1.
Die Zeit in der er lebte
Priestley lebte im 18. Jahrhundert in Großbritannien, später
dann in den gerade erst entstehenden USA.
Seit der bürgerlichen Revolution 1640 bis 1688 besaß das englische
Bürgertum die politische Macht.
Mit dem Sieg der bürgerlichen Revolution waren die Weichen für
die industrielle Entwicklung Englands gestellt.
Es entstanden Manufakturen und ab Mitte des 18. Jahrhunderts begann die
industrielle Revolution in England. Neue Entdeckungen und Verfahren trieben
die Industrialisierung voran. Erfindungen und neue Maschinen forcierten
die Entwicklung.
1784 erfand James Watt die Dampfmaschine.
Eisen- und Stahlindustrie entwickelte sich rasant. So gab es zur Jahrhundertwende
die erste Eisendrehbank von HENRY MANDSLAY sowie die Eisenhobelmaschine.
Wegen seiner Sympathien für die Französische Revolution musste
PRIESTLEY 1794 in die USA auswandern,
Als er sich in Northumberland (Pennsylvania) ansiedelte, waren die Strukturen
der inzwischen 18 Jahren alten Republik gefestigt. Die Bürgerkriegsunruhen
waren überstanden und PRIESTLEY fand in der jungen Republik gute
Bedingungen für seine Existenz und seine Forschungen.
2. Lebenslauf
JOSEPH PRIESTLEY wurde
am 17. März 1733 in im englischen Fieldhead bei Leeds geboren. Sein
Vater war Tuchmacher.
Im Anschluss an seine kaufmännische Ausbildung ging er an die Akademie in Daventry, wo er in den Jahren 1752 bis 1755 Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften studierte. Danach war er bis 1758 zunächst als anglikanischer Hilfsprediger in Needham Market und später in Nantwich (Grafschaft Chester) tätig; ab 1761 als Sprachlehrer an der Warrington-Akademie.
Daneben galt sein Interesse verschiedenen physikalischen und chemischen
Vorgängen.
Schon im Jahre 1767 erschien sein erstes Buch "Geschichte der Elektrizitätslehre".
Neben der Anerkennung durch zahlreiche Wissenschaftler erhielt PRIESTLEY
im gleichen Jahr den Doktorgrad der Universität Edinburgh.
1767 ging JOSEPH PRIESTLEY als kongregationalistischer Pfarrer nach Leeds. Neben seiner Tätigkeit als Prediger widmete er einen Großteil seiner Zeit der Erforschung und Untersuchung verschiedener Gase.
1773 untersuchte PRIESTLEY die Wirkung feuchter Eisenspäne auf Stickstoffmonoxid, welches er als Absorptionsmittel bei der Untersuchung der Luft nutzte. Dabei entdeckte er das Distickstoffmonooxid, auch als Lachgas bekannt.
PRIESTLEY war ein Anhänger der "Phlogistontheorie".
Der Begriff leitet sich vom griechischen "phlogistos" für
"verbrannt" ab.
Die Vertreter der Phlogistontheorie glaubten, dass alle brennbaren Körper
ein inneres Prinzip, das "phlogiston" besitzen, welches ihnen
die Eigenschaft der Brennbarkeit verleiht. Dieses "phlogiston"
entweiche beim Verbrennen und es entstehe "phlogistierte Luft".
Dass brennbare Metalle beim Verbrennen allerdings an Masse zunehmen (was
der Theorie widerspricht), wussten die Vertreter der Theorie zwar, betrachteten
dies aber als unwesentlich.
Am 1. August 1774 führte er ein bedeutsames Experiment durch.
PRIESTLEY erhitzte mit einem Brennspiegel rotes Quecksilberoxid.
Dabei wurde er auf ein Gas aufmerksam, welches den Verbrennungsprozess
weitaus stärker förderte als dies die normale Luft konnte. Er
bezeichnete es als "dephlogistierte Luft".
Damit hatte er, unabhängig von SCHEELE den Sauerstoff
entdeckt.
LAVOISIER beendete die Spekulationen über "phlogiston"
1774 mit der Entdeckung, dass bei der Verbrennung eine Reaktion mit Sauerstoff
stattfindet.
1774 stellte PRIESTLEY erstmals Ammoniak
aus Salmiak (Ammoniumchlorid) und Kalk her.
Im gleichen Jahr fand er das pneumatische Prinzip zum Auffangen von Gasen,
welches auch heute noch verwendet wird. PRIESTLEY setzte dabei vor allem
Quecksilber als Sperrflüssigkeit ein, nichts von der Giftigkeit der
Dämpfe dieses flüssigen Metalls ahnend.
Im Jahre 1775 entdeckte PRIESTLEY zwei weitere Verbindungen; zum einen die schweflige Säure und aus Kochsalz und Schwefelsäure erhielt er Chlorwasserstoff.
Auch das Gas Kohlenstoffmonooxid fand er bei seinen Forschungen im Jahre 1779.
PRIESTLEYs Interessen waren stets vielfältig und weit gestreut. Neben seinen chemischen Untersuchungen befasste er sich ebenso mit biologischen Vorgängen.
Besonders bekannt sind auch heute noch seine Versuche mit Pflanzen zur Reinigung "verdorbener" Luft:
Er erforschte außerdem das Gas Methan, welches bei Fäulnisvorgängen
entsteht, untersuchte die Abspaltung von Wasserstoff aus Alkohol unter
der Einwirkung von elektrischen Strom, die Herstellung von Mineralwasser
oder die Intensität von Tönen in den verschiedenen Gasen. Und
er beschäftigte sich mit der Frage, welche Wirkung elektrisch erzeugte
Funken auf Metalle haben.
Daneben entdeckte er 1770 den Radiergummi,
einen Gebrauchsgegenstand, der auch heute noch vielfältig eingesetzt
wird.
Ab 1780 arbeitete PRIESTLEY erneut als Pfarrer, nun in Birmingham. Hier
traf er mit WATT, dem Erfinder der Dampfmaschine zusammen.
Zur gleichen Zeit tobte in Frankreich die Bürgerliche Revolution
(1779-1785), die die Menschen in ganz Europa stark beeinflusste. Auch
PRIESTLEY konnte sich diesem Einfluss nicht entziehen und wurde zu einem
ihrer Verfechter.
Dadurch zog er sich den Zorn einiger anti-revolutionärer Gruppen
zu, die daraufhin sein Haus zerstörten.
PRIESTLEY flüchtete deswegen nach London und emigrierte schließlich
1794 in die USA. Hier lebte er als Farmer in Northumberland, Pennsylvania.
JOSEPH PRIESTLEY starb am 6. Februar 1804 in Northumberland, Pennsylvania.
3. Bedeutende Leistungen
Versuche mit Pflanzen zur "Reinigung verdorbener Luft"