








Atombau
und Gruppeneigenschaften
Die Halogene stehen in der siebten Hauptgruppe des Periodensystems. Zu ihnen
gehören die Elemente Fluor (F), Chlor (Cl), Brom (Br), Iod (I) und
das radioaktive Astat (At).
Aus der Stellung der Halogene im Periodensystem lässt sich ablesen,
dass sie sieben Elektronen auf der äußeren Schale haben und somit
durch Aufnahme eines einzigen Elektrons Edelgaskonfiguration erreichen.
Aus diesem Grund gehören die Halogene zu den reaktionsfähigsten
Elementen und reagieren leicht, indem sie Elektronen unter Bildung von Halogenid-Ionen (X -) aufnehmen. Fluor ist
das Element mit der höchsten Elektronegativität und Reaktivität
überhaupt. Innerhalb der Gruppe nimmt beides nach unten ab.
Die Edelgaskonfiguration wird von den Halogenen ebenfalls erreicht, wenn
sie eine Atombindung ausbilden, weshalb sie im elementaren Zustand als
zweiatomige Moleküle (
)
vorliegen.
Alle Halogene sind Nichtmetalle,
wobei der Nichtmetallcharakter von Fluor zu Astat abnimmt. Iod weist metallischen
Glanz auf und leitet im flüssigen Zustand den elektrischen Strom.
Die Schmelz- und Siedepunkte nehmen mit steigender Ordnungszahl zu, weil
mit steigender Atommasse die van-der-Waals-Kräfte, die zwischen den
Molekülen wirken, stärker werden. Trotzdem sind die Halogene
flüchtige Verbindungen: Fluor und Chlor sind bei Standardbedingungen
gasförmig, Brom ist zwar flüssig, verdampft aber leicht bei
Raumtemperatur, was sich an den aufsteigenden rotbraunen Dämpfen
gut erkennen lässt. Iod und Astat sind fest, Iod sublimiert aber
bereits bei Raumtemperatur. Astat ist radioaktiv und zerfällt sehr
schnell, sodass es bisher nicht möglich war, es genauer zu untersuchen.
Die Farbigkeit der Halogene nimmt von Fluor zu Iod hin zu - Fluor ist
ein schwach gelbgrünes Gas, Chlor ein grünes Gas, Brom eine
rotbraune Flüssigkeit und Iod im festen Zustand dunkelgrau.
Die Halogene reagieren heftig mit anderen Stoffen, insbesondere mit unedlen Metallen, die leicht Elektronen abgeben. Weil sie auch mit Wasser und organischen Verbindungen reagieren, sind sie beim Einatmen giftig und wirken ätzend. In der Natur kommen sie nicht elementar vor.
Eigenschaften und Verwendung der Elemente
Als reines Element ist Fluor bei Zimmertemperatur
ein sehr schwach gelbgrünes Gas, das stark ätzend und hoch giftig
ist. Fluor reagiert spontan mit den meisten Elementen und Verbindungen.
Fluor ist das elektronegativste Element.
Verbindungen, die Wasserstoff enthalten, werden sofort von Fluor angegriffen,
wobei Wasserstoff gegen Fluor ausgetauscht (substituiert) wird und Fluorwasserstoff
entsteht.
Sein Name kommt vom lateinischen Wort fluor (= Fluss, Fließen),
weil Fluoride Metallerzen zugesetzt werden, um deren Schmelzen flüssiger
zu machen.
Elementares Fluor wird hauptsächlich zur Herstellung von fluorhaltigen Verbindungen verwendet, die sich auf anderem Wege nicht herstellen lassen, z. B. von fluorhaltigen organischen Stoffen wie Polytetrafluorethen (Teflon®), der als Antihaftbeschichtung für Bratpfannen (Bild 2) oder zur Herstellung atmungsaktiver Membranen wie Gore-Tex® eingesetzt wird. Fluor wird in größeren Mengen für die Herstellung von Kernbrennstoff benötigt. In der Natur vorkommendes Uran hat drei Isotope, Uran-238 (99,28 %), Uran-235 (0,72 %) und Uran-234 (0,006 %). Für die Kernspaltung ist aber nur Uran-235 geeignet und der natürliche Gehalt reicht für die Aufrechterhaltung der Kernsspaltung nicht aus. In den Brennelementen der Kernkraftwerke ist daher der Anteil an Uran-235 auf etwa 3 % angereichert.
Die Anreicherung erfolgt so, dass Uran mit Fluor zum gasförmigen Uranhexafluorid umgesetzt wird. Mithilfe von großen Zentrifugen können dann die geringen Massenunterschiede, die von den nun gasförmig vorliegenden Uranisotopen herrühren, für eine Anreicherung von U-235 genutzt werden.
Chlor ist bei Raumtemperatur ebenfalls
ein giftiges Gas von grünlicher Färbung (Bild 3). Beim Einatmen
greift es die Schleimhäute an und wirkt ätzend, was ein Grund
für seine Giftigkeit ist.
Chlor reagiert mit vielen Metallen, vor allem bei erhöhter Temperatur,
schnell zu den Chloriden. Auch mit den meisten Nichtmetallen reagiert
es bereits bei niedrigen Temperaturen.
Der Name Chlor stammt von der griechischen Bezeichnung chloros (= gelbgrün)
wegen seiner grünlichen Farbe.
Chlor ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die chemische Industrie
und wird hauptsächlich zur Synthese organischer Produkte eingesetzt.
Darunter sind auch viele chlorfreie Endprodukte, die über chlorhaltige
Zwischenstufen hergestellt werden.
Aus Chlor werden außerdem wichtige anorganische Verbindungen wie
Salzsäure,
Chloride, Hypochlorite, Chlorate und Chlorkalk (Bleichkalk) hergestellt.
Weitere Verwendung findet Chlor als Oxidationsmittel, Bleichmittel, zur
Desinfektion von Trinkwasser und Badewasser in Bädern sowie beim
Entzinnen von Weißblech.
Die Wirkung vieler chemischer Kampfstoffe wie Senfgas, Phosgen oder Tränengase,
in denen das Chlor chemisch gebunden ist, beruht u. a. darauf, dass in
Verbindung mit Wasser der ätzende Chlorwasserstoff freigesetzt wird.
Aber auch in der Medizin ist Chlor in vielen Medikamenten enthalten. So
wurde früher Chloroform
als Narkosemittel eingesetzt, heute findet man Chlor in Chloramphenicol,
einem Antibiotikum oder in Schlaf- und Beruhigungsmitteln wie Chloralhydrat
und Chlorprothixen.
Brom als drittes Element der 7. Hauptgruppe
ist bei Raumtemperatur eine tiefbraune Flüssigkeit, die leicht verdampft
(Bild 4). Diese Bromdämpfe sind sehr gefährlich, weil sie wie
flüssiges Brom selbst starke Verätzungen hervorrufen. Ebenso
wie Chlor reagiert Brom mit vielen Elementen schon bei niedrigen Temperaturen,
ist aber insgesamt weniger reaktiv als Chlor.
Benannt wurde es wegen seines unangenehmen Geruchs nach dem griechischen
Wort bromodes (= stinkend).
Ein Großteil des Broms wird zur Herstellung von Bleich- und Desinfektionsmitteln
benutzt. Auch findet man Brom in Feuerschutzmitteln, in Tränengasen,
aber auch in einigen Narkosegasen. In der Landwirtschaft werden viele
Wurm-, Insekten-, Pilz- und Unkrautvernichtungsmittel verwendet, die Brom
enthalten. Wichtig ist das Silberbromid in der Fotografie.
Iod ist bei Normaltemperatur ein grauschwarzer Feststoff. Es sublimiert
sehr leicht. Legt man einige Iodkristalle in ein geschlossenes Gefäß,
so färbt sich die Gasphase darin rasch violett (Bild 5). Dieser Färbung
verdankt es seinen Namen, der abgeleitet ist vom griechischen Wort ioeides
(= veilchenfarben).
Iod ähnelt in seinen Reaktionen denen des Chlors und des Broms, ist
jedoch weniger reaktiv als diese.
Iod lässt sich durch die sogenannte Iod-Stärke-Reaktion
nachweisen. Gibt man Iod zu einer wässrigen Stärkelösung,
so färbt sich die Lösung blau, weil die Iod-Moleküle in
die spiralförmigen Stärke-Moleküle eingelagert werden und
die entstehende Einschlussverbindung blau ist.
Elementares Iod dient z. B. zur Herstellung von Arzneimitteln und Desinfektionsmitteln.
Zur Desinfektion wird z. B. Iodtinktur,
eine Lösung von Iod und Kaliumiodid in Ethanol, verwendet.
Das radioaktive Isotop
wird für Schilddrüsenuntersuchungen eingesetzt.
Eine Anwendung findet Iod in vielen verschiedenen Halogenlampen
(Bild 6). Bei normalen Glühlampen mit Wolframdraht kommt es durch
die starke Erhitzung des Drahtes zum Austritt von einzelnen Wolframatomen,
sodass der Draht nach und nach seine Stabilität verliert und durchbrennen
kann. Bei Halogenstrahlern sind geringe Mengen Iod in der Lampe enthalten,
die die austretenden Wolframatome binden. Diese Wolfram/Iod-Verbindung
schlägt sich am Glühfaden nieder, wo sie wieder in Wolfram und
Iod gespalten wird. Dies hat zwei Vorteile. Zum einen bleibt der Glühfaden
länger intakt, sodass Halogenlampen eine längere Lebensdauer
besitzen, zum anderen kann so eine größere Strommenge durch
den Draht geleitet werden, ohne dass dieser durchbrennt, somit brennt
die Lampe viel heller.
Über Astat ist nicht viel bekannt,
da es radioaktiv ist und sehr schnell zerfällt. Am ehesten ist es
mit Iod vergleichbar, so ist es ebenfalls ein Feststoff. Seinen Namen
hat es vom griechischen Wort astatos (= unbeständig).
Vorkommen:
Da die Halogene äußerst
reaktiv sind, kommen sie in der Natur nur gebunden vor. Auch ihr Name,
der vom griechischen hals (= Salz) und gennan (= erzeugen) abgeleitet
ist, weist darauf hin, dass die Halogene (= Salzbildner) in Form ihrer
Salze zu finden sind.
Fluor ist in der Natur unter anderem
in Flussspat
(Bild 7) und Kryolith
enthalten. Im Körper ist es als Fluorapatit
in Knochen und im Zahnschmelz enthalten.
Chlor findet man in großen Mengen
im Stein- bzw. Kochsalz NaCl sowohl im Meerwasser gelöst als auch
fest unter Tage, außerdem im KCl (Sylvin) und vielen anderen Salzen
(Bild 8). Die größten Mengen finden sich im Meerwasser, das
zu 2 % aus Chlorid-Ionen besteht.
Brom trifft man oft mit den Chloriden
zusammen an, so ebenfalls im Meerwasser oder als KBr gemeinsam mit KCl.
Iod findet man als Calciumiodat
(Lautarit) zusammen mit Chilesalpeter
.
Außerdem reichern sich Iodide in der Tier- und Pflanzenwelt des
Meeres, vor allem in Algen an (Bild 9). Im menschlichen Körper findet
man vergleichsweise große Mengen an Iodiden in der Schilddrüse,
die zur ordentlichen Funktion eine tägliche Menge von ca. 200 mg
Iodid benötigt.
Astat entsteht in der Natur nur durch
den Zerfall anderer radioaktiver Elemente und zerfällt recht schnell
weiter, sodass es stets nur in Spuren zu finden ist. Das stabilste bekannte
Astat-Isotop hat eine Halbwertszeit von nur 8,3 Stunden, d. h. nach 8,3
Stunden ist die Hälfte der Astatatome zerfallen. Weil Astat so instabil
ist, dass es schlecht untersucht werden kann, werden im Folgenden nur
die übrigen Halogene behandelt.
Gewinnung
Fluor gewinnt man durch die Elektrolyse
von Fluorwasserstoff HF. Zur Erhöhung der Leitfähigkeit gibt
man zu dem flüssigen Fluorwasserstoff Kaliumfluorid. Bei der Elektrolyse
muss wasserfrei gearbeitet werden, weil sonst an der Anode nicht Fluorid
zu Fluor, sondern Wasser zu Sauerstoff oxidiert wird.

Chlor gewinnt man hauptsächlich durch die Chloralkali-Elektrolyse, bei der eine Natriumchlorid-Lösung als Ausgangsstoff dient. Bei der Elektrolyse werden an der Anode Chloridionen zu Chlor oxidiert. An der Kathode wird (beim Membran- und Diaphragmaverfahren) Wasser zu Wasserstoff reduziert. Die dabei entstehenden Hydroxylionen bilden dann mit den aus dem Anodenraum eingewanderten Natriumionen die Natronlauge. Diese wird kontinuierlich aus dem Kathodenraum entnommen. Zurück bleibt Natriumhydroxid-Lösung, sodass dieses Verfahren auch zur Gewinnung von Natronlauge verwendet wird.

Für die Durchführung dieser Elektrolyse gibt es verschiedene
Verfahren die sich alle ähneln und meist nur im Aufbau der Elektrolysezelle
unterscheiden.
Im Labor kann man in geringem Maßstab Chlorgas durch die Umsetzung
von HCl mit Braunstein (Mangandioxid) gewinnen.

Brom lässt sich auf viel einfacherem Wege gewinnen als Fluor und Chlor. Da innerhalb der 7. Hauptgruppe die Reaktivität der Elemente mit steigender Ordnungszahl abnimmt, ist Brom also weniger reaktiv als Fluor und Chlor. Es handelt sich demnach bei Chlor um ein stärkeres Oxidationsmittel als Brom. Daher kann man durch eine Redoxreaktion mittels Chlor das Bromid zu Brom oxidieren, wobei Chlor selbst zu Chlorid reduziert wird. Die hierfür nötigen Bromide gewinnt man aus Salzlagerstätten oder Meerwasser.
Beispiele:

Iod gewinnt man aus Iodat (
)
das im Chilesalpeter (
)
enthalten ist.
Das Iodat wird mit Schwefeldioxid zu Iod reduziert und anschließend
durch Sublimation gereinigt.

Wichtige Verbindungen der Halogene
Halogenwasserstoffe
Alle Halogenwasserstoffe
sind Dipolmoleküle. Die Polarität der Bindung nimmt von HI zu
HF zu, weil der Elektronegativitätsunterschied größer
wird. Dennoch sind die Wechselwirkungen zwischen den Molekülen relativ
schwach: Außer Fluorwasserstoff, dessen Siedepunkt 20 °C beträgt,
sind die Halogenwasserstoffe unter Standardbedingungen gasförmig.
Der hohe Siedepunkt von HF ist darauf zurückzuführen, dass er
Wasserstoffbrückenbindungen ausbilden kann. Die anderen Halogenwasserstoffe
sind dazu nicht in der Lage, weil die Elemente Chlor, Brom und Iod weniger
elektronegativ sind und größere Atomradien besitzen und die
Polarität ihrer Wasserstoffverbindungen daher abnimmt.
Die Halogenwasserstoffe sind gut in Wasser löslich und bilden die
Halogenwasserstoffsäuren (Flusssäure, Salzsäure, Bromwasserstoffsäure,
Iodwasserstoffsäure). Die Säurestärke der Halogenwasserstoffe
nimmt mit wachsender Bindungslänge zu. Die stärkste Säure
ist die Iodwasserstoffsäure, weil die Bindung zwischen dem großen
Iodatom und dem kleinen Wasserstoffatom schwächer ist als bei den
kleineren Halogenatomen.
Die Herstellung
der Halogenwasserstoffe kann aus den Elementen und Wasserstoff oder
aus den Halogeniden durch Umsetzung mit Säuren erfolgen.
Lässt man die Elemente direkt mit Wasserstoff reagieren, so zeigt
sich deutlich, dass Fluor am leichtesten reagiert, Iod hingegen das reaktionsträgste
Halogen ist. Entsprechend der Reaktivität der Halogene nimmt auch
die Heftigkeit der Reaktion stark ab. Fluor reagiert bereits bei - 200°C
mit Wasserstoff unter Explosion in einer stark exothermen Reaktion. Gemische
aus Chlor und Wasserstoff (Chlorknallgas) explodieren bei Belichtung,
weil durch das Licht die Chlormoleküle in Chloratome gespalten werden,
die mit Wasserstoff zu Chlorwasserstoff reagieren. Die Reaktionen von
Brom und Iod mit Wasserstoff sind Gleichgewichtsreaktionen, d. h. die
Elemente reagieren nicht vollständig zum Produkt, und der entstehende
Halogenwasserstoff reagiert zurück zu den Elementen.

Für die Gewinnung von Fluorwasserstoff und Chlorwasserstoff aus Fluoriden bzw. Chloriden verwendet man konzentrierte Schwefelsäure. Will man Bromwasserstoff herstellen, muss man Phosphorsäure einsetzen, da Schwefelsäure mit Bromid reagiert und daher zu Schwefeldioxid oder Schwefelwasserstoff reduziert wird. Iodwasserstoff lässt sich am besten aus den Elementen synthetisieren.
Beispiele:

Salze der Halogene
Es gibt zahlreiche Salze, die Halogenid-Ionen enthalten. Viele davon werden
in der Industrie, aber auch im täglichen Leben verwendet.
Von großer Bedeutung im Alltag ist beispielsweise das Kochsalz,
mit dem wir unser Essen würzen. Sein chemischer Name ist Natriumchlorid
NaCl.
In der Fotografie werden Silberhalogenide wie Silberbromid AgBr und Silberiodid
AgI eingesetzt.
Zahnschmelz enthält das Mineral Hydroxylapatit
Wird das Hydroxid-Ion durch Fluorid ersetzt, was durch Verwendung fluoridhaltiger
Zahnpasta oder durch Fluoride im Trinkwasser bewirkt wird, so entsteht
der gegen Milchsäure wesentlich beständigere Fluorapatit.
In der Industrie dienen Salze wie Calciumfluorid
oder Kryolith
als Flussmittel, um den Schmelzpunkt verschiedener Erze bei der Schmelzflusselektrolyse
herabzusetzen. Kryolith wird bei der Aluminiumherstellung verwendet.