einer Temperatur von ca.
4 °C, in der die Wasserorganismen überleben.
Im Frühjahr nimmt die Sonneneinstrahlung
wieder zu. Es kommt zu einer allmählichen Erwärmung, zu einer
Durchmischung des Wassers und damit zu einem Temperaturausgleich.