




Synthesen
Ein wesentlicher Vorteil von Polyethylen ist die preiswerte Verfügbarkeit des Monomeren Ethen, das durch thermische Zersetzung (Pyrolyse) bestimmter Erdölfraktionen leicht gewonnen werden kann.
(I) Hochdruckverfahren
Beim Hochdruckverfahren handelt es sich um eine radikalische Polymerisation,
die mit geringen Mengen Sauerstoff oder einem Peroxid als Katalysator
durchgeführt wird. Da es sich beim Ethen um ein gasförmiges
Monomer handelt, ist der hohe Druck erforderlich, damit die Konzentration
an Ethen hoch genug ist und damit es nicht zu einem vorzeitigen Kettenabbruch
kommt. Die Umsetzung des gasförmigen Ethens zum Polyethylen wird
gemäß dem Prinzip von Le CHATELIER durch hohen Druck begünstigt.

Es bilden sich lange fadenförmige Moleküle mit seitlichen Verzweigungen.
Diese entstehen durch Abspaltung eines H-Atoms in der Mitte einer wachsenden
Kette durch ein Radikal, von denen unter den gegebenen Bedingungen ausreichend
viele vorliegen (Bild 2).
An der Stelle der Kette, wo das H-Atom abgespalten wurde, kann ein Ethenmolekül
addiert werden und eine Verzweigungskette starten.
Der Abstand zwischen den Polymerketten wird durch die Verzweigungen
größer, weshalb das Produkt weicher und seine Dichte geringer
wird. Es wird daher auch als LDPE (Low-Density-Polyethylen)
bezeichnet.
(II) Niederdruckverfahren
Beim Niederdruckverfahren, das von W. ZIEGLER
und G. NATTA entwickelt wurde, wird
ein lineares Polymer erzeugt, das fast keinerlei Verzweigungen aufweist. Bei
diesem Verfahren wird Ethen ohne erhöhten Druck in Gegenwart von
sogenannten Koordinationskatalysatoren
polymerisiert. Ein typischer Ziegler-Natta-Katalysator besteht aus Titantetrachlorid
und Triethylaluminium als Cokatalysator (Bild 3). Diese beiden Komponenten
bilden zusammen einen Komplex, der eine freie Bindungsstelle besitzt,
an der sich ein Ethenmolekül anlagern kann:
Nun findet innerhalb des Komplexes eine Umlagerung statt, bei der das Ethenmolekül zwischen die C-Ti-Bindung eingeschoben wird. Die ursprünglich freie Bindungsstelle ist nun wieder frei für eine erneute koordinative Bindung zu einem Ethenmolekül, sodass die Kette weiter wachsen kann.
Das erhaltene Niederdruckpolyethylen hat aufgrund der fehlenden Verzweigungen im Molekül eine höhere Dichte als das nach dem Hochdruckverfahren produzierte. Es wird daher auch HDPE (High-Density-PE) genannt.
Mit dem Niederdruck-Verfahren lassen ich aber auch verzweigte Produkte herstellen. Die Seitenketten werden hierbei jedoch gezielt erzeugt, wobei dem Ethen beispielsweise eine ganz geringe Menge Buten zugemischt wird. Das dabei erhaltene Produkt wird als LLD-PE bezeichnet (Linear Low Density-PE).
Eigenschaften
Polyethylen ist ein Thermoplast
und leicht zu verarbeiten. Es lässt sich durch Spritzgießen
in jede beliebige Form bringen und dient außerdem zur Herstellung
von Folien mit hoher Reißfestigkeit. Weil es als reiner Kohlenwasserstoff
unpolar ist, ist es Wasser abweisend (hydrophob) und besitzt eine hohe
Chemikalienbeständigkeit; es wird von vielen Lösungsmitteln,
Laugen und Säuren bei Raumtemperatur nicht angegriffen. PE kann gut
verschweißt, jedoch nur bedingt verklebt werden.
Niederdruckpolyethylen (PE hart, HDPE) besitzt eine besonders dichte Makromolekülpackung. Es hat daher mit 0,96 g/cm³ eine höhere Dichte als Hochdruckpolyethylen und ist härter und wärmefester als dieses, so ist es z. B. noch bei ca. 100 °C kochfest.
Hochdruckpolyethylen (PE weich, LDPE) ist spezifisch leichter (Dichte 0,92 g/cm³), elastischer als HDPE und nur bis ca. 90 °C nutzbar. Das LLD-PE ist weich und elastisch wie LDPE, aber erweicht erst bei etwas höherer Temperatur.
Polyethylen brennt mit einer schwach bläulichen nicht rußenden Flamme.
Verwendung
Das steifere Niederdruckpolyethylen ist bestens geeignet zum Verpacken von Nahrungsmitteln, pharmazeutischen
Artikeln oder auch Chemikalien. Ebenso wird es zur Herstellung von
Haushaltsartikeln und Spielwaren verwendet. Daneben wird es als Rohstoff
für die Fertigung von Rohren u. a. zur Trinkwasserversorgung, für
Fußbodenheizungen und Rohrbeschichtungen
eingesetzt.
Sehr hochmolekulares Niederdruckpolyethylen besitzt eine außergewöhnlich hohe Schlagfestigkeit, weshalb es im Maschinen- und Apparatebau für die Fertigung von Schutzhelmen oder gar für die Konstruktion von Rennsportkanus für den Hochleistungssport eingesetzt wird. Viele Bestandteile von Rollerblades bestehen ebenfalls aus Polyethylen (Bild 6).
Wegen ihrer großen Flexibilität werden LDPE und LLDPE hauptsächlich als Folien für Verpackung (Bild 4), Gewächshäuser, den Gartenbereich und zum Beschichten von Kartonagen verwendet.
Wirtschaftliche Bedeutung
Polyethylen ist mit etwa einem Drittel Anteil an der Gesamt-Kunststofferzeugung der Massenkunststoff schlechthin. Im Jahr 2008 wurden weltweit etwa 260 Mio. Tonnen Kunststoffe hergestellt, der Polyethylenanteil lag bei 80 Mio. Tonnen (ca. 20 Mio. t LDPE, ca. 20 Mio. t LLDPE und ca. 40 Mio. t HDPE).
In Deutschland lag 2007 die Produktionsmenge an Kunststoffen bei etwa 20 Mio. t, davon etwa 2 Mio. t LDPE + LLDPE und 1,4 Mio. t HDPE.
Entsorgung
Artikel aus LDPE sind meist kurzlebig (< 1Jahr), während Gegenstände aus HDPE meist mehrere Jahre genutzt werden. Die Nutzung bzw. Entsorgung von Kunststoffabfällen ist ein generelles Problem.
Eine große Rolle bei der möglichen Wiederverwertung spielt dabei die Reinheit. Sortenreine PE-Abfälle aus Produktion und Produktfertigung, aber auch nach Sortierung von Sammelabfall (gelbe Tonne) anfallende sortenreine Fraktionen können wertstofflich genutzt werden. Aus ihnen kann man durch thermoplastische Verarbeitung wieder Artikel z. B. für den Gartenbereich (Bänke) oder das Baugewerbe (Platten, Rohre) von ähnlicher Qualität wie aus Neuware produzieren.
Verunreinigter PE-Abfall (Folien) oder Mischabfall kann in Müllverbrennungsanlagen unter Nutzung des Energieinhalts verbrannt werden.