




Reformieren
Das Reformieren hat das Ziel,
durch Strukturumwandlungen der Kohlenwasserstoffe im Benzin die Klopffestigkeit
des Benzins zu erhöhen. Beim Reformieren ändert sich die Molekülgröße
der Kohlenwasserstoffe kaum.
Beim Reformieren laufen verschiedene Reaktionen neben- und nacheinander
ab, die wichtigsten sind:

Da die Dehydrierung ein stark endothermer Prozess ist, muss das Reaktionsgemisch
vor den einzelnen Reaktoren immer wieder auf Reaktionstemperatur aufgeheizt
werden.
Der Prozess wird bei 450-550 °C und ca. 1 MPa Druck unter Zusatz von
Wasserstoff an einem Katalysator aus fein verteiltem Platin (0,3 bis 1 %)
auf Aluminiumoxid durchgeführt, wobei das Platin die Dehydrierung
und das Aluminiumoxid die Isomerisierung und Cyclisierung katalysiert.
Der Katalysator ist meist in mehreren hintereinandergeschalteten Reaktoren
angeordnet. Aufgrund des Katalysatormaterials wird der Prozess auch Platforming
genannt, was eine Kombination aus Platin und Reforming darstellt.
Ein hoher Wasserstoffüberschuss soll die unerwünschte Spaltung
der Kohlenwasserstoffe mit Abscheidung von Ruß, der den Katalysator
deaktiviert, weitgehend verhindern.
Da sich die Bildung von Ruß aber nicht ganz vermeiden lässt,
muss der Katalysator nach einer Laufzeit von mehreren Monaten reaktiviert
werden, indem in einem Regenerator durch Überleiten von Luft der
Ruß abgebrannt wird.
Entschwefelung von Erdöldestillaten
Die meisten Rohölsorten enthalten 0,3 bis 2 % organisch gebundenen
Schwefel. Weil dieser einerseits bei Verwendung der entsprechenden Erdölfraktionen
als Treibstoff zu umweltschädlichem Schwefeldioxid reagiert und andererseits
den Katalysator deaktiviert, der beim Reformieren verwendet wird, muss
er katalytisch entfernt werden. Bei der Entschwefelung
erhält man elementaren Schwefel, der einen erheblichen Teil des Rohstoffbedarfs
zur Herstellung von Schwefelsäure deckt.
Die Oktanzahl
Die Oktanzahl ist eine Maßzahl
für die Klopffestigkeit von Vergaserkraftstoff.
Die Kohlenwasserstoffe unterscheiden sich in ihrer Klopffestigkeit:
n-Alkane haben eine geringe Klopffestigkeit, iso-Alkane, Cycloalkane und
Aromaten eine hohe. Man hat dem n-Heptan willkürlich eine Oktanzahl
von Null zugeordnet, dem 2,2',4-Trimethylpentan (Isooctan) die Oktanzahl
von Hundert. Ein Gemisch aus 30 % n-Heptan und 70 % Isooctan hat also
eine Oktanzahl von 70. Ein beliebiges Benzin, das sich in einem Testmotor
genauso verhält wie dieses Gemisch, hat auch eine Oktanzahl von 70.
Normalbenzin an der Tankstelle hat eine Oktanzahl von 91, Superbenzin hat 95, Super Plus 98. Die Rohbenzine der Erdöldestillation haben nur Oktanzahlen von 60 bis 75. Durch Reformieren des Rohbenzins werden die n-Alkane in Verbindungen mit höherer Klopffestigkeit umgewandelt, das entstehende Reformat-Benzin erfüllt die Anforderungen moderner Motoren bezüglich der Klopffestigkeit des Kraftstoffs.
Die im Reformat-Benzin enthaltenen Aromaten werden zu einem gewissen
Anteil durch Extraktion mit bestimmten Lösungsmitteln herausgelöst
und dann als Rohstoffe zur Herstellung von Chemiefasern, organischen Polymeren,
Waschmitteln, Farbstoffen usw. eingesetzt. Auf diese Art wird in Deutschland
derzeit etwa 70 % des Bedarfs an Aromaten gedeckt.
Zur Verhinderung des Klopfens und damit zur Erhöhung der Oktanzahl
werden dem Benzin außerdem Antiklopfmittel zugemischt.
Antiklopfmittel
Die Antiklopfwirkung der Substanzen, die als Antiklopfmittel
wirken, beruht auf dem Abfangen von freien Radikalen, die für die
explosionsartige Selbstentzündung verantwortlich sind.
Die wirksamsten Antiklopfmittel sind organische Bleiverbindungen (z. B.
Tetraethylblei
).
Wegen der Umweltbelastung durch giftiges Blei und seine Verbindungen wurde
früher der zulässige Bleigehalt im Benzin begrenzt, heute sind
Bleiverbindungen als Antiklopfmittel in der BRD nicht mehr zugelassen.
In verschiedenen anderen Ländern Europas wird aber noch bleihaltiges
Benzin verwendet. Autos, die mit einem Katalysator für die Abgasreinigung
ausgestattet sind, können kein bleihaltiges Benzin verwenden, da
das Blei sich im Katalysator ablagert und diesen schädigt.
Zur Erhöhung der Oktanzahl und zur Verbesserung der Klopffestigkeit
werden heute andere Verbindungen wie z. B. Methyl-tert-butylether (MTBE)
dem Kraftstoff zugemischt.
Die Folge ist, dass MTBE zunehmend in die Umwelt gelangt. In den USA wurde die Verbindung bereits in verschiedenen Quellwässern gefunden. Ob daraus möglicherweise ein Umweltrisiko resultieren könnte, ist noch nicht endgültig geklärt. Daher ist in den USA die Verbindung aus Vorsorge nicht mehr als Antiklopfmittel gestattet, in Deutschland gibt es aber kein Verbot.