


Als Korrosion bezeichnet man
die von der Umgebung ausgehende Zerstörung der Oberfläche des
Metalls durch elektrochemische Reaktionen. Auch andere Materialien wie
Beton oder Kalk können korrodieren, wobei jedoch keine elektrochemischen
Reaktionen ablaufen.
Metalle verlieren durch elektrochemische Korrosion häufig ihre positiven
Eigenschaften, z. B. ihre Festigkeit und ihren metallischen Glanz. Besonders
durch Korrosion von Eisen, die jeder unter der Bezeichnung Rosten kennt,
entstehen jährlich immense volkswirtschaftliche Schäden.
Korrosionserscheinungen sind vielfältig. Während die Flächenkorrosion
nahezu eine gleichmäßige Zerstörung der gesamten Oberfläche
aufweist, zeigt sich bei der Lochkorrosion
(auch Lochfraß genannt) eine Zerstörung der Oberfläche
nur an kleinen Bereichen, sodass Risse und Löcher im Metall entstehen.
Die chemischen Vorgänge, die dabei ablaufen, sind Redoxreaktionen.
Mithilfe von Kenntnissen über elektrochemische Prozesse kann man
sie verstehen.
Korrosion an feuchter Luft
Jeder weiß, dass unedle Metalle unter dem Einfluss von Wasser
und Sauerstoff korrodieren. Die Metallatome reagieren durch Elektronenabgabe
zu Metall-Ionen, die in die wässrige Lösung übergehen,
sodass sich das Metall langsam auflöst.
Oxidation:

In feuchter Luft werden die abgegebenen Elektronen von
im Wasser gelösten Sauerstoffmolekülen aufgenommen. Es entstehen
Sauerstoff-Ionen
,
die sofort mit Wassermolekülen zu Hydroxid-Ionen (
)
reagieren. Diesen Vorgang bezeichnet man als Sauerstoffkorrosion.
Reduktion bei der Sauerstoffkorrosion:
In einigen Gebieten der Erde wird die Korrosion durch sauren Regen verstärkt.
Kennt man die elektrochemischen Prozesse, wird dies verständlich.
Es reagieren nämlich zusätzlich die im Wasser enthaltenen Wasserstoff-Ionen
(
). Bei der
Säurekorrosion
nehmen sie die abgegebenen Elektronen auf und wandeln sich zu Wasserstoffatomen
und dann zu Wasserstoffmolekülen (
)
um.
Reduktion bei der Säurekorrosion:
Säurekorrosion findet vor allem bei niedrigen pH-Werten und auch in Abwesenheit von Sauerstoff statt, also in sauren Lösungen. Dagegen überwiegt die Sauerstoffkorrosion, wenn der Luftsauerstoff ungehindert an die Metalloberfläche gelangt und dort ein fast neutraler pH-Wert vorliegt.
Im Wasser vorhandene Salze (z. B. Meerwasser oder Streusalz) fördern
die Korrosion in erheblichem Maße, da sich die Leitfähigkeit
des Elektrolyten erhöht. Der Ladungstransport innerhalb der Lösung
wird dadurch erleichtert.
Korrosion durch Ausbildung von Lokalelementen
Manchmal sieht man, dass Dachrinnen aus Kupfer mit anderen Metallen
verbunden sind oder Zinkrohre mit Kupferrohren verlötet werden. Diese
Verbindungen werden recht schnell zerstört sein, denn Korrosionserscheinungen
treten vor allem an Stellen auf, an denen ein unedles Metall mit einem
edleren Metall in Berührung kommt.
Dieses Phänomen bezeichnet man allgemein als Kontaktkorrosion.
Sie basiert auf der Bildung kleiner galvanischer
Elemente. Durch die Luftfeuchtigkeit und durch Regen sind die Metalle
von Elektrolyten umgeben. Der Ort der Oxidation und der Ort der Reduktion
liegen in diesem Spezialfall in direkter Nachbarschaft zueinander, sodass
man von einem Lokalelement
spricht.
Das unedlere Zink, die sogenannte Lokal-Anode, wird zerstört, da
an der Oberfläche eine Oxidation stattfindet.

Die Elektronen können durch das Zink zur Oberfläche des Kupfers
fließen, wo die Reduktion ungehindert ablaufen kann. Kupfer wird
dadurch zur Lokal-Katode. An der Kupferoberfläche erfolgt die Reduktion
der Wasserstoff-Ionen. Die Atome lagern sich sofort zu Molekülen
zusammen.

Lokalelemente können sich auch ausbilden, wenn Metalle durch edlere
Metalle oder Kohlenstoff verunreinigt sind. Dies trifft auf die meisten
in der Technik verwendeten Metalle zu. Beispielsweise enthält Roheisen
im Verhältnis zu Stahl zahlreiche Verunreinigungen. Roheisen rostet
daher wesentlich schneller als Stahl.
Das Rosten von Eisen geschieht
auf ähnliche Weise wie die Korrosion von anderen Metallen, z. B.
Zink. Doch der gebildete Rost (rötliche Farbe) weist andere Eigenschaften
auf als andere Metalloxide.
Unter Abgabe von Elektronen oxidiert das Eisen zu zweifach positiv geladenen
Eisen(II)-Ionen. An der Lokalkatode reduzieren die Elektronen den Sauerstoff
und das Wasser (Elektrolytlösung) zu Hydroxid-Ionen.


Die positiv geladenen Eisen(II)-Ionen reagieren weiter mit den negativ geladenen Hydroxid-Ionen zu Eisen(II)-hydroxid. Das Eisen(II)-hydroxid wird wiederum mithilfe des Luftsauerstoffs zu Eisen(III)-oxid-hydroxid oxidiert, welches die rostrote Färbung bewirkt.
Das besondere Problem beim Rosten von Eisen besteht darin, dass Eisen(III)-oxid-hydroxid im Gegensatz zu anderen Oxiden nicht auf der Metalloberfläche haftet. Stattdessen bilden sich kleine Rostplättchen, die immer wieder abplatzen, so dass ständig Luftsauerstoff und Wasser an die Metalloberfläche gelangen, bis das Eisenteil "durchgerostet" ist.
Korrosionsschutz
Wasser spielt bei allen Korrosionsvorgängen eine wichtige Rolle.
Den sichersten Korrosionsschutz
bietet daher Trockenheit. Der Kontakt mit Wasser kann aber auch durch
geeignete dünne Überzüge verhindert werden. Schon die alten
Römer benutzten Wasser abweisende Pflanzenöle, um Eisenteile
zu pflegen. Fette und Öle bieten jedoch nur einen kurzzeitigen Korrosionsschutz.
Stabiler sind fest haftende Überzüge aus Kunststoff oder Lack.
Besonders unedle Metalle, wie Aluminium oder Zink, verfügen zu einem
gewissen Grad über einen natürlichen Korrosionsschutz, da sie
an ihrer Oberfläche mit Luftsauerstoff reagieren. Durch die Oxidation
entsteht eine dünne luft- und wasserundurchlässige Metalloxidschicht,
die weitere Oxidationen verhindert. Diesen Vorgang bezeichnet man als
Passivierung. Beim Eloxieren von Aluminium wird die Oxidschicht künstlich
verstärkt.
Eine natürliche Passivierung tritt beim Eisen nicht auf. Eisenwerkstoffe
werden daher häufig mit Metallüberzügen versehen. Edlere
Metalle wie Zinn, Kupfer, Silber oder Gold bieten sich an, da sie nur
ein geringes Bestreben zur Elektronenabgabe aufweisen und dadurch korrosionsbeständig
sind. Bei Beschädigung der Schutzschicht bilden sich jedoch Lokalelemente,
die die Korrosion des Eisens noch verstärken. Deutlich in Erscheinung
tritt die korrosionsverstärkende Wirkung bei verzinntem Eisen, dem
sogenannten Weißblech, wenn die Zinnoberfläche verletzt wurde.
Eine besondere Form des Korrosionsschutzes wird angewendet, um Schiffswände, unterirdische Rohrleitungen oder Tanks zu schützen. Man verbindet die Eisenteile leitend mit Blöcken aus Magnesium. Magnesium ist unedler als Eisen. Die Blöcke lösen sich langsam auf und übertragen ihre Elektronen an die Eisenteile, die dadurch vor Oxidationen geschützt werden ("Opferanode").
Darüber hinaus gibt es noch viele Varianten des aktiven und passiven
Korrosionsschutzes (Bild 4), wie das Galvanisieren, die Elektrotauchlackierung
oder das Feuerverzinken, die in anderen Beiträgen auf dieser CD beschrieben
sind.