1.
Die Zeit, in der er lebte
Das 19. Jahrhundert war ein Jahrhundert großer Veränderungen.
Das betraf nicht nur die politischen, sondern auch die wirtschaftlichen Verhältnisse
in Europa.
Die französische Revolution vom Juli 1830 hatte die Bourbonen endgültig
vom Thron vertrieben.
1847 kam es zu einer Wirtschaftskrise, die auch eine Verschlechterung der
Lage der Bevölkerung zur Folge hatte. Revolutionäre Kräfte
organisierten Widerstand.
Im März 1848 hatte die Revolution alle deutschen Staaten ergriffen.
Der folgende bewaffnete Aufstand wurde durch das preußische Militär
niedergeschlagen.
In den Folgejahren fand die industrielle Revolution ihren Abschluss.
GAUß, WEBER und MORSE (Morsealphabet) legten mit ihren Erfindungen
den Grundstein für die elektrische Telegrafie. WERNER VON SIEMENS,
der Bruder von AUGUST FRIEDRICH VON SIEMENS, entwickelte die Kabelisolation
sowie die industrielle Fertigung derselben, durch welche die elektrische
Übermittlung von Nachrichten erst möglich wurde. 1851 wurden
das erste Seekabel zwischen England und Frankreich und 1866 das erste
Tiefseekabel verlegt. 1866 folgte die Entwicklung des elektrodynamischen
Prinzips durch WERNER VON SIEMENS. Damit ermöglichte er, dass ab
1882 elektrischer Strom durch Hochspannungsleitungen geführt werden
konnte.
THOMAS EDINSON erfand die Glühbirne. Mit diesen wichtigen Erfindungen
und Entwicklungen entstand auch ein neuer Industriezweig, die Elektroindustrie,
welche Elektromotoren, Dynamomaschinen, Kabel, Schaltanlagen, Glühlampen
usw. herstellte. Höhepunkt dieses Siegeszuges der Elektrotechnik war
damals wohl die Entwicklung der 1. Elektrischen Lokomotive.
Die Eisenindustrie entwickelte sich im Zuge der Einführung neuer
Verfahren und ermöglichte so die Herstellung neuer und besserer Maschinen.
In Jena entstand durch CARL ZEISS das Zentrum der optischen Industrie,
dass nicht nur in Deutschland, sondern lange Zeit auch weltweit seines
gleichen suchte.
Ab 1885 entwickelte sich die Automobilindustrie, wobei CARL BENZ das
erste Automobil mit einem Gasmotor betrieb. Der erste Dieselmotor war
1897 serienreif.
1903 gingen das erste Motorflugzeug und 1910 das erste Fluggastluftschiff
in die Luft.
BAEYER erlebte das Ende des ersten Weltkrieges nicht mehr, er starb ein Jahr zuvor 1917.
2. Lebenslauf
ADOLF VON BAEYER wurde
am 31.10.1835 in Berlin geboren.
Sein Vater war Geodät (Fachmann für Vermessungskunde) mit Hauptmannsrang
im preußischen Generalsstab.
Zunächst absolvierte er in Berlin ein Mathematik- und Physikstudium,
ehe er sich in den Militärdienst begab. Nachdem er diesen abgeleistet
hatte, begab er sich nach Heidelberg, wo er bei A. KEKULE VON STRADONITZ
und R. W. BUNSEN Chemie studierte.
1858 promovierte er in Berlin und begab sich danach nach an die Universität
Gent, wo bereits A. KEKULE VON STRADONITZ lehrte. Zwei Jahre später
wurde BAEYER in Berlin zum Professor ernannt und bekam am Berliner Gewerbeinstitut,
dem Vorläufer der heutigen Technischen Universität, eine Lehrstelle
für organische Chemie.
Er unterrichtete u. a. die später bekannt gewordenen Chemiker CARL
GRAEBE und CARL THEODOR LIEBERMANN.
Berühmt wurde BAEYER durch die Aufklärung des chemischen Aufbaus
und der Synthese von Indigo, einem
blauen Farbstoff, der bis dahin nur aus Pflanzen gewonnen werden konnte
und deshalb sehr teuer war.
Bereits 1860 hatte er damit begonnen und setzte seine Forschungen über
die Jahre hinweg kontinuierlich fort.
1866 gelang ihm die oxidative Spaltung des Indigos zu Isatin sowie die
Reduktion zu Oxinol.
Daneben führte er die Reduktion mit Zinkstaub zu Indol durch. 1870
reduzierte er Isatin über Isatinchlorid zu Indigo und 1878 schließlich
synthetisierte er das Isatin aus Phenylessigsäure.
Erst 1878 konnte die erste Vollsynthese
von Indigo durchgeführt werden. 1880 erwarb BAEYER das erste
Indigopatent.
Erst 1898 jedoch kam der erste, in den BASF und HOECHST- Farbwerken synthetisch
hergestellte Indigo nach einem von K. HEUMANN weiterentwickelten Verfahren
auf den Markt.
1872 wurde BAEYER als Professor der Chemie an die Universität Straßburg
berufen. Er unterrichtete dort auch EMIL FISCHER und OTTO FISCHER.
Ein Jahr später trat er die Nachfolge JUSTUS VON LIEBIGs an der Universität
München an.
1885 hielt er hier seine Antrittsvorlesung. Als Bedingung für die
Annahme seiner Berufung an die Universität in München hatte
er den Bau eines neuen Labors gefordert, welches er 1887 einweihte.
BAEYER gilt als bedeutender Hochschullehrer, der u. a. das Verbandsexamen
für Chemiker einführte.
BAEYER erforschte auch die Struktur und die Eigenschaften der Phthaleine, wobei er 1871 das Fluorescein (Fluoreszin) entdeckte, widmete sich dem Hydrobenzen, Terpenen, dem Acetylen (Ethin), Carboniumverbindungen und Oxoniumsalzen.
Bekannt ist der Name BAEYER auch heute noch durch:
ADOLF VON BAEYER erhielt 1905 den Nobelpreis für seine Arbeiten über Farbstoffe und hydroaromatische Verbindungen und starb am 20.08.1917 im bayerischen Starnberg.
3. Bedeutende Leistungen