

Entwicklung der
Vorstellungen vom Aufbau des Atoms
Bereits in der Antike gab es Vorstellungen darüber, dass die Stoffe
aus sehr kleinen Teilchen bestehen könnten. Diese kleinen Teilchen
wurden Atome genannt (atomos bedeutet
im Griechischen das Unteilbare). Sie sollten in der Qualität gleich
sein, aber in Form und Gewicht verschieden. Ein Vertreter dieser Auffassung
war der griechische Philosoph DEMOKRIT (5 Jh. v. Chr.). Diese Hypothese
konnte jedoch nicht experimentell bestätigt werden.
Im Laufe der Jahrhunderte geriet die Vorstellung von
den Atomen als unteilbare Einheiten der Stoffe in Vergessenheit.
Erst im 17. und 18. Jahrhundert wurden mit der Entwicklung der Wärmlehre
diese Ideen wieder aufgegriffen, ohne dass die Existenz von kleinsten
Teilchen nachgewiesen werden konnte. Dies gelang erst zu Beginn des 20.
Jahrhunderts.
Im Laufe des 19. Jahrhundert gab es eine ganze Reihe von experimentellen
Ergebnissen, die auf die Existenz kleinster Teilchen hindeuteten. JOHN
DALTON (1766-1844) kam auf der Grundlage des Gesetzes von der Erhaltung
der Masse und der Gesetze von den konstanten Massenverhältnissen
1808 zu seiner Atomhypothese:
In den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhundert haben viele Physiker mit Katodenstrahlen experimentiert und festgestellt, dass sich diese Strahlen in elektrischen und magnetischen Feldern ablenken lassen. Der deutsche Physiker EMIL WIECHERT (1861-1928) und unabhängig davon der englische Physiker JOSEPH JOHN THOMSON (1856-1940) fanden in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts heraus, dass Katodenstrahlen aus sehr kleinen Teilchen mit negativer Ladung bestehen müssten. Als Name für dieses erste Elementarteilchen wurde 1897 von dem irischen Physiker GEORGE FRANCIS FITZGERALD (1851-1901) der Begriff Elektron eingeführt, der einige Jahre vorher schon für die elektrische Elementarladung vorgeschlagen worden war. Die Katodenstrahlen erwiesen sich als schnell bewegte Elektronen, als Elektronenstrahlen.
Weitere Entdeckungen führten immer stärker
zu der Frage nach den elementaren Bausteinen der Stoffe. So hatte
HENRI BECQUEREL (1852-1908) 1896 eine neue
Art von Strahlung entdeckt, die dann von MARIE und PIERRE CURIE genauer
untersucht wurde und die wir heute als radioaktive
Strahlung kennen. Auch diese Art der Strahlung hatte offensichtlich
mit atomaren Vorgängen zu tun.
Die Suche nach geeigneten Atommodellen, mit denen
die experimentellen Ergebnisse erklärt werden konnten, begann.
Das rutherfordsche
Atommodell
1909/10 führte der englische Physiker ERNEST
RUTHERFORD (1871-1937) mit seinen Mitarbeitern Versuche zum Durchgang
von Alpha-Strahlung durch dünnen Metallfolien durch. Der größte
Teil der Strahlung ging hindurch, ein kleiner Teil wurde jedoch abgelenkt.
Bereits vorher hatte man festgestellt, dass Katodenstrahlen, also schnell
bewegte Elektronen, dünne Metallfolien durchdringen können.
RUTHERFORD zog daraus den Schluss, dass der größte Teil des
Atoms "leer" bzw. masselos ist und entwickelte das rutherfordsche
Atommodell, das dem Aufbau des
Planetensystems ähnelt und deshalb auch als Planetenmodell
bezeichnet wird: Um einen positiv geladenen Kern, in dem die Masse des
Atoms konzentriert ist, bewegen sich die Elektronen auf elliptischen Bahnen.
RUTHERFORD konnte aber nicht erklären, warum die Atome stabile Teilchen
darstellen und die negativen Elektronen nicht in den positiven Kern stürzen.
Auch die Tatsache, dass sich die Elektronen in der Hülle auf unterschiedlichen
Bahnen bewegen, wurde erst später erkannt.
Das bohrsche Atommodell
Der dänische Physiker NIELS BOHR
(1885-1962) brach 1913 radikal mit einigen Vorstellungen der klassischen
Physik und stellte ein anderes Atommodell vor, das heute als bohrsches
Atommodell bezeichnet wird: Die Elektronen bewegen sich auf bestimmten
Bahnen (Schalen) um den Atomkern. Der jeweiligen Bahn kann eine bestimmte
Energie (ein Energieniveau) zugeordnet werden. Wenn Energie zugeführt
wird, können Elektronen auf eine kernfernere Bahn springen. Beim
Zurückspringen wird diese Energie wieder frei und in Form von Strahlung,
z. B. als Licht oder als Röntgenstrahlung, abgegeben. Nach dem Aussehen
wird dieses Schalenmodell auch "Schießscheibenmodell"
genannt. Es erklärt den grundlegenden Aufbau des Periodensystems,
da jede Schale nur eine bestimmte Anzahl von Elektronen aufnehmen kann.
Der Radius der Elektronenbahnen bestimmt nach BOHR die Größe
der Atome.
Das bohrsche Atommodell wurde von ARNOLD
SOMMERFELD (1868-1951) mithilfe eines Quantenansatzes der Atomhülle
durch den Übergang zu Ellipsenbahnen der Elektronen weiterentwickelt.
Damit konnte SOMMERFELD die Feinstruktur von Atomspektren und die Röntgenlinien
verschiedener Elemente erklären.
Die weitere Entwicklung
In der Folgezeit wurden die ersten wissenschaftlichen Atommodelle immer
weiter verfeinert und immer komplexer. 1932 entdeckte der englische Physiker
JAMES CHADWICK (1891-1974) das Neutron.
Noch gravierender waren die Erkenntnisse zur Struktur
der Elektronenhülle: Mit der Entwicklung der Quantenphysik setzte
sich die Überzeugung durch, dass man Atome prinzipiell nicht über
eine Teilchenvorstellung und damit anschaulich deuten kann, sondern sich
Atome nur mit komplexen mathematischen Modellen beschreiben lassen. Für
ein Elektron in der Atomhülle kann man nie genau angeben, wo es sich
zu einem bestimmten Zeitpunkt befindet. Angegeben werden kann nur eine
bestimmte Wahrscheinlichkeit für einen Bereich, in dem es sich aufhält.
Einen solchen Bereich, in dem die Aufenthaltswahrscheinlichkeit für
ein Elektron 90 % beträgt, bezeichnet man als Orbital, das entsprechende
Atommodell als Orbitalmodell bzw. wellenmechanisches
Atommodell verwendet. Dabei wird die Bewegung eines Elektrons als
Wellenfunktion beschrieben.
Diese Modelle sind grafisch nur schwer darstellbar und
phänomenologisch wenig anschaulich. Einige Informationen dazu sind
unter den Stichworten Quantenzahlen, Orbitale und quantenmechanisches
Atommodell zu finden.