
Reaktionsgleichungen von einfachen Redoxreaktionen können wie üblich unter Beachtung der Gesetze der Erhaltung der Masse und der Erhaltung der Ladung aufgestellt werden. Man bildet die kleinsten gemeinsamen Vielfachen der an der Reaktion beteiligten Atome und gleicht die Stoffbilanz auf beiden Seiten des Reaktionspfeils aus.

Bei komplexeren Redoxreaktionen - z. B. unter Beteiligung von Wasser - ist diese Vorgehensweise jedoch sehr zeitaufwendig und führt oftmals zu Fehlern. Deshalb geht man beim Aufstellen einer Redoxgleichung schrittweise vor, wie am Beispiel der Reaktion von Sulfit mit Sauerstoff demonstriert:
1. Aufstellen der Teilgleichungen
für Oxidation und Reduktion mithilfe der Oxidationszahlen
Auch beim Aufstellen der Teilgleichungen für die an der Gesamtreaktion
beteiligten Redoxpaare muss
beachtet werden, dass Ladung und Masse auf beiden Seiten der Teilgleichungen
identisch sein müssen. Zum Ermitteln der Zahl der abzugebenden bzw.
aufzunehmenden Elektronen werden die Oxidationszahlen herangezogen. Die
Änderung der Oxidationszahl um eine Einheit entspricht der Aufnahme
bzw. Abgabe eines Elektrons.

2. Ausgleich der Anzahl der abgegebenen
und aufgenommenen Elektronen und Addition der Teilreaktionen
Zunächst wird das kleinste gemeinsame Vielfache der abgegebenen bzw.
aufgenommenen Elektronen gebildet. Daraus ermittelt man die Faktoren,
mit denen die Teilgleichungen multipliziert werden müssen, damit
die Anzahl der aufgenommenen Elektronen gleich der Anzahl der abgegebenen
Elektronen ist. Die mit diesen Faktoren multiplizierten Teilgleichungen
werden zu einer Bruttogleichung addiert.

3. Kürzen der Bruttoreaktionsgleichung
Diese Bruttogleichung enthält viele Teilchen, die auf beiden Seiten
des Reaktionspfeils auftauchen, z. B. die Elektronen. Die Teilchen, die
in gleicher Anzahl sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite
der Bruttogleichung stehen, können gestrichen werden. Durch dieses
"Kürzen" überprüft man die Einhaltung der Bedingung,
dass bei einer Redoxreaktion keine Elektronen verschwinden oder gebildet,
sondern nur übertragen werden. Als Ergebnis erhält man die verkürzte
Ionengleichung, die alle wesentlichen Informationen über die
Redoxreaktion enthält:

4. Überprüfen der Ladungs-
und Massenbilanz
Abschließend wird kontrolliert, ob die Gesetze von der Erhaltung
der Masse und der Ladung erfüllt sind. Dazu vergleicht man die Anzahl
der jeweiligen Atome auf jeder Seite der Reaktionsgleichung und addiert
alle Ladungen der Teilchen. Im Beispiel ist die Summe der Ladungen auf
der linken Seite mit 2 x (-2) + 0 = -4 identisch mit der Summe der Ladungen
auf der rechten Seite mit 2 x (-2) = -4.
Ionen wie Na+-Ionen, die an der Redoxreaktion nicht beteiligt sind, brauchen bei der verkürzten Ionengleichung nicht berücksichtigt zu werden. Um die vollständige Stoffgleichung der Reaktion zu erhalten, muss man diese Ionen jedoch auf beiden Seiten der Gleichung addieren.

Für diese einfache Reaktion hätte womöglich auch die herkömmliche Methode zum Aufstellen von Reaktionsgleichungen funktioniert. Ungleich schwieriger wird das Ausgleichen jedoch, wenn Wasser an der Redoxreaktion beteiligt ist, wie bei vielen Reaktionen von Oxo-Anionen wie Permanganat, Chromat, Nitrat usw.
Reaktion von Permanganat mit Wasserstoffperoxid
Hier wird durch das Einhalten der oben genannten Schrittfolge sehr einfach
die Elektronenbilanz ausgeglichen und dadurch werden die Gesetze von der Erhaltung
der Ladung und der Erhaltung der Masse erfüllt.
Permanganat-Ionen oxidieren in saurer Lösung Wasserstoffperoxid zu
Sauerstoff und werden selbst zu Mn2+ reduziert (Bild 2).
1. Aufstellen der Teilgleichungen
für Oxidation und Reduktion
a) Teilgleichung der Reduktion
Zuerst bestimmt man die Oxidationszahlen der korrespondierenden Redoxpaare.
Mangan hat im Permanganat-Ion die Oxidationszahl VII und als Mn2+-Ion
die Oxidationszahl II. Permanganat nimmt also 5 Elektronen auf:

Die Ladungs- und Massenbilanz der Teilgleichung stimmen jedoch nicht. Die Summe der Ladungen beträgt links -6 und rechts +2. Außerdem müssen die Sauerstoffatome auf der Produktseite auftauchen.
Ladungsausgleich: Die Reaktion findet im Sauren statt, die Ladung kann also durch H+-Ionen ausgeglichen werden. Im Basischen würde man Hydroxid-Ionen, OH-, verwenden.

Jetzt stimmt zwar die Summe der Ladungen auf der linken und rechten Seite der Gleichung überein (jeweils +2), die Sauerstoffatome fehlen aber immer noch auf der rechten Seite.
Der Massenausgleich erfolgt in der Regel durch die Bildung von Wasser aus Oxid-Ionen und Protonen. Da Protonen in wässriger Lösung nicht wirklich existieren, kann man hierfür auch die korrekteren Oxonium-Ionen schreiben.

Die Summe der Ladungen und der Atome auf beiden Seiten der Teilgleichung stimmt überein. Elektronen haben keine nennenswerte Masse und gehen nur in die Ladungsbilanz ein.
b) Teilgleichung der Oxidation
Sauerstoff hat im Wasserstoffperoxid die Oxidationszahl -I und im Sauerstoffmolekül
die Oxidationszahl 0. Da beide Moleküle zwei Sauerstoffatome enthalten,
gibt Wasserstoffperoxid bei der Oxidation 2 Elektronen ab.

Die Summe der Ladungen beträgt links 0 und rechts -2. Der Ladungsausgleich in saurer Lösung erfolgt durch H+-Ionen:

In diesem Fall wurde mit der Ladung gleichzeitig auch die Massenbilanz ausgeglichen. Durch Ergänzung von Wassermolekülen werden die H+-Ionen in die korrekteren Oxonium-Ionen umgewandelt.

2. Ausgleich der Elektronenanzahl
und Addition der Teilreaktionen
a) Ausgleich der Elektronenbilanz
Bei Redoxreaktionen werden keine Elektronen gebildet oder vernichtet.
Die Summe der aufgenommenen und abgegebenen Elektronen muss also ausgeglichen
werden. Dazu werden die Teilgleichungen mit den Faktoren multipliziert,
die aus den kleinsten gemeinsamen Vielfachen der Elektronen ermittelt
werden.

b) Addition der mit den Faktoren multiplizierten Gleichungen

3. Kürzen der Bruttoreaktionsgleichung
Viele Teilchen tauchen in der Bruttoreaktionsgleichung auf beiden Seiten
des Reaktionspfeils auf. Beim Kürzen muss jedoch beachtet werden,
dass auf beiden Seiten nur die gleiche Anzahl
gleichartiger Teilchen gestrichen werden kann. Im Beispiel sind
das je 10 Elektronen, je 10 Wassermoleküle und je 10 Oxonium-Ionen.
Dadurch bleiben 14 Wassermoleküle auf der rechten Seite und 6 Oxonium-Ionen
auf der linken Seite übrig:

4. Überprüfen der Ladungs-
und Massenbilanz
Auf beiden Seiten werden Ladungen und Atome addiert, um zu sehen, ob die
Summe der Ladungen und die Anzahl der Atome auf beiden Seiten der Redoxgleichung
identisch ist. In diesem Fall ist die Redoxgleichung korrekt gelöst.
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Linke Seite der
Gleichung |
Rechte Seite der Gleichung
|
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| Summe der Ladungen |
2x(-1) + 6x(+1) + 5x0 = +4
|
2x(+2) + 5x0 + 14x0 = +4
|
| Summe der Atome |
Mn: 2 Atome
O: 24 Atome H: 28 Atome |
Mn: 2 Atome
O: 24 Atome H: 28 Atome |