


Organische Verbindungen besitzen nur im einfachsten
Fall ausschließlich Kohlenstoff- und Wasserstoffatome in ihrem Molekül.
Die große Masse der organischen Verbindungen enthält neben
Wasserstoff- und Kohlenstoffatomen oftmals auch Sauerstoff-, Stickstoff-,
Schwefel- oder Halogenatome.
Grundsätzlich gelten die Regeln
der Nomenklatur, die für die Kohlenwasserstoffe gültig sind,
auch für die Stoffe, die weitere Elemente enthalten.
Es ist aber auch entscheidend, wie die Atome anderer Elemente in den Molekülen
angeordnet sind und welche besonderen Strukturen herausgebildet werden,
deshalb müssen sie bei der Benennung Berücksichtigung finden.
Häufig beeinflussen diese Atome oder Atomgruppen die Eigenschaften
der jeweiligen Stoffe stark. Dann bezeichnet man sie als funktionelle
Gruppen. Man kann sie schon im fachsystematischen Namen des Stoffes erkennen.
Haben Stoffe die gleiche funktionelle
Gruppe, so werden sie zu einer Stoffklasse zusammengefasst.
Organische
Verbindungen mit Sauerstoffatomen im Molekül
Alkohole:
Die charakteristische funktionelle Gruppe der Alkohole ist die Hydroxylgruppe
(-OH). Sauerstoff wird zwischen einem Kohlenstoff- und Wasserstoffatom
eingebaut. Im Namen erkennt man diese funktionelle Gruppe an der Endung
-ol.
Beispiel Ethanol: Der Name sagt aus,
dass es sich um ein Sauerstoffderivat des Ethans handelt. Die Kohlenstoffkette
besteht aus zwei Kohlenstoffatomen, die über Einfachbindung miteinander
verbunden sind. Ein Wasserstoffatom ist durch eine Hydroxylgruppe ersetzt.
Schon ab einer Kohlenstoffkette von drei Kohlenstoffatomen
gibt es Isomere, was in der Benennung deutlich werden muss. Die Stellung
im Molekül wird ähnlich der der Seitenketten von Kohlenwasserstoffen
ermittelt. Die Bezeichnung ist ebenfalls vergleichbar. Die Stellung der
Gruppen im Molekül wird durch arabische Ziffern angegeben.
Beispiel Propan-2-ol: Der Name sagt
aus, dass es sich um ein Sauerstoffderivat des Propans handelt. Die Kohlenstoffkette
besteht aus drei Kohlenstoffatomen, die über Einfachbindungen miteinander
verbunden sind. Ein Wasserstoffatom des zweiten Kohlenstoffatoms in der
Kette ist durch eine Hydroxylgruppe ersetzt.
Am Beispiel der Alkohole soll kurz darauf verwiesen
werden, dass natürlich auch hier nicht nur eine, sondern mehrere
funktionelle Gruppen im Molekül vorhanden sein können, ihre
Anzahl wird durch griechische Zahlwörter angegeben.
Beispiel Ethan-1,2-diol: Der Name sagt
aus, dass es sich um ein Sauerstoffderivat des Ethans handelt. Die Kohlenstoffkette
besteht aus zwei Kohlenstoffatomen, die über Einfachbindung miteinander
verbunden sind. Jeweils ein Wasserstoffatom des ersten und des zweiten
Kohlenstoffatoms in der Kette ist durch eine Hydroxylgruppe ersetzt.
Aldehyde: Die charakteristische
funktionelle Gruppe der Aldehyde ist die Aldehydgruppe
(-CHO). Diese Gruppe befindet sich immer am Ende einer Kette. Im
Namen erkennt man diese funktionelle Gruppe an der Endung
-al.
Beispiel Ethanal: Der Name sagt aus,
dass es sich um ein Sauerstoffderivat des Ethans handelt. Die Kohlenstoffkette
besteht aus zwei Kohlenstoffatomen, die über Einfachbindung miteinander
verbunden sind. Eines dieser Kohlenstoffatome bildet mit einem Sauerstoffatom,
mit dem es über eine Doppelbindung verbunden ist, und mit einem Wasserstoffatom
eine Aldehydgruppe.
Carbonsäuren:
Die charakteristische funktionelle Gruppe der Carbonsäuren ist die
Carboxylgruppe (-COOH). In dieser Carboxylgruppe
ist ein Kohlenstoffatom über eine Doppelbindung mit einem Sauerstoffatom
verbunden. Außerdem befindet sich ein weiteres Sauerstoffatom zwischen
einem Kohlenstoffatom und einem Wasserstoffatom. Im Namen kann man im
Allgemeinen dieses besondere Strukturmerkmal am Wortteil
-säure erkennen.
Beispiel Ethansäure: Der Name
sagt aus, dass es sich um ein Sauerstoffderivat des Ethans handelt. Die
Kohlenstoffkette besteht aus zwei Kohlenstoffatomen, die über Einfachbindung
miteinander verbunden sind. Eines dieser Kohlenstoffatome bildet mit zwei
Sauerstoffatomen und einem Wasserstoffatom die charakteristische Carboxylgruppe.
Ketone: Die
charakteristische funktionelle Gruppe der Ketone ist die Ketogruppe
(>CO). In dieser Gruppe ist das Sauerstoffatom mit dem Kohlenstoffatom
über eine Doppelbindung verbunden. Das Kohlenstoffatom ist an den
beiden anderen Bindungsstellen jeweils mit einem weiteren Kohlenstoffatom
verknüpft. Folglich muss das einfachste Keton mindestens drei Kohlenstoffatome
besitzen. Im Namen wird diese besondere Gruppe durch die Endung
-on verdeutlicht.
Beispiel Propanon: Der Name sagt aus,
dass es sich um ein Sauerstoffderivat des Propans handelt. Die Kohlenstoffkette
besteht aus drei Kohlenstoffatomen, die über Einfachbindungen miteinander
verbunden sind. Das mittlere dieser Kohlenstoffatome (zweites Kohlenstoffatom
der Kette) ist mit einem Sauerstoffatomen über eine Doppelbindung
verbunden.
Ether: Die charakteristische
funktionelle Gruppe der Ether ist die Ethergruppe
. Über das Sauerstoffatom sind zwei Kohlenstoffketten miteinander
verknüpft, wobei zwischen dem jeweiligen Kohlenstoffatom und dem
Sauerstoffatom eine Einfachbindung existiert. Im Namen des Stoffes wird
diese besondere Struktur durch den Wortteil
-ether deutlich.
Beispiel Dimethylether: Es handelt
sich um eine organische Verbindung, bei der zwei Methylgruppen durch die
Ethergruppe miteinander verküpft sind.
Ester: Die charakteristische
funktionelle Gruppe der Ester ist die Estergruppe
(-COOC-). Ester entstehen hauptsächlich bei der Reaktion von
Alkoholen mit Carbonsäuren unter Wasserabspaltung. In der Estergruppe
ist ein Kohlenstoffatom mit einem Sauerstoffatom über eine Doppelbindung
verknüpft. Mit einem anderen Sauerstoffatom existiert eine Einfachbindung.
Das Sauerstoffatom hat eine weitere Einfachbindung zu einem anderen Kohlenstoffatom
ausgebildet, sodass die beiden Molekülreste über dieses Sauerstoffatom
miteinander verknüpft sind. Der Namen des Esters bildet sich aus
dem Namen
der Carbonsäure, der Bezeichnung für den Alkylrest des Alkohols
und den Wortteil -ester.
Beispiel Methansäureethylester:
Es handelt sich um einen Ester, bei dem der Molekülrest der Carbonsäure
ein Kohlenstoffatom (verbunden dem dazugehörigen Wasserstoffatom)
enthält, welches gleichzeitig zur Estergruppe gehört. Über
diese Estergruppe ist ein Ethylrest (Rest des Ethanols) gebunden. Die
Kohlenstoffkette des Alkylrestes enthält zwei Kohlenstoffatome, die
über Einfachbindung miteinander verknüpft sind.
Es gibt natürlich auch organische Verbindungen, die nicht nur zwei oder mehrere gleichartige funktionelle Gruppen im Molekül aufweisen, sondern auch verschiedene funktionelle Gruppen besitzen. Ein Beispiel dafür sind die Moleküle der Milchsäure. Häufig verwendet man für solch kompliziert gebaute Verbindungen Trivialnamen. An den fachsystematischen Namen erkennt man jedoch besser den strukturellen Bau der Verbindungen. Für die Milchsäure lautet der fachsystematische Name 2-Hydroxypropansäure.
Organische Verbindungen
mit Stickstoffatomen im Molekül
Stickstoff kommt in organischen Verbindungen
sehr häufig vor, besonders bei lebender Materie. Wie alle Pflanzen
und Tiere benötigt auch der Mensch das Element Stickstoff, speziell
zum Aufbau der lebensnotwendigen Proteine und Aminosäuren. In diesen
liegt er hauptsächlich chemisch gebunden in Aminogruppen vor
.
Amine: Die charakteristische
funktionelle Gruppe der Amine ist die Aminogruppe
.
Diese ist einfach genommen ein Abkömmling (Derivat) des Ammoniaks
. Im Namen
ist sie am Wortteil -amin erkennbar.
Beispiel Ethylamin: Es handelt sich
um ein Derivat des Ethans. Die Kohlenstoffkette besteht aus zwei Kohlenstoffatomen,
zwischen denen Einfachbindung herrscht. Ein Wasserstoffatom ist durch
eine Aminogruppe ersetzt.
Aminosäuren:
Aminosäuremoleküle weisen zwei charakteristische Gruppen auf.
Neben der Aminogruppe existiert noch
eine Carboxylgruppe. Bedingt durch
diese beiden Gruppen kann die Peptidbindung ausgebildet werden. Das ist
ebenfalls eine funktionelle Gruppe, die ein Stickstoffatom enthält.
Häufig werden bei Aminosäuren die Trivialnamen verwendet, wie
z.B. bei Glycin. Der fachsystematisch
korrekte Name lautet
2-Aminoethansäure.
Organische Verbindungen mit Halogenatomen im Molekül
Viele organische Verbindungen mit Chloratomen oder Fluoratomen im Molekül gehören zu den FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe). Sie treten nicht natürlich auf und wurden in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts das erste mal technisch hergestellt. Damals galten sie als Wundermittel der Technik, da ihr Einsatzgebiet die gesamte technische und synthetische Chemie umfaßte. So wurden viele als Kühlmittel in Kühlschränken, als Treibmittel in Spraydosen, aber auch als Plaste verwendet. Heute werden viele dieser Stoffe durch andere ersetzt, weil sie die Ozonschicht schädigen.
Die Benennung der Halogenderivate
der Kohlenwasserstoffe erfolgt analog zur Bezeichnung verzweigter Kohlenwasserstoffe.
Beispiel 1,2-Dichlorpropan: Es handelt sich um ein Derivat des Propans. Die Kohlenstoffkette besteht aus drei Kohlenstoffatomen, die durch Einfachbindungen miteinander verbunden sind. Am ersten und am zweiten Kohlenstoffatom wurde ein Wasserstoffatom jeweils durch ein Chloratom ersetzt.