Ein Modell in der
Chemie ist ein
ideelles (gedankliches)
oder
materielles (gegenständliches)
Objekt, das als
Ersatzobjekt
für ein
Original genutzt wird.
Es ist eine Vereinfachung des Originals und damit der Wirklichkeit. In einigen
Eigenschaften stimmt das Modell mit dem Original überein, in anderen
nicht. Ein Modell ist weder richtig noch falsch, sondern nur für einen
bestimmten Zweck geeignet oder nicht geeignet.
Beispiele für Modelle sind Atommodelle, das Teilchenmodell, Kalottenmodelle
von der Struktur von Stoffen oder Modelle von technischen Geräten und
Anlagen.
Funktionen von Modellen
Modelle können unterschiedliche Funktionen erfüllen.
- Modelle sind ein Mittel zur Gewinnung neuer Erkenntnisse. Man kann
mithilfe eines Modells Erscheinungen erklären und voraussagen. So
kann man z. B. mit dem Teilchenmodell erklären, wie es zur Durchmischung
zweier Flüssigkeiten kommt.
- Modelle sind ein wichtiges Mittel zur Veranschaulichung von Sachverhalten.
So kann man sich z. B. mithilfe eines Kalottenmodells die Struktur der
Teilchen eines Stoffs veranschaulichen und besser vorstellen.
- Modelle technischer Geräte und Anlagen ermöglichen es, den
grundsätzlichen Aufbau und die Wirkungsweise eines Gerätes
vereinfacht und überschaubar darzustellen (siehe Bild 4).
- Modelle sind ein Mittel zur Überprüfung der Funktion einer
technischen Konstruktion. So kann man z. B. chemisch-technische Anlagen
zur industriellen Gewinnung von Stoffen zunächst mit Laboraufbauten
in ihrer Funktion überprüfen.
Arten von Modellen
Modelle können sowohl materiell (gegenständlich) als auch ideell
(gedanklich) sein. Beispiele für
materielle
Modelle sind das Modell eines Verbrennungsmotors oder ein aus Kugeln
aufgebautes Teilchenmodell (
Kalottenmodell,
siehe Bild 3).
Beispiele für
ideelle Modelle
sind das Teilchenmodell als System von Aussagen und Atommodelle.
Es ist auch möglich, für ein bestimmtes
Original verschiedene Modelle zu schaffen, die das Original mehr oder weniger
gut widerspiegeln. Ein Beispiel dafür sind verschiedene Atommodelle.
Bei technischen Modellen wird man das Modell weitgehend in Abhängigkeit
vom jeweiligen Verwendungszweck gestalten.
Modellexperimente
Mit materiellen Modellen kann man auch experimentieren. Man bezeichnet
solche Experimente als Modellexperimente.
Darüber hinaus kann man mit ihnen Erscheinungen erklären und
voraussagen.
Beispiel: Mischt man 50 ml Alkohol
(Ethanol) und 50 ml Wasser, so hat das Gemisch aus beiden nicht ein Volumen
von 100 ml, sondern nur von 96 ml (Bild 6). Das kann man in einem Modellexperiment
bestätigen und damit zugleich eine anschauliche Erklärung für
diese Erscheinung finden.
Bei einem Modellexperiment nimmt man als Ethanolmoleküle Erbsen (größere
Teilchen, also größere Kugeln) und anstelle der Wassermoleküle
Reiskörner (kleinere Teilchen, also kleinere Kugeln), dann kann man
ein bestimmtes Volumen Erbsen und ein bestimmtes Volumen Reis mischen.
Das Volumen des Gemischs ist deutlich kleiner als die Summe der beiden
Einzelvolumina. Die Ursache dafür liegt darin, dass die
Reiskörner die Lücken zwischen den Erbsen ausfüllen und
damit die Teilchen insgesamt einen kleineren Raum einnehmen.
Dieser Vorgang vollzieht sich auch bei der Mischung von Ethanol und Wasser.
Er geht dort aber mit den nicht sichtbaren Molekülen vonstatten.
Das Mischungsvolumen hängt nicht allein von der unterschiedlichen Größe der Teilchen, sondern auch von der Stärke der Wechselwirkungen verschiedener Teilchen ab. Es gibt auch Gemische, bei denen das Mischungsvolumen größer ist.