

Enzyme (griech.: enzymon, in der Hefe bzw. dem Sauerteig enthalten) sind hochmolekulare Eiweiße, die als Biokatalysatoren bei sehr vielen Stoffwechselreaktionen in tierischen sowie pflanzlichen Organismen beteiligt sind. Früher wurden die Enzyme auch als Fermente bezeichnet. Enzyme beschleunigen chemische Reaktionen des Stoffwechsels. Dabei wird die Aktivierungsenergie durch intermediäre Bildung eines Enzym-Substrat-Komplexes verringert.
Die Funktion des Enzyms ist nicht an den lebenden Organismus gebunden, da sie auch außerhalb des Organismus wirken, sondern vielmehr an die Unversehrtheit seines räumlichen Aufbaus. Diese festgelegte räumliche Struktur wird durch die Anordnung mehrerer benachbarter Aminosäurereste bestimmt. Sie bilden das Aktivitätszentrum. Die an der Reaktion beteiligten Substanzen (Substrate) werden dort angelagert, in der Reaktion umgesetzt und nach Ablauf der Reaktion als Produkt abgelöst. Das Aktivitätszentrum kann auch durch ein Coenzym mit Nichtproteincharakter repräsentiert sein. Das Coenzym verbindet sich dann mit dem alleine nicht wirksamen Enzymprotein (Apoenzym) zum aktiven Enzym (Holoenzym).
Coenzyme können Derivate von Vitaminen
sein. Es können aber auch einfach nur Metall-Ionen sein. Diese Enzyme
bezeichnet man oft auch als Metallenzyme oder Metallproteide (z. B. die
eisenhaltigen Enzyme der Atmungskette).
Enzyme sind Kolloide, d. h., sie diffundieren nicht durch Membranen. Aufgrund
ihrer proteinartigen Struktur werden sie beim Erhitzen auf über 60
°C unter Zugabe von Säuren, Basen oder Schwermetall-Ionen irreversibel
zerstört (denaturiert). Die chemische Veränderung wirkt sich
dabei in erster Linie auf die räumliche Struktur des Enzyms aus.
Die gemeinsam am Ablauf einer Stoffwechselreaktion beteiligten Enzyme
sind meistens in bestimmten Zellräumen zusammengefasst, beispielsweise
die Enzyme der Atmungskette in den Mitochondrien, der Eiweißsynthese
in den Ribosomen. Dies hat den Vorteil, dass die darin befindlichen Substrate
auch nur von den ebenfalls darin befindlichen Enzymen umgesetzt werden
können. Konkurrierende Umsetzungen sind nicht möglich.
Eine Substanz kann im Organismus mehreren Reaktionen unterzogen werden
(z. B. Oxidation, Reduktion). Ein Enzym kann aber nur eine der für
das Substrat möglichen Reaktionen katalysieren (Wirkungsspezifität).
Außerdem sind Enzyme substratspezifisch, d. h. an jedes Enzym passen
nur die Substanzen, die eine bestimmte, zum Enzym passende Struktur besitzen
(Schlüssel-Schloss-Prinzip).
Beispielsweise lösen die Verdauungsenzyme die Zerlegung der Grundnährstoffe
(Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße) in ihre wasserlöslichen Bestandteile
aus und steuern diesen Vorgang. Dabei verändern sie sich selbst nicht
und können immer wieder diese Reaktionen bewirken. Es werden mit
dem Ausgangsstoff Zwischenverbindungen gebildet, aus denen sie nach Ablauf
der biochemischen Reaktion wieder unverändert hervorgehen. Der Ausgangsstoff
muss zum Enzym passen.
Es gibt aber auch Enzyme, die ähnlich gebaute Substanzen umsetzen.
In diesem Fall spricht man von Gruppenspezifität.
Enzyme werden nach dem Substrat bezeichnet, zu dem sie eine Affinität
besitzen, indem man an den Stamm des Substratnamens die Endung -ase
anhängt, z. B. heißt das die Maltose spaltende Enzyme Maltase.
Einteilung der Enzyme
Die Einteilung der Enzyme erfolgt in 6 Hauptklassen. Diese unterscheiden
sich in ihrer Wirkungsspezifität.