


Entstehung und Emission saurer Gase
Die fossilen Brennstoffe
Erdöl und Kohle enthalten bis zu 2% organisch gebundenen Schwefel
und Stickstoff, einige Erdölsorten sogar bis zu 7 % Schwefel.
Bei der Verbrennung wird dieser Schwefel zu Schwefeldioxid (
)
oxidiert.
Bei hohen Temperaturen wird Stickstoff aus dem Brennstoff und aus der
Luft hauptsächlich zum Stickstoffmonooxid (NO), daneben auch etwas
zu Stickstoffdioxid (
)
oxidiert. Das Gemisch beider Stickstoffoxide bezeichnet man als Stickoxide
(
), deren
Bildung und Emission stark von der Verbrennungstemperatur abhängt.
Daneben entstehen bei der Verbrennung noch große Mengen an Kohlenstoffoxiden
.
Diese Gase bilden mit Wasser Säuren und werden deshalb als saure Gase bezeichnet.
Die größten Emissionen von
stammten aus den Kraftwerken. Durch den Einsatz von Rauchgasentschwefelungsanlagen
in den Kraftwerken konnten diese Emissionen seit den 70iger Jahren drastisch
verringert werden.
Bei den
-Emissionen
waren Kraftwerke und der Verkehr Hauptverursacher. Die Emissionen der
Kraftwerke wurden durch den Bau von sogenannten DENOX-Anlagen stark verringert.
In diesen Anlagen werden die Stickstoffoxide mit Ammoniak zu ökologisch
unbedenklichem Stickstoff reduziert. Die Freisetzung von Stickstoffoxiden
im Straßenverkehr vermindern sich trotz Abgaskatalysatoren in Pkws
nur wenig.
Emissionen saurer Gase in Gesamtdeutschland von 1970 bis 2007 in Mio. Tonnen
| Gas | 1970 | 1980 | 1990 | 2000 | 2005 | 2007 |
| CO2 | 1028 | 1127 | 1070 | 870 | 850 | 830 |
| SO2 | 7,7 | 7,5 | 5,3 | 0,63 | 0,51 | 0,49 |
| NOx als NO2 | 3,0 | 3,6 | 2,9 | 1,8 | 1,4 | 1,3 |
Wirkung saurer Gase in der Umwelt
Besonders gravierend sind die Auswirkungen des Schwefeldioxids und der Stickstoffoxide in der Atmosphäre.
Erhöhte
-Konzentrationen
in der Umwelt beeinträchtigen das Wachstum von Pflanzen und die
Gesundheit von Menschen. Besonders drastisch waren die Auswirkungen 1952
in London, wo infolge hoher
-
und Staubgehalte in der Luft (sogenannter Smog
) in wenigen Tagen rund 4 000 Menschen mehr als üblich starben.
Das Schwefeldioxid löst sich zudem im Wolkenwasser, es bildet sich
schweflige Säure, die dann durch Luftsauerstoff zu Schwefelsäure
oxidiert wird.


Auch das NO wird in der Luft zu
oxidiert, welches dann mit Luftfeuchtigkeit unter Bildung von Salpetersäure
regiert.

Die Säuren werden mit dem Regen ausgewaschen wodurch der pH-Wert
des Niederschlags sinkt und man vom sauren
Regen spricht.
"Sauberer" Regen weist pH-Werte um 5,6 auf, ist also schwach
sauer. Der natürliche Säuregehalt wird verursacht durch den
Kohlenstoffdioxidgehalt der Luft. Auch
löst sich in Wasser und reagiert teilweise zur schwachen Kohlensäure.
In Deutschland wurden in den 80er- und 90er-Jahren jedoch pH-Werte des Regens zwischen 4,0 und 4,5 gemessen, d. h. die 10- bis 40-fache Säurekonzentration im Vergleich zu "sauberen" Regen. In Schottland traten sogar Spitzenwerte von pH = 2,4 auf, das entspricht der 1 000-fachen natürlichen Säurekonzentration!
Durch die hohen Schornsteine der Kraftwerke
werden emittiertes
und
weiträumig
verteilt. Sie können über mehr als 1 000 km vom Emissionsort
entfernt dann als saurer Regen niedergehen. So versauerten in der Vergangenheit
in Skandinavien viele Seen aufgrund der
-Emissionen
aus Westeuropa bei bevorzugter Südwest-Windströmung. In Schweden
wurden so etwa 18 000 Seen, das sind ca. 20 % der Seen übersäuert,
weil der pH-Wert unter 5,8 sank. Viele Fische reagieren empfindlich auf
die Versauerung
der Gewässer. Bereits bei
pH-Werten unter 6 kommt es zu einem Rückgang der Fischpopulation
und bei pH-Werten unter 5 können keine Fische mehr in den Gewässern
leben.
In Deutschland führte der Rückgang der
- Emissionen nach der Einführung der Rauchgasentschwefelung in Kraftwerken
wieder zu einem Anstieg des pH-Wertes in den Niederschlägen. In den
80iger und zu Beginn der 90er-Jahre lagen die pH-Werte zwischen 4,0
und 4,5. In den letzten Jahren liegen sie aber wieder im Bereich von pH 4,8 bis 5,0
(Bild 2), sind jedoch immer noch etwas niedriger als der pH-Wert von "sauberem
Regen" mit ca. 5,6 .
Dabei hat sich aber der Anteil der verschiedenen Säuren verändert.
Früher betrug das Verhältnis
im Regen etwa 2,5 : 1, heute überwiegt
mit etwa 1 : 1,5. Ursache ist in erster Linie der Verkehr, da die Stickstoffoxide
aus Autoabgasen nicht vollständig durch Katalysatoren entfernt werden
können.
Auch die Vegetation wird durch die sauren Gase in der Luft und durch den sauren Regen langfristig geschädigt. Von besonderer Bedeutung sind die Schäden im Assimilationsgewebe, die die Fotosynthese beeinträchtigen (Bild 3). Es können aber auch Schäden an den Wurzeln auftreten, die dann zu Störungen in der Wasser- und Nährstoffaufnahme führen.
So führte der mehrere Jahrzehnte anhaltende Säureeintrag zu einer Versauerung des Bodens und damit zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen für die Baume. Durch die Säuren werden beispielsweise die kationischen Nährstoffe Calcium und Magnesium ausgewaschen.
Außerdem können giftige Stoffe freigesetzt, die wegen ihrer Unlöslichkeit für das Bodenleben normalerweise ohne Bedeutung sind. So wird Aluminium aus Tonmineralien durch die Säuren in wasserlösliche Salze überführt und von den Pflanzen aufgenommen. Dort stören die stören Aluminium-Ionen die Stoffwechselprozesse.
Erkennbar sind die Wirkungen des sauren Regens an Wuchsstörungen der Pflanzen, am Abwerfen von Nadeln bzw. Blättern, der Wipfeldürre und Kronenverlichtung und schließlich dem Tod der Pflanzen.
Neben dem sauren Regen wirken noch zahlreiche andere schädigende
Einflüsse auf das Ökosystem Wald, so dass die Waldschäden
eine sehr komplexes Ursachengeflecht haben und damit eine Therapie schwierig
ist.
Auch an Bauwerken verursachen saure Gase und saurer Regen immense volkswirtschaftliche Schäden durch chemische Reaktionen. Kalk und sogar Beton werden durch die Säuren in unterschiedlichem Maße in lösliche Verbindungen überführt und vom Regenwasser weggespült. Die Bauwerke bzw. Kunstwerke verlieren zunächst ihre Konturen und später ihre Stabilität (Bild 4).
Auch Metallkonstruktionen unterliegen verstärkter Korrosion. Zunächst wird die Metalloberfläche oxidiert, sodass später sogar die Stabilität und Festigkeit von Bauwerken beeinträchtigt werden kann. Maßnahmen zum Korrosionsschutz (Farbanstriche, Galvanisieren etc.) oder die Verwendung korrosionsbeständiger Baustoffe verschlingen jährlich viele Millionen Euro.
Durch die Maßnahmen zur Verringerung der Emission saurer Gase
sind die Umweltkonzentrationen von
in Deutschland auch in früher hoch belasteten Gebieten praktisch
auf das Niveau von Reinluftgebieten zurückgegangen. Bei
sieht die Situation dagegen noch nicht so günstig aus.
Insgesamt sind aber die Säureeinträge in Mitteleuropa noch sehr
hoch, und auch in den sich wirtschaftlich schnell entwickelnden Ländern
wie Russland, China und Indien werden riesige Mengen an sauren Gasen an
die Atmosphäre abgegeben.