Chemie
Iod-Tinktur
IodTinktur

Iod-Tinktur ist eine ethanolhaltige Iodlösung, die äußerlich zur Haut- und Wunddesinfektion, vor allem vor chirurgischen Eingriffen, eingesetzt wird. Es handelt sich um eine klare, braunrote Flüssigkeit, die nach Iod und Ethanol riecht. Sie besteht aus 2,5 Teilen Iod, 2,5 Teilen Kaliumiodid, 28,5 Teilen Wasser und 66,5 Teilen Ethanol (90%). Zur Herstellung werden Iod und Kaliumiodid in 5 Teilen Wasser gelöst und nach vollständiger Lösung mit dem restlichen Wasser und dem Ethanol gemischt. Die Lösung enthält dann bis zu 2,7% Iod, welches für die desinfizierende Wirkung verantwortlich ist. Iod ist noch immer eines der wichtigsten Desinfektionsmittel, da es schnell und zuverlässig wirkt und ein geringeres Allergisierungspotenzial im Vergleich zu den anderen Halogenen, z.B. Chlor, besitzt. Der Zusatz von Kaliumiodid erhöht die Löslichkeit des Iods in der alkoholischen Lösung, da aus Iod und Iodid ein komplexes Anion, das Triiodid , gebildet wird.

Dieses komplexe Anion ist wesentlich besser löslich als reines Iod. Damit kann mehr Iod in Lösung gebracht werden, allerdings ist die Konzentration an freiem Iod bedingt durch die Gleichgewichtsreaktion sehr viel niedriger. Bei Herstellung der oben beschriebenen Lösung reicht die Konzentration an freiem Iod jedoch aus, um die gewünschte desinfizierende Wirkung zu erzielen. Bei Verbrauch von freiem Iod kann dieses dann aus dem Triiodid nachgebildet werden. Iod-Tinktur besitzt deshalb eine Sofort- und eine Remanenzwirkung (Wirkung über den Zeitpunkt der Anwendung hinaus).

Die Iod-Tinktur gerät heute zunehmend außer Gebrauch und wird häufig durch sogenannte Iodophore ersetzt. Bei den Iodophoren wird die Komplexbildung nicht mit Iodid, sondern mit amphiphilen Polymeren, z.B. Polycarbonsäuren und Polyvinylpyrrolidon (PVP) erzeugt. Iodophore enthalten 0,5 - 10% Iod als sogenannten Aktiviodkomplex gebunden. In einer 10%igen PVP-Iod Zubereitung beträgt die Iodkonzentration 1%, wobei die Konzentration an freiem Iod unter 1 ppm liegt. Infolge der festeren Iod-Bindung als bei der herkömmlichen Iod-Tinktur färben Iodophore die Haut nicht, besitzen einen schwächeren Iod-Geruch sowie ein geringeres allergisches Potenzial.

Verwandte Themen
© Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim und DUDEN PAETEC GmbH, Berlin. Alle Rechte vorbehalten. www.schuelerlexikon.de