






Modifikationen
Modifikationen sind verschiedene
Erscheinungsformen ein und desselben Stoffes. Modifikationen eines Elements
bestehen aus den gleichen Atomen, haben aber durch unterschiedliche Anordnung
der Atome (Struktur) unterschiedliche physikalische und z. T. auch chemische
Eigenschaften.
Elementarer Schwefel kommt in verschiedenen, temperaturabhängigen
Modifikationen vor, z. B. als rhombischer, monokliner oder plastischer
Schwefel. Einzig der rhombische Schwefel (
) ist bei Zimmertemperatur stabil.
Der rhombische Schwefel besteht aus
-Molekülen,
in denen jedes Schwefelatom mit zwei benachbarten Schwefelatomen verbunden
ist. Zwei der Außenelektronen gehen jeweils eine unpolare Atombindung
ein, sodass jedes Schwefelatom noch vier nicht bindende Elektronen (zwei
Paare) besitzt. Aufgrund seiner gewellten, zackenförmigen Struktur
bezeichnet man diese Modifikation auch als Kronenschwefel oder Cyclooctaschwefel.
Rhombischer Schwefel ist bei Zimmertemperatur beständig, fest und
bildet rhombische Kristalle. Er ist zitronengelb, nicht wasserlöslich,
kaum in organischen Lösungsmitteln, aber sehr gut in Schwefelkohlenstoff
löslich.
Reaktionen des
Schwefels
Cyclooctaschwefel ist bei Raumtemperatur wenig reaktionsfähig. Bei
höheren Temperaturen reagiert er jedoch direkt mit vielen Metallen
und Nichtmetallen. An der Luft verbrennt er nach Entzündung in einer
exothermen Reaktion mit blauer Flamme zu Schwefeldioxid.

Mit Wasserstoff oder Halogenen kann Schwefel ebenfalls direkt umgesetzt werden.

Mit vielen Metallen bildet Schwefel nach Erhitzen Metallsulfide (Bild 3). Auch für diese Reaktion z. B. von Schwefel mit Eisen muss Schwefel erst thermisch aktiviert werden.

Vorkommen und Bedeutung
Schwefel kommt sowohl elementar, als auch in vielen Mineralien vor, z.
B. in Sulfiden und Sulfaten. Sulfid-Minerale heißen Kiese (Schwefelkies,
), Glanze
(Bleiglanz, PbS) und Blenden (Zinkblende, ZnS). Sulfat-Minerale sind z.
B.
Gips (
),
Bittersalz
.
Ca. 20% der Weltproduktion des Schwefels werden nach dem FRASCH-Verfahren aus den elementaren Vorkommen gewonnen (Bild 4). Dabei wird mit überhitztem Wasserdampf (160 °C, 25 bar) der Schwefel unter Tage geschmolzen und mit Druckluft an die Erdoberfläche gepresst. Der dabei geförderte Schwefel ist bereits sehr rein (99,5 - 99,9%).
Die Hauptmenge des Schwefels wird heute nach dem CLAUS-Prozess
aus
-haltigen Gasen
(Erdgas, Raffineriegas) hergestellt. Dabei wird zuerst ein Teil des Schwefelwasserstoffs
zu Wasserdampf und Schwefeldioxid verbrannt (Bild 5):

Die Sauerstoffzufuhr muss so eingestellt werden, dass
nur ein Drittel des Schwefelwasserstoffs zu Schwefeldioxid umgesetzt wird,
sodass in der nachgeschalteten Reaktorzelle ein
-
Verhältnis von 2:1 vorliegt. Dabei entsteht dann elementarer Schwefel.

Schwefel ist ein wichtiger Ausgangsstoff für
die chemische Industrie.
Er wird zur Herstellung von Schwefelsäure, Sprengstoffen, Schwefelkohlenstoff,
Schwefelfarbstoffen und für die Vulkanisation von Kautschuk verwendet.
Schwefel-Sauerstoff-Verbindungen
Die Schwefel-Sauerstoff-Verbindungen sind die Oxide, Sauerstoffsäuren
und deren Salze, von denen eine große Vielfalt existiert. Die wichtigsten
Vertreter sind Schwefeldioxid, Schwefeltrioxid, Schwefelsäure und
die Salze der Schwefelsäure, die Sulfate, die alle wichtige Zwischen-
oder Endprodukte der chemischen Industrie sind.
Schwefeldioxid,
, ist farblos,
stechend riechend, gasförmig, giftig und wasserlöslich. Bei
der Reaktion mit Wasser entsteht eine Lösung, die gelöstes Schwefeldioxid,
Oxonium-Ionen und Hydrogensulfit-Ionen enthält und als schweflige
Säure bezeichnet wird.
Schwefeldioxid kommt in vulkanischen Gasen vor und entsteht beim Verbrennen fossiler Brennstoffe. Da es mit der Luftfeuchte und dem Sauerstoff der Atmosphäre Säuren bildet, ist es neben anderen sauren Gasen an der Entstehung des sauren Regens beteiligt. Um die Umweltschäden durch sauren Regen zu minimieren, müssen die Abgase von Industrieanlagen wie Kohlekraftwerke, Schwefelsäureanlagen und Erdölraffinerien aufwändig gereinigt werden (Bild 6).
Trotz seines Umwelt schädigenden Potenzials ist
Schwefeldioxid für die Herstellung von Schwefelsäure und anderer
schwefelhaltiger Chemikalien unverzichtbar. Es wird teilweise heute noch
in der Zellstoffproduktion und als Desinfektions- und Reinigungsmittel
genutzt.
Schwefeltrioxid,
, ist im Gaszustand
ein vieratomiges Molekül. Es besteht aus einem Schwefelatom und drei
Sauerstoffatomen, die durch polare Atombindungen miteinander verbunden
sind (Bild 7).
Schwefeltrioxid ist eine feste Substanz, die in drei Modifikationen auftreten kann. Es ist stark Wasser anziehend (hygroskopisch) und wirkt oxidierend. Mit Wasser reagiert Schwefeltrioxid unter starker Wärmeentwicklung heftig zu Schwefelsäure.

Schwefeltrioxid wird technisch durch katalytische
Oxidation aus Schwefeldioxid als Zwischenprodukt bei der Synthese von
Schwefelsäure gewonnen.
Daneben dient es als Ausgangsstoff für die Herstellung von Chlorsulfonsäure,
und zur Sulfonierung (Einführung der Sulfogruppe
)
organischer Substanzen, z. B. in der Waschmittelindustrie oder der Arzneistoffsynthese.
Reine Schwefelsäure
ist eine farblose, ölige Flüssigkeit, die bereits bei 10,4 °C
erstarrt. Auf der Haut wirkt die Säure stark ätzend. Die konzentrierte
Schwefelsäure enthält zu etwa 4 % Wasser. Schwefelsäure
ist mit Wasser in beliebigem Verhältnis mischbar.
Die Reaktion mit Wasser (Protolyse) verläuft ebenfalls stark exotherm.

Schwefelsäure wird in drei Schritten aus Schwefel,
Sauerstoff und Wasser hergestellt (Bild 8). Sie ist mit einer Menge von
150 Millionen Tonnen pro Jahr die am meisten produzierte Chemikalie auf
der Welt.
Die Verwendung ist äußerst vielfältig, der Hauptanteil
von 65% dient der Herstellung von Düngemitteln. Außerdem wird
die Säure zur Gewinnung von Titanoxid, zur Herstellung von Sprengstoffen,
von Zellwolle und Kunstseide oder als Akkumulatorsäure benötigt.
Sulfate sind
die Salze der Schwefelsäure und kommen in der Natur häufig vor,
z. B. Calciumsulfat
(in der wasserfreien Form als Anhydrit
oder als Gips
).
Sie werden z. B. wie Gips als Baustoffe oder wie Bittersalz
als Düngemittel verwendet. Bariumsulfat dient als weißes Füllmaterial
und zur Herstellung von Kunstdruckpapier.
Schwefelwasserstoff
und Sulfide
Schwefelwasserstoff
ist eine Molekülverbindung. Das Molekül besteht aus einem Schwefelatom
und zwei Wasserstoffatomen, die durch polare Atombindungen miteinander
verbunden sind (Bild 9). Anders als Wasser ist Schwefelwasserstoff gasförmig
und riecht stechend nach faulen Eiern. Es ist sehr giftig und lähmt
das Atemzentrum.
Schwefelwasserstoff ist wasserlöslich und ein gibt in wässrigen
Lösungen seine Protonen ab. Aus diesem Grund reagieren wässrige
Lösungen von Schwefelwasserstoff schwach sauer.

In der Natur kommt Schwefelwasserstoff in vulkanischen
Gasen, im Erdöl und Erdgas und bei der Zersetzung von Eiweiß
durch Fäulnis, z. B. bei der Verwesung, vor. Technisch wird Schwefelwasserstoff
aus den Elementen hergestellt.
Schwefelwasserstoff wird in der analytischen Chemie als Nachweisreagenz
verwendet. Es bildet mit vielen Metall-Ionen schwer lösliche Sulfide
in verschiedenen Farben.
Sulfide sind die Salze der Schwefelwasserstoffsäure.
Es sind feste, kristalline Stoffe, die neben Schwefel Metalle enthalten.
Sie kommen in der Natur als sulfidische Erze vor und wurden früher
wie Pyrit,
,
in großem Umfang zur Herstellung von Schwefeldioxid eingesetzt.
Andere Sulfide, z.B. Quecksilbersulfid (Zinnoberrot), Bleisulfid (Bleiglanz),
Cadmiumsulfid (Cadmiumgelb), Zinksulfid (Zinkblende), Antimonsulfid (Grauspießglanz)
oder Arsensulfid (Auripigment), finden ihre Verwendung als Künstlerfarben
oder Schminken.
Organische Schwefel-Verbindungen
Schwefel kann in organischen Verbindungen den Sauerstoff ersetzen. Solche
Verbindungen nennt man Thio-Verbindungen
(griech.: theion = Schwefel), sie sind deutlich seltener als die entsprechenden
Sauerstoffverbindungen. Verwendung finden Thioharnstoff als Zusatzstoff
zur Herstellung von Farbstoffen und Kunststoffen sowie Thioalkohole als
Haarbehandlungsmittel für Dauerwellen beim Frisör. In vielen
biologischen Prozessen spielen Thioaminosäuren eine Rolle.