

Die Cellulose (cellulosus
lat.: aus Zellen bestehend) ist die in der Natur am häufigsten verbreitete
organische Verbindung, da sie neben Pektin und Hemicellulosen den Hauptbestandteil
der Gerüstsubstanz der Zellwände
aller Pflanzen ausmachen. Das Holz der Laub- und Nadelbäume bestehen
zu ungefähr 40% aus Cellulose. Auch Halme der Getreidepflanzen sind
reich an Cellulose (Stroh), ebenfalls die Baumwolle, bei der die Samenhaare
fast völlig aus Cellulose bestehen. Damit ist Cellulose der mengenmäßig
bedeutendste Naturstoff und bildet eine wesentliche Gerüst- und Stützsubstanz. Aus Nadelhölzern gewinnt man die Cellulose in Form von Zellstoff. Diese dient zur Herstellung von Papier und Chemiefasern (Zelluloseregeneratfaser).
Durch die große Menge stellt Cellulose auch eine wichtige Speicherform
für das Element Kohlenstoff im Kohlenstoffkreislauf
dar. Durch die Fotosynthese wird der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid
entzogen. Der enthaltene Kohlenstoff wird in der organischen Substanz
- zu einem großen Teil in der Cellulose - festgelegt. Immerhin macht
der in Form von Cellulose gespeicherte Kohlenstoff ca. 50% des in der
gesamten Erdatmosphäre als
vorliegenden Kohlenstoffs aus.
In der Natur wird die Cellulose von abgestorbenen Pflanzenteilen durch
Bakterien und Pilzen unter Energiefreisetzung wieder zu Kohlenstoffdioxid
und Wasser umgebaut. Damit wird in einem relativ kurzfristigen Teilkreislauf
(wenige Jahre oder Jahrzehnte) Kohlenstoffdioxid wieder in die Atmosphäre
abgegeben. Die Abbaureaktion wird u. a. durch Cellulase katalysiert. Chemisch
kann Cellulose durch Reaktion mit Säure zu Glukose abgebaut werden
(Holzverzuckerung).
Eigenschaften und
Struktur der Cellulose
Die Cellulose ist faserig aufgebaut.
Sie ist wasserunlöslich und quillt kaum.
Der Grundbaustein der Cellulose ist die Glucose. Durch die Reaktion vieler
Glucosemoleküle unter Abspaltung von Wasser, ist ein Makromolekül
entstanden, das aus 500 - 15000 Glucoseeinheiten zusammengesetzt ist.
Diese Reaktionsart bezeichnet man als Polykondensation.
Sowohl die Stärke als auch die Cellulose bestehen also Glucoseresten,
allerdings sind diese Glucosereste in der Cellulose anders miteinander
verknüpft als in der Stärke. Es besteht eine sogenannte
,
bei der die Glukosereste jeweils um 180° gedreht angeordnet sind.
Durch diese Verknüpfung entstehen linear angeordnete Makromoleküle, die zu benachbarten Glukosemolekülresten Wasserstoffbrückenbindungen ausbilden können, das zu einer zusätzlichen linearen Versteifung der Ketten führt. Durch die annähernd gleiche Ausrichtung aller Glukoseringe in einer Fläche kommt es zu einer brettartigen Struktur der einzelnen Ketten. Durch die intermolekularen Wasserstoffbrücken kommt es zu einer parallelen Ausrichtung von bis zu 70 Celluloseketten. Diese bezeichnet man auch als Mikrofibrillen. Sie sind charakteristisch für pflanzliche Zellwände und führen zu einer erhöhten Stabilität. Dadurch ist Cellulose aber auch wasserunlöslich.
Die Cellulose gehört zu den Polysacchariden, also zu den Kohlenhydraten, deren Moleküle aus vielen Monosaccharidresten gebildet werden. Diese Stoffgruppe ist in der Natur sehr weit verbreitet. Die Tabelle zeigt einige ausgewählte Verbindungen.
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verschiedene Polysaccharide
|
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Poly-saccharid
|
Bau-
steine |
Verknüp-fung
|
Funktion
|
natürliche
Vorkommen |
|
Cellulose
|
Glucose
|
![]() |
Stütz- und Gerüst- substanz |
gesamtes Pflanzenreich |
|
Amylose
|
Glucose
|
![]() |
Bestandteil |
Stärke, Kartoffel, Mais, Reis |
|
Chitin
|
N-Acetyl-gluco- samin |
![]() |
Gerüst- substanz |
Insekten, Krusten-meerestiere |
|
Inulin
|
Fructose
|
![]() |
Speicherstoff | Artischocke, Chicoree |
|
Xylan
|
Xylose
|
![]() |
Gerüst-substanz |
alle Land-pflanzen |
|
Glycogen
|
Glucose
|
![]() |
tierische Speicher- stärke |
Leber- und Muskelzellen aller Tiere |
|
Amylopektin
|
Glucose
|
![]() |
Bestandteil |
Stärke, besonders Kartoffel, Mais, Reis |
|
Dextran
|
Glucose
|
![]() |
unbekannt | vorrangig Bakterien |
|
Agar*
|
Galactose
|
![]() |
Gerüst-substanz | bestimmte Rotalge |
| * kann zusätzliche Sulfatgruppen enthalten | ||||
Verwendung
Nicht nur in der Natur hat die Cellulose
große Bedeutung. Der Mensch nutzt diesen Naturstoff schon sehr lange.
Abgesehen davon, dass Holz schon immer zu den wertvollen Baustoffen gehörte,
begründete sich die große technische und wirtschaftliche Bedeutung
der Cellulose auf der Vielzahl ihrer Erscheinungsformen.
Baumwolle, Hanf,
Jute und Flachs
sind fast reine Cellulose. Sie besitzen große Bedeutung in der Textil-,
der Papier- und Bauindustrie.
Technisch wird reine Cellulose aus Holz oder Stroh gewonnen. Sie kommt
dann meistens als Zellstoff in den Handel.
Große Bedeutung für die Lebensmittelindustrie haben auch die
chemisch modifizierten Cellulosederivate, z.B. als Verdickungsmittel,
Ballaststoffzusatz und Füllmittel.
Verwerten können wir diesen Stoff allerdings
nicht, da wir keine Enzyme besitzen, um die langen Ketten abzubauen.
Einige Mikroorganismen sind jedoch durch ihre Enzyme in der Lage, Cellulose
abzubauen. Dazu gehören u.a. die Mikroorganismen, die sich im Pansen
der Wiederkäuer befinden. Dadurch können Wiederkäuer sehr
cellulosereiche Nahrung verwerten, sodass die Cellulose bzw. cellulosereiche
Pflanzen für diese Tiere gutes Tierfutter bilden.