


Historisches
Zu Beginn des 20. Jh. wurde das erste Vollwaschmittel produziert.
Doch schon lange davor verwendeten Menschen Seifen zum Waschen ihres Körpers
und der Kleidung.
Schon im Altertum kannten die Ägypter Stoffe, die sie zur Reinigung
von Wäsche nutzten. Sie erhitzten Fette mit Soda (Natriumcarbonat)
und erhielten Seife.
Die Germanen, Gallier, Griechen und Römer verwendeten die Seife vorwiegend
zum Waschen von Kleidungsstücken.
Im Mittelalter blühte das Handwerk der Seifensiederei.
In großen Bottichen aus Holz wurde tierisches Fett, z.B. Rindertalg,
mit Pottasche oder Soda bei höheren Temperaturen mit großen
Holzlöffeln verrührt.
Bereits damals wurden der entstehenden Rohseife Duftstoffe zugesetzt,
die aus der Natur gewonnen wurden.
Auf diese Weise erhielt man parfürmierte Seife.
Im 19. Jh. reichte die in Handwerksbetrieben produzierte Seife für
den Bedarf der Menschen nicht mehr aus. Die industrielle Produktion von
Seife begann. Ein Jahrhundert später wurde die Seife zum Reinigen
von Wäsche durch Seifenpulver abgelöst.
Die synthetische Herstellung von Waschmitteln in großer Menge setzte
ein. Die Waschwirkung und andere Eigenschaften von Waschmitteln wurden
und werden ständig verbessert.
Seifen - eine Stoffgruppe
Als Verseifung
wird die Spaltung von Estern mit Wasser unter dem Einfluss von basischen
Lösungen bezeichnet.
Bei der Verseifung von pflanzlichen oder tierischen Fetten und Ölen
erhält man Glycerol und die Salze der entsprechenden Fettsäuren.
Kaliumsalze und Natriumsalze der Fettsäuren mittlerer und höherer
Kettenlänge sind Seifen.
Bei den Seifen handelt es sich also nicht um einen Stoff, sondern um eine
ganze Stoffgruppe.
Reagieren Fette oder auch Fettsäuren mit Kaliumhydroxidlösung,
so bilden sich die Kaliumsalze der Fettsäuren, welche auch als Schmierseifen
bezeichnet werden.
Setzt man Natriumhydroxidlösung ein, so entstehen Natriumsalze der
Fettsäuren. Diese heißen Kernseifen.
Die meisten natürlich vorkommenden Fette bilden
nach der Verseifung eine Mischung verschiedener Seifen.
Kalium-Seifen sind leichter in Wasser löslich, weicher und angenehmer
auf der Haut als Natrium-Seifen. Beide können als Reinigungsmittel
eingesetzt werden. Ihre Wirkung entfalten sie jedoch erst in der Lösung:

Wirkung von Seifen
Die Wirkung beruht auf dem Bau der Seifen-Anionen. Sie haben ein
polares Ende (Carboxylat-Gruppe) mit einer negativen Ladung und ein unpolares
Ende, das aus dem Rest der Fettsäure besteht. Diese Seifen-Anionen
treten mit dem Wasser in Wechselwirkung.
Wasser ist ein Dipolmolekül. Die Anziehungskräfte zwischen den
Wassermolekülen führen zu Wasserstoffbrückenbindungen und
bedingen den Zusammenhalt der Flüssigkeit.
Darum nimmt Wasser stets eine möglichst kleine Oberfläche ein.
Es besitzt eine Oberflächenspannung.
Die Oberflächenspannung behindert die Waschwirkung
reinen Wassers, da sich die Schmutzteilchen nicht lösen können.
Durch die Teilchen der Seifenlösung wird nun diese Oberflächenspannung
herabgesetzt.
Die Seifen-Anionen lagern sich an der Wasseroberfläche an und durchstoßen
mit ihrem "wasserfeindlichen" Ende die Grenzfläche. Dadurch
werden die Kräfte zwischen den Wassermolekülen herabgesetzt
und die Oberflächenspannung nimmt ab.
Diese Eigenschaft der Seifen-Anionen heißt Grenzflächenaktivität.
Durch diese Grenzflächenaktivität werden Stoffe und Gewebe überhaupt
erst benetzbar, was eine wesentliche Voraussetzung für die Reinigung
darstellt.
Die Wasser abstoßenden Enden der Seifen-Anionen
dringen in die Schmutzteilchen ein. An der Oberfläche der Schmutzteilchen
entstehen Ladungen, die sich abstoßen.
Die Schmutzteilchen werden so in der Schwebe gehalten und während
des Spülvorgangs entfernt.
Diese Eigenschaft bezeichnet man als Waschaktivität.
Nachteile der Seifen
Neben ihrer Grenzflächen- und Waschaktivität haben Seifen auch
Nachteile.
Naturfasern, wie Wolle und Seide, werden durch Seifenlösung geschädigt,
denn Seifenlösungen reagieren basisch, die Tierfasern sind jedoch
aufgrund ihrer Aminosäuren oft sauer. Die vorliegenden Hydroxid-Ionen
wirken schädlich auf die Fasern.
In Gebieten mit sehr hartem Wasser benötigt man sehr viel Seife,
ehe man überhaupt Schaum erhält.
Ursache dafür sind im harten Wasser die vielen Calcium-Ionen. Seifen-Anionen
reagieren mit diesen Calcium-Ionen. Dabei bilden sich schwer lösliche
Kalkseifen, die ausfallen und damit die Wirkung der Seifen-Anionen verhindern.

Die reinigende Wirkung der Seifen kann erst eintreten, wenn mehr Seifenlösung vorhanden ist, als für die Bildung der Kalkseifen verloren geht.
Moderne Waschmittel
Waschaktive Substanzen
Waschmittel werden zum Waschen von Textilien benötigt. Ihre Waschkraft beruht
auf Stoffen, die genau wie die Seifen aus relativ großen Molekülen bestehen, welche
jeweils ein polares (wasseranziehendes ) und ein unpolares (wasserabstoßendes)
Ende haben.
Die Wirkungsweise der Seifen gilt auch für die sogenannten Tenside.
Unterschieden werden anionische Tenside mit einer negativen Gruppe,
zu denen die Seifen gehören, nichtionische und kationische Tenside.
Nichtionische Tenside mit einer positiven Gruppe im Molekül haben den Vorteil, dass sie nicht mit Calcium-Ionen
des Wassers reagieren und den Seifen in dieser Hinsicht überlegen
sind. Neben den Tensiden enthalten moderne Waschmittel
häufig noch Bleichsysteme, Waschmittelenzyme, optische Aufheller
und Weichspüler.
Zusatzstoffe in Waschmitteln
Das größte Problem beim Waschen sind die Calcium- und Magnesium-Ionen
im Wasser (Wasserhärte). Jahrelang wurden den Waschmitteln deshalb Phosphate, besonders Pentanatriumtriphosphat,
zugesetzt. Diese Phosphate hatten Anteil an der zunehmenden Überdüngung
(Eutrophierung) der Gewässer.
Darum wurden diese Stoffe durch Zeolith A oder Polycarboxylate ersetzt.
Als Bleichmittel werden Komponenten
zur Entfernung von Verunreinigungen, wie Obst-, Kaffee- oder Teeflecken
eingesetzt.
Diese Bleichmittel entfalten ihre volle Wirkung
erst bei Temperaturen ab 90 °C aufwärts. Durch den zunehmenden
Trend, bei niedrigeren Temperaturen zu waschen, benötigt man Bleichaktivatoren.
Dazu werden N-Acetylverbindungen eingesetzt.
Enzyme in Waschmittel dienen dazu,
organische Stoffe, wie Essensreste oder Blutflecken zu entfernen.
Optische Aufheller sind
Substanzen, die mit dem Waschwasser auf dem Textilgut verteilt werden
und dann den UV-Anteil aus dem Tageslicht der Sonne absorbieren und als
blaues Fluoreszenzlicht wieder
emittieren. Dadurch kommt es zu einem besonders strahlendem, "weißen"
Aussehen. Dieses Phänomen kann gut z.B. bei weißen T-Shirts
unter besonderer Beleuchtung in Discos beobachten.
Weichspüler enthalten meistens kationische Tenside.
Baukastenprinzip
In einem Vollwaschmittel sind sehr viele dieser unterschiedlichen Substanzen
enthalten. Sie sind aber nicht bei jeder Art Wäsche nötig. So
gibt es auch Waschmittel nach dem Baukastenprinzip, mit denen man wesentliche
Substanzen selbst zusammenstellen kann.
|
Inhaltsstoff
|
Funktion
|
konventionelle Pulver
|
Kompakt-waschmittel
|
|
anionische und nichtionische Tenside
|
Schmutzlöser
|
10-15%
|
10-25%
|
|
Bleichmittel
|
z.B. zur Tee-, Rotwein- und Obstfleck-entfernung
|
10-25%
|
10-20%
|
|
Schaum-inhibitoren
|
Verhindern übermäßiges Schäumen
|
0,1-4%
|
0,1-2%
|
|
Enzyme
|
lösen
eiweißhaltige Flecken |
0,3-0,8%
|
0,5-2%
|
|
optische Aufheller
|
erhöhen die
Weißkraft des Gewebes |
0,1-0,3%
|
0,1-0,3%
|
|
Füllstoffe
|
z.B. Natriumsulfat, verhindert das Verklumpen des
Waschmittels
|
5-30%
|
keine%
|
|
Korrosions-inhibitoren
|
frischer Geruch
|
2-6%
|
2-6%
|
|
Wasserenthärter
|
20-30%
|
10-20%
|
|
|
Duftstoffe
|
0,1-0,2%
|
0,1-0,2%
|