
Enzyme sind hochmolekulare Eiweißkörper
(Proteine oder Proteide), die als Biokatalysatoren
an fast allen Stoffwechselreaktionen in tierischen sowie pflanzlichen
Organismen beteiligt sind.
Katalysatoren ermöglichen oder beschleunigen Reaktionen durch die
Herabsetzung der Aktivierungsenergie
(Energie, die benötigt wird, um die Teilchen in einen aktiven Zustand
zu versetzen).
So sind Enzyme in der Lage, die für jede Reaktion notwendige Aktivierungsenergie
bei biochemischen Reaktionen herabzusetzen. Das ist u.a. wichtig, da im
Organismus die Temperatur einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten
darf, weil es sonst zu Schädigungen kommt. Durch den Einfluss der
Enzyme können unter physiologischen Bedingungen sehr langsam ablaufende
Reaktionen beschleunigt werden. Enzyme können die Reaktionsgeschwindigkeit
um den Faktor 1000 bis 1000000 beschleunigen.
Im Allgemeinen handelt es sich bei den biochemischen Reaktionen um Gleichgewichtsreaktionen.
Enzyme beschleunigen die Geschwindigkeit mit der das chemische Gleichgewicht
eingestellt wird. Sie beeinflussen aber die Lage des chemischen Gleichgewichtes
nicht.
Ein Beispiel für die Effektivität von Biokatalysatoren
ist die Reduktion von Luftstickstoff. In der Natur (Bedingungen: 20 °C,
1 bar) setzen Bakterien mithilfe ihrer Enzyme die reaktionsträgen
Stickstoffmoleküle (
)
mit Wasserstoff zu Ammonium-Ionen
um.
Neben einigen im Boden lebenden Bakterien verfügen die symbiotisch
in den Wurzeln der Schmetterlingsblütengewächsen lebenden so
gennanten Knöllchenbakterien über die entsprechenden Enzyme
(Nitrogenase). Im HABER-BOSCH-Verfahren zur
Ammoniaksynthese läuft dieser Prozess analog ab. Dafür
sind aber drastischere Bedingungen (trotz Katalysator 250 °C,
300 bar) nötig.
Der
Aufbau von Enzymen
Enzyme sind einfache Eiweiße (Proteine)
oder Eiweißstoffe mit einem Nichtprotein-Anteil (Proteide).
Demzufolge wird die Biosynthese (Synthese im Organismus) auch durch die
entsprechenden Gene gesteuert.
Enzyme können aus einer oder mehreren Peptidketten zusammengesetzt
sein. Die Enzyme des Verdauungstraktes z.B. sind Enzyme, die nur aus einer
Peptidkette bestehen. Dagegen sind die meisten in den Zellen vorkommenden
Enzyme (zelluläre Enzyme) aus mehreren, verschiedenen Peptidketten
aufgebaut. Diese Peptidketten sind durch die Art, Anzahl und Reihenfolge
der verknüpften Aminosäurereste (Primärstruktur)
gekennzeichnet.
Neben der Primärstruktur von Enzymen haben besonders die Sekundärstruktur
(Faltung) und Tertiärstruktur
(räumliche Struktur) eine Bedeutung für den Wirkmechanismus
von Enzymen, da sie die in der Primärstruktur weit entfernt liegenden
Aminosäuren in räumliche Nähe bringen können. Diese
räumliche Nähe ist wichtig, denn dadurch wird das sogenannten
aktive Zentrum ausgebildet (s.u.).
Unter der Quartärstruktur
von Enzymen versteht man die räumliche Anordnung der einzelnen Enzyme
in z.B. einem Multienzymkomplex. Dazu gehört besonders bei den Proteiden
(Apoenzyme), der Nichtprotein-Anteil, das sogenannte Coenzym. Beide Teile
können fest aneinander gebunden sein, oder nur vorübergehend
beispielsweise durch die Ausbildung von Wasserstoffbrückenbindungen
miteinander verknüpft.
Handelt es sich beim Nichtprotein-Anteil um komplex gebundene Metall-Ionen
(Spurenelemente), so spricht man häufig von Cofaktoren anstelle von
Coenzymen. Die Bindungen, die dann zum Apoenzym ausgebildet werden, sind
Komplexbindungen. Als Metalle treten vor allem Eisen (Hämoglobin),
Magnesium (Chlorophyll), Kupfer (Enzyme der Atmungskette) und Mangan oder
Zink (DNA-Polymerasen) auf.
Erst die voll ausgebildeten Enzyme (Apoenzym und Coenzym bzw. Cofaktor)
erreichen die biologische Wirksamkeit.
Die Enzyme werden in 6 Hauptklassen eingeteilt. Diese
unterscheiden sich in ihrer Wirkungsspezifität.
Chymotrypsin ist beispielsweise ein Enzym der Bauspeicheldrüse, dessen Funktionsweise vollständig aufgeklärt wurde. Es katalysiert die Spaltung einer Peptidbindung. Diese im Darm stattfindende Reaktion erlaubt die Spaltung von Eiweißen, die mit der Nahrung aufgenommen wurden, in Aminosäuren, die vom Blut aufgenommen werden können. Chymotrypsin gehört somit zu den Hydrolasen.
Wirkungsmechanismus
Das sogenannte aktive Zentrum des Enzyms
hat eine bestimmte Form, in die das Substrat, das beeinflusst wird, genau
hineinpasst wie ein Schlüssel in das zugehörige Schloss (Schoss-Schlüssel-Prinzip).
Daher bindet das aktive Zentrum des Enzyms aus der Vielzahl der in der
Zelle vorkommenden Substrate nur ein ganz bestimmtes Substrat. Diese Selektivität
wir auch Substratspezifität
genannt.
Durch die Ausbildung des Enzym-Substrat-Komplexes werden bestimmte Reaktionen
ermöglicht. Nach Ablauf der Reaktionen zerfällt der Enzym-Produkt-Komplex.
Das Enzym kann dann erneut eine Umsetzung katalysieren.
Durch mehrere aufeinanderfolgende enzymkatalysierte
(Teil)-Reaktionen kann auch die Gesamtausbeute der (Gesamt)-Reaktion positiv
verändert werden. Das geschieht dann, wenn das Reaktionsprodukt der
einen Reaktion sofort an das nächste Enzym gebunden und umgesetzt
wird. Dadurch ist die Konzentration der Zwischenprodukte sehr gering.
Sie werden nämlich der Teilreaktion sofort entzogen. Das regt die
Neubildung von Reaktionsprodukten an und unterdrückt ihren Zerfall.
Im Ergebnis erfolgt, auf die Gesamtreaktion bezogen, ein fast vollständiger
Stoffumsatz.
Die notwendige Energie für diese Prozesse liefert die Umwandlung
von ATP zu ADP.
Nutzung
von Enzymen
Da Enzyme an nahezu allen Stoffwechselreaktionen
in tierischen sowie pflanzlichen Organismen beteiligt sind, kann an dieser
Stelle nur auf ausgewählte Beispiele eingegangen werden.
Die Enzymforschung ist
heute eines der Hauptgebiete der Biochemie, der Biotechnologie und z.T.
auch der Gentechnologie. Einsatzgebiete für die Enzymtechnologie
sind die Pharma-, Getränke-, Lebensmittel- und Waschmittelindustrie,
um nur einige zu nennen. Dabei werden technisch jene Vorzüge der
Enzyme genutzt, die bei komplizierten, chemisch aufwendige Reaktionen
eine hohe Ausbeute und wenig Nebenprodukte und milde Reaktionsbedingungen
bewirken.
In der Medizin wird speziell die Aufklärung von Enzymmustern zur
Diagnose und Therapiekontrolle herangezogen. Bei einem Herzinfarkt beispielsweise
ändert sich das Enzymmuster des Blutes auf charakteristische Weise
und ermöglicht somit eine schnelle und sichere Diagnose.
Immer mehr werden die Enzyme auch zur Bestimmung verschiedener Stoffe,
wie z.B. Hormonen (Schwangerschaftstest), Antigenen und Drogen eingesetzt.