
Aspirin® ist ein eingetragenes Warenzeichen. Bei dem Wirkstoff in dem bekannten Schmerzmittel der Firma Bayer handelt es sich um die Acetylsäure.
Eigenschaften, Aufbau und Herstellung
Die Acetylsalicylsäure
(2-Acetoxybenzoesäure) ist eine schwach säuerlich schmeckende,
kristalline Substanz. Sie schmilzt bei 141 bis 144 °C, ist wenig
löslich in Wasser, gut löslich in Ethanol.
Sie wird in der Pharmazie durch die Reaktion von Salicylsäure
(2-Hydroxybenzoesäure) und Essigsäureanhydrid hergestellt.
Dabei reagiert die OH-Gruppe der 2-Hydroxy-benzoesäure mit dem Esssigsäureanhydrid, wobei eine Ester-Bindung gebildet wird.
Heute werden mehr als 100 eingetragene Warenzeichen für Acetylsalicylsäure
aufgeführt, darunter Aspirin, ASS, Alka-Seltzer und Godamed.
Wirkung
Im Körper wirkt die Acetylsalicylsäure in erster Linie schmerzstillend
und fiebersenkend. Die Wirkung ist nicht nur auf den Salicylatrest, der
nach Abspaltung der Ethansäure im Darm entsteht, zurückzuführen,
da auch ein geringer Teil unverändert ausgeschieden wird.
Außerdem wurde nachgewiesen, dass Acetylsalicylsäure die Aggregation
(Zusammenklumpung) und Desaggregation ( Auflösung der Klumpen) der
roten Blutkörperchen stört und deshalb auch bei Thrombosen und
zur Nachbehandlung von Herzinfarkten eingesetzt wird.
Einmalige Gaben von 30 bis 40 g können tödlich wirken. Die
manchmal nach Acetylsalicylsäureanwendung beobachtete allergische
Reaktion ist auf die herstellungsbedingte Verunreinigung mit Acetylsalicylsäureanhydrid
zurückzuführen.
Acetylsalicylsäure wird aus dem menschlichen Körper nur sehr langsam
ausgeschieden.
So wird ein aufgenommenes Gramm nach ca. 6 Stunden nur zur Hälfte ausgeschieden.
Aspirin und der Vertrag von Versailles
Was verbindet Aspirin mit dem Vertrag von Versailles?
Heute kennt man Aspirin als ein Medikament, für das nahezu täglich
neue Anwendungen hinzukommen. Es scheint eines dieser Medikamente zu sein,
in denen mehr steckt, als auf dem Beipackzettel steht.
Um so verwunderlicher erscheint es, wenn man weiß, das Aspirin 50
Jahre lang nach seiner ersten Entdeckung durch den französischen
Chemiker CHARLES FREDERIC GERHARDT im Jahre 1853 ohne Beachtung blieb.
Die eigentliche Geschichte des Aspirins begann schon im 5. Jahrhundert
vor Christus.
In dieser Zeit lebte der Vater der modernen Medizin - HIPPOKRATES.
In Überlieferungen kann man lesen, dass er die Wirkung der Rinde
und der Blätter des Weidenbaumes
(lat.: Spiraea ulmaria) bei der Behandlung
von Schmerzen, zur Erleichterung der Geburt und zur Reduzierung des Fiebers
kannte.
1758 beschrieb ein englischer Geistlicher erneut die wundersame Wirkung
der Blätter des Weidenbaumes. Die Wissenschaft war in dieser Zeit
schon so weit, dass einem Stoff im Blatt die Wirkung der Blätter
zuschrieb.
Viele Versuche wurde unternommen, diesen Stoff zu isolieren und zu identifizieren.
1820 verkündeten die Wissenschaftler stolz, die wundersame Substanz
sei Salicin (glucosidierte Salicylsäure). Doch dieser Stoff barg,
direkt angewendet, ein Problem. Er enthielt eine starke Säure (Salicylsäure),
die vom Magen nur sehr schlecht vertragen wurde. Bei Anwendungen kam es
zu erheblichen Magenschmerzen und Magenkrämpfen. Mehrere Versuche
wurden unternommen, die Säure mit Natronlauge dauerhaft zu neutralisieren.
Doch die Versuche schlugen allesamt fehl.
1853 kam dann der Franzose GERHARDT auf die brillante Idee, das Element
Natrium durch die Reaktion mit Acetylchlorid einzuführen. Es gelang
ihm zwar auch nicht, das Natrium dauerhaft zu fixieren. Doch er konnte
eine Substanz - Acetylsalicylsäure - herstellen, die den Magen weniger
irritiert und damit für den Anwender den gewünschten Erfolg
brachte.
Wieder vergingen fast 50 Jahre bis der deutsche Chemiker FELIX HOFFMANN
im Jahre 1897 auf die alten Informationen stieß. HOFFMANN war auf
der Suche nach einem Mittel gegen die Schmerzen seines Vaters, der unter
Arthritis litt.
Nachdem er erfolglos mehrere Substanzen probiert hatte, versuchte er die
Entdeckung von GERHARDT nachzuvollziehen. Es funktionierte.
Daraufhin animierte er die Firma Bayer,
in deren Dienst er stand, diese Substanz zur Behandlung von Schmerzen
herzustellen.
Möglicherweise ist aber ARTUR EICHENGRÜN der wahre Erfinder des Aspirins. Er war auch bei Bayer tätig. Da er aber Jude war, wurde sein erfinderischer Anteil später von Bayer stets in Abrede gestellt.
Bayer folgte der Bitte, sah jedoch zu Anfang kaum eine reelle Marktchance
für diese Substanz. Außerdem brauchte diese Acetylsalicylsäure
einen einprägsamen Namen.
Nach reiflicher Überlegung kam man auf Aspirin, wobei das A aus Acetylchlorid
und spir aus Spiraea ulmaria stammt. Die Endung in war eine zur damaligen
Zeit übliche Endung für medizinische Substanzen.
Aspirin wurde ursprünglich als Pulver verkauft. Erst 1915, nachdem
der Markt für diese Substanz erahnt wurde, begann Bayer mit der Produktion
von Aspirintabletten. Bis zum Ende des ersten Weltkrieges war der Name
Aspirin ein eingetragenes Warenzeichen der Firma Bayer.
Als Folge des ersten Weltkrieges wurde 1919 der Vertrag von Versailles
unterschrieben. Entsprechend dieses Vertrages musste die Firma Bayer unter
anderem ihr Warenzeichen Aspirin® in den Siegerstaaten Frankreich,
England, Russland und den Vereinigten Staaten abtreten. Deshalb verbirgt
sich in den USA hinter der Vielzahl von Medikamenten mit dem Namen Aspirin
nicht nur Acetylsalicylsäure, produziert von der Firma Bayer, sondern
auch von allen anderen Firmen.
In Deutschland ist dieses Warenzeichen weiterhin geschützt, d.h.,
Aspirin® ist immer von der Firma Bayer hergestellte Acetylsalicylsäure.