
Ethanol (
)
ist oftmals auch unter den Namen Äthanol, Ethylalkohol, "Alkohol"
oder Weingeist bekannt. In der
homologen Reihe der Alkohole steht er an zweiter
Stelle, hinter dem Methanol.
Eigenschaften:
Ethanol ist eine farblose, klare, brennbare, leicht entzündliche,
alkoholisch riechende Flüssigkeit
mit einem brennenden Geschmack. Er verbrennt mit blassblauer, schwach leuchtender Flamme
zu Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf.
Stoffdaten:
| Schmelzpunkt (°C) | Siedepunkt (°C) | Dichte, 25 °C (g/cm3) | Mischbarkeit |
| -114,5 | 78,3 | 0,789 | vollständig mit: Wasser, Methanol, Ether, Benzen, Benzin |
Bei der Reaktion mit Alkalimetallen entsteht Wasserstoff und das entsprechende Alkoholat (Salz). Ethanol zeigt die für primäre Alkohole typischen Reaktionen, z. B. Oxidation (durch starke Oxidationsmittel wie Kaliumpermanganat, Chromsäure) zu Acetaldehyd und Essigsäure. In der freien Natur kommt Ethanol relativ häufig, wenn auch in geringen Mengen vor. Die allgegenwärtigen Hefepilze vergären nasse stärke- und zuckerhaltige Substanzen zu Ethanol (Gärung), so z. B. in Fallobst oder Brotteig.
Physiologische Wirkungen:
Reiner Alkohol (Ethanol) (96 %ig) ist für alle Organismen stark giftig.
Bakterien werden im allgemeinen
in 70 %igem Alkohol abgetötet, da bei dieser Konzentration ihre Plasmaeiweiße
denaturieren.
Auf den Menschen wirkt Alkohol in geringen Mengen anregend, in größeren
Mengen oder in hohen Konzentrationen jedoch giftig. Die Aufnahme erfolgt
über den Verdauungstrakt, die Mundschleimhaut und durch Resorption
über die Haut. In der Leber wird fast der gesamte Alkohol über
die Zwischenprodukte Acetaldehyd (Ethanal) und Essigsäure zu Kohlendioxid
und Wasser oxidiert.
Nur eine kleine Menge wird über den Harn und die Atemwege ausgeschieden.
Die Wirkung von Ethanol auf den Organismus hängt von vielen Faktoren,
wie z. B. Alter und Geschlecht ab. Die Letaldosis
(bei der in der Regel der Tod eintritt) ist bei Kindern sehr gering (ca.
30 g, das entspricht etwa dem Alkoholgehalt von einem Liter Bier). Bei
Männern treten ernsthafte Organschäden
bei einem Konsum von 50 ml pro Tag, bei Frauen schon bei 20 ml pro Tag
auf. Besonders gefährlich ist der Alkoholkonsum von Schwangeren,
da der Alkohol sehr leicht in den Blutkreislauf des Embryos übergeht.
Das ungeborene Kind kann davon schwer geschädigt werden.
Erste Symptome einer Alkoholvergiftung
sind zunächst die Lähmung von Hemmungszentren im Zentralnervensystem,
Reflexsteigerung, körperliche Erregung und gesteigerter Bewegungsdrang.
Bei weiterem Alkholkonsum kommt es zu Lähmungen von motorischen Zentren,
Muskelerschlaffung, Ermüdung, Bewegungsunsicherheiten (Gehen, Stehen),
Erschwerung der Sprache. Hinweise auf die Beeinträchtigung der Fährtüchtigkeit
durch Alkoholkonsum sind wohl nicht nötig. Da Alkohol die Blutgefäße
weitet, kommt es leicht zu gefährlichen Unterkühlungen. Kopfschmerzen,
Erbrechen, Erinnerungslücken und Übelkeit sind die Nachwirkungen
einer Alkoholvergiftung. Anzeichen einer chronischen Alkoholvergiftung,
welche durchaus zu den Suchtkrankheiten
zu zählen ist, sind im allgemeinen leichte bis schwere Organschäden,
wie z. B. Verdauungsstörungen, Magen-Darm-Reizungen, Herzmuskelerkrankungen,
Schädigung des Zentralnervensystems und vor allem Leberschäden,
wie z. B. Leberverfettung und Leberzirrhose. Der akute Alkoholtod
tritt durch Lähmung des Atemzentrums ein. Die letale Dosis beträgt
ca. 5 Promille Alkohol im Blut. Das entspricht ca. 200-250 g reinem Alkohol.
Herstellung:
Man kann Ethanol enzymatisch mittels Hefepilzen durch Vergären von Glucose erhalten, wie es beispielsweise bei der Herstellung von Wein üblich ist.
C6H12O6 → 2 C2H5OH + 2 CO2
CH2=CH2 + H2O → CH3–CH2OH Q = -46 kJ/mol
Ethanol wird dann aus dem Gemisch abdestilliert.
Verwendung:
Ein Teil des Ethanols wird in Form von alkoholischen
Genussmitteln verbraucht. Weiterhin dient er als wertvolles Lösungsmittel
für Öle, Fette, Harze und viele Farbstoffe aber auch für
Duftstoffe,
so z. B. in Kosmetika, wie Rasierwasser und anderen Riechstoffen.
Konzentrierter (96 %iger) Alkohol wird wegen seines hohen Brennwerts als "Brennspiritus"
verwendet (rein oder im Gemisch mit Benzin). Als Motortreibstoff kann Ethanol sowohl im Gemisch mit Benzin als auch in reiner Form eingesetzt werden. Allerdings dürfte es kaum möglich sein, Benzin durch Bioethanol in merklichen Anteilen zu ersetzen. Im Jahr 2008 wurden weltweit etwa 50 Mio. t Bioethanol hergestellt, davon ca. 25 Mio. t in den USA auf der Basis von Maisstärke und ca. 20 Mio. t in Brasilien aus Zuckerrohr. Die Menge in den USA deckt aber nur etwa 5 % des Gesamtbenzinbedarfs!
Durch seine
keimtötende Wirkung wird er auch als Desinfektions- und Konservierungsmittel
eingesetzt. In der chemischen Industrie ist er ein wichtiger Ausgangsstoff
zur Gewinnung vieler Chemikalien, wie z. B. Acetaldehyd, Ethylchlorid
(
), Butadien,
Ether, Essigester vielen Farbstoffen.
Zur Herstellung einiger pharmazeutischer Präparate ist ebenso Ethanol
nötig.