


Der Begriff Organische Chemie wurde von BERZELIUS eingeführt und umfasste die Verbindungen, die von Organismen (z. B. Pflanzen) synthetisiert wurden. Man glaubte, dass dazu eine besondere Kraft, die "vis vitalis" erforderlich sei. Nachdem es WÖHLER 1828 gelungen war, die anorganische Verbindung Ammoniumcyanat in die organische Verbindung Harnstoff umzuwandeln, setzte sich dann aber die Meinung durch, dass man organische Verbindungen auch im Labor ohne vis vitalis herstellen kann.
Organische Stoffe werden
von Lebewesen im Stoffwechsel gebildet, aber auch industriell hergestellt.
Sie enthalten immer das Element Kohlenstoff, fast alle auch Wasserstoff. Nur
wenige weitere der über hundert Elemente des Periodensystems, wie
Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel oder Phosphor, sind insgesamt am Aufbau
organischer Verbindungen beteiligt. Heute kennt man mehrere Millionen
dieser organischen Stoffe und durch Industrie und Forschung werden jährlich
Zehntausende neue synthetisiert. Dieser riesigen Anzahl stehen nur etwa
Hunderttausend anorganische Stoffe gegenüber.
Die Vielfalt organischer Stoffe
Wenn man den großen Anteil von Wasser einmal nicht einbezieht, besteht
ein Mensch fast nur aus organischen Molekülen. Die Eiweiße,
die am Aufbau jeder Zelle beteiligt sind, gehören zu den Grundbausteinen
jedes auf der Erden vorkommenden Lebewesens. Auch Kohlenhydrate und Fette
haben ihren Anteil an den "Baustoffen" des Körpers.
In der Natur findet man sowohl sehr einfach gebaute organische Stoffe
wie Methan, welches in Erdgas vorkommt und dessen Moleküle nur aus
einem Atom des Elements Kohlenstoff und vier Atomen des Elements Wasserstoff
bestehen.
Kompliziertere Moleküle weist Traubenzucker mit insgesamt 24 Atomen
(Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff) auf. Es gibt aber auch Riesen
unter den organischen Stoffen, zum Beispiel Stärke oder Eiweiße,
in deren Makromolekülen Tausende Atome miteinander verknüpft
sind.
Schon seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts kann eine Vielzahl von organischen
Stoffen auch industriell hergestellt werden, darunter solche, die gar
keine Entsprechung in der Natur haben. Daher wächst die Zahl der
organischen Verbindungen jährlich.
Seit vielen Jahrzehnten nutzen wir so zum Beispiel Kunststoffe oder Kunstfasern.
Zuerst versuchte man, Stoffe künstlich herzustellen, die den Naturstoffen
entsprechen und anstelle dieser Naturstoffe eingesetzt werden können.
Heute produziert man Stoffe maßgeschneidert. Die Eigenschaften sind
genau auf den Einsatz abgestimmt.
| Organische Stoffe | ||
| In der Natur vorkommend | ||
| Beispiel | Vorkommen | Stoffgruppe |
|
Methan
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Erdgas, Grubengas, Wiederkäuermagen | Alkane |
|
Ethen
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Reifeprozesse bei Früchten | Alkene |
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Ethanol
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"Trinkalkohol", durch alkoholische Gärung von Früchten | Alkanol |
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Ethansäure
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Haushaltsessig, durch Essigsäuregärung | Alkansäure |
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Glucose (Traubenzucker)
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in Früchten | Kohlenhydrate |
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Cellulose
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Zellstoff für Taschentücher oder Verbandsmaterial, in Holz, Zellwände pflanzlicher Zellen | Kohlenhydrate |
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Kokosfett
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in Kokosnüssen | Stoffgemisch verschiedener Fette |
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Olivenöl
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Oliven | Stoffgemisch verschiedener Fette |
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Casein
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in Kuhmilch | Eiweiße |
| Industriell hergestellt | ||
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Polystyren (Polystyrol)
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Verpackungsmaterial ("Quietschpappe") | Plast |
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Gummi
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Autoreifen | Elast |
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Polyamid
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Kleidung | Kunstfaser |
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FCKW
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Treibgase, Kühlmittel, Narkosemittel (Verwendung in Deutschland mehr und mehr eingeschränkt) | halogenierte Kohlenwasserstoffe |
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Ascorbinsäure
|
industriell hergestelltes Vitamin C | Säure |
|
Aspirin
|
Medikament (Schmerzmittel) | Ester |
Kohlenstoffatome bilden das "Rückgrat" aller organischen
Stoffe. Das Kohlenstoffatom weist vier Außenelektronen auf.
Um eine mit acht Elektronen besetzte Außenschale (Elektronenoktett
bzw. Edelgaskonfiguration)
und damit Stabilität zu erreichen, benötigt ein Kohlenstoffatom
zusätzlich zu seinen vier Außenelektronen noch vier weitere
Elektronen. Diese werden durch die Ausbildung gemeinsamer Elektronenpaare
mit anderen Atomen gewonnen.
Kohlenstoffatome können demzufolge vier gemeinsame Elektronenpaare
mit anderen Atomen ausbilden. Es hat, symbolisch gesehen, "vier Arme,
welche es ausstrecken kann, um damit anderen Atomen die Hand zu reichen".
Die gemeinsamen Elektronenpaare können mit anderen Kohlenstoffatomen
oder auch mit Wasserstoffatomen oder Sauerstoffatomen o. a. ausgebildet
werden.
Die enorme Vielfalt der organischen Verbindungen kommt nun dadurch zustande,
dass sich die Kohlenstoffatome durch die Ausbildung gemeinsamer Elektronenpaare
miteinander zu kettenförmigen, zu verzweigten oder auch zu ringförmigen
Molekülen verbinden können.
Die noch frei bleibenden Außenelektronen
("Bindungsarme") können mit unterschiedlichen Atomen Bindungen
eingehen. So lassen sich schon aus wenigen Kohlenstoffatomen und einer
unterschiedlichen Anzahl von Wasserstoffatomen viele verschiedene Moleküle
konstruieren.