Chemie
Komplexverbindungen
Aufbau einer KomplexverbindungRäumliche Struktur

Der Begriff Komplexverbindung stammt vom lateinischen "complexus" für Umarmung und beschreibt die charakteristische Anordnung der Teilchen.

Aufbau von Komplexverbindungen
Eine Komplexverbindung besitzt zwei Bereiche (Sphären).
Im inneren Bereich (innere Sphäre) befindet sich eine bestimmte Anzahl von Teilchen (Moleküle oder Ionen), die symmetrisch um ein Zentralteilchen (Ion oder Atom) herum angeordnet sind. Das Teilchen in der Mitte der inneren Sphäre wird als Zentralatom oder Zentral-Ion bezeichnet. Die an ihm angelagerten Moleküle oder Ionen heißen Liganden. Die Anzahl der Liganden wird als Koordinationszahl bezeichnet.

Gemeinsam bilden sie die Koordinationseinheit. Es existieren komplexe Kationen und komplexe Anionen, aber auch elektrisch neutrale Komplexe.

Handelt es sich um Komplex-Ionen, wird die äußere Sphäre von Ionen gebildet, welche die Ladung des Komplex-Ions ausgleichen. Man bezeichnet sie als Gegen-Ion. Komplex-Ion und Gegen-Ionen bilden eine Einheit, die Komplexverbindung.

Komplexverbindungen bestehen meist aus Komplex-Ionen und Gegen-Ionen.

Sind das Zentralteilchen und die Liganden neutral, so besitzt die gesamte innere Späre keine Ladung. Es handelt sich dann nicht um ein Komplex-Ion, sondern um ein Komplexteilchen.

Aufgrund dieses Aufbaus herrschen in den Komplexen ganz besondere Bindungsverhältnisse.

Räumliche Anordnung der Teilchen
Die räumliche Anordnung der einzelnen Bestandteile einer Komplexverbindung folgt geometrischen Strukturen. Sie sind von der Größe und der Ladung des Zentralteilchens und der Anzahl und dem Raumbedarf der Liganden abhängig. Es können lineare, tetraedrische, quadratisch-planare, quadratisch-pyramidale oder oktaedrische Strukturen auftreten (Bild 2).

Benennung von Komplexverbindungen
Die Benennung der Komplexverbindungen erfolgt ähnlich wie bei Ionensubstanzen. Zuerst gibt man den Namen des Kations an, dann den des Anions.
Die Koordinationseinheit wird folgendermaßen bezeichnet:
1. Anzahl der Liganden (griechische Zahlwörter)
2. Art der Liganden (in alphabetischer Reihenfolge)
3. Bezeichnung des Zentralteilchens
4. Ladung des Zentral-Ions
Den vollständigen Namen gibt man in einem Wort an.

Formel
Bezeichnung
Natriumtetrahydroxoaluminat(III)
Hexaaquachrom(III)-chlorid
Ammoniumhexachloroplumbat(IV)

Eigenschaften von Komplexverbindungen
Der besondere Aufbau bedingt spezielle Eigenschaften der Komplexe. Diese sind erstaunlich stabil, sodass sie andere chemische Reaktionen eingehen als die freien Liganden oder Zentralteilchen.

Bedeutung von Komplexverbindungen
In der Natur sind die Komplexverbindungen von großer Bedeutung. Hämoglobin, der rote Farbstoff im Blut, besteht aus vier gefalteten Polypeptidketten, von denen jede im Innern einen Häm-Komplex gebunden hat. Im Häm-Komplex ist ein Eisen(II)-Ion als Zentral-Ion zu finden. Dieses ist oktaedrisch von sechs Liganden umgeben. Auch Myoglobin, Vitamin und Chlorophyll sind Komplexverbindungen.

In der Waschmittelindustrie wurden bis in die 90er Jahre Phosphatkomplexe zur Wasserenthärtung eingesetzt. Ihr Nachteil besteht darin, dass sie über das Abwasser in die Gewässer gelangen. Dort dienen die Phosphate als Pflanzennährstoffe und tragen zu einer Eutrophierung der Gewässer bei. Daher werden sie heute durch andere Substanzen ersetzt.

In der Technik werden schwer lösliche Verbindungen mittels Komplexen aufgelöst, z.B. wird Aluminiumoxid aus Bauxit mittels konzentrierter Natronlauge als Hydroxokomplex herausgelöst.
Nicht zuletzt werden Komplexverbindungen für Nachweisreaktionen verwendet. Bilden sich beim Nachweis schwer lösliche Niederschläge, können diese auch für eine quantitative Analyse herangezogen werden.

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