

In den Pflanzen werden durch Fotosynthese aus Kohlenstoffdioxid und Wasser organische Substanzen aufgebaut. Stickstoff wird für den Aufbau der pflanzlichen Eiweiße benötigt. Dazu müssen sie mit den Wurzeln aus dem Boden auch verschiedene anorganische Ionen aufnehmen. Der Chemiker JUSTUS VON LIEBIG erkannte im 19. Jahrhundert die Bedeutung einer ausreichenden Versorgung der Pflanzen mit gebundenem Kalium, Phosphor und Stickstoff (den sogenannten Makronährstoffen) für ihr Wachstum. Er war es auch, der das "Gesetz vom Minimum" formulierte (Bild 1). Es sagt aus, dass alle Elemente in ausreichender Anzahl vorhanden sein müssen, um ein optimales Wachstum zu gewährleisten. Fehlt nur eines, kann es nicht durch eine größere Menge an anderen Stoffen ausgeglichen werden.
Die Nährstoffzufuhr erfolgte früher durch natürliche organische
Dünger (Stallmist, Pflanzenabfälle). Die wachsende Nachfrage
nach Nahrungsmitteln durch Zunahme der Weltbevölkerung konnte nur
durch Steigerung der Ernteerträge gedeckt werden. Das machte aber
eine zusätzliche Versorgung des Bodens mit mineralischen Düngern
erforderlich.
Seit etwa 1830 wurde Nitratstickstoff aus den natürlichen Lagerstätten
in Chile (Chilesalpeter, enthält ca. 98%
)
als Dünger verwendet. Diese Lagerstätten haben aber begrenzte
Vorräte, zudem ergeben sich nach Europa lange Transportwege. Andere
natürliche Lagerstätten von Stickstoffverbindungen gibt es nicht.
Erst die Entweicklung der technischen Ammoniaksynthese die Möglichkeit,
Stickstoffdüngemittel in großen Mengen technisch herzustellen.
Der Weltverbrauch an Stickstoffdünger betrug im Jahr 2007
etwa 105 Millionen Tonnen (bezogen auf den Stickstoffgehalt), in Deutschland
etwa 1,7 Millionen Tonnen (bezogen auf den Stickstoffgehalt).
Den Stickstoff der Luft können Pflanzen nicht direkt verwerten.
Nur einige Pflanzenarten bilden Symbiosen mit Knöllchenbakterien,
die den Luftstickstoff aufbereiten und ihn so auch den Pflanzen zugänglich
machen (Bild 2).
Industriell hergestellte Stickstoffdünger können Stickstoff
in ammoniakalischer Form (Ammoniak, Ammoniumsalze), in Nitratform oder
in Amidform (Harnstoff, Kalkstickstoff) enthalten. Die Pflanzen können
den Stickstoff sowohl in Form von Nitrat-Ionen
als auch
von Ammonium-Ionen
nutzen.
Nitrat-Ionen können von den Pflanzen unmittelbar aufgenommen werden
und beeinflussen daher die Stickstoffbilanz für die Pflanzen sehr
schnell. Sie werden hingegen als Anionen nicht im Boden gebunden und können
leicht ausgewaschen werden, wodurch bei Überdüngung das Grundwasser
sehr stark mit gesundheitsschädlichem Nitrat belastet werden kann.
Ammonium-Ionen werden von Bodenbestandteilen (Huminstoffen) gebunden und können daher nicht so leicht ausgewaschen werden. Damit sie von den Pflanzen aufgenommen werden, müssen sie allerdings erst durch Bodenbakterien zu Nitrat-Ionen oxidiert werden. Sie wirken deshalb langsamer und nachhaltiger.
Wichtige Stickstoffdünger
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Handelsname des Düngers
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enthaltenes stickstoffhalti-
ges Salz |
Formel
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schwefelsaures Ammonium
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Ammoniumsulfat
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Kalkammonsalpeter
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Ammoniumnitrat, Calciumcarbonat
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Kalisalpeter
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Kaliumnitrat
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Harnstoff
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Harnstoff
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Ammoniumsulfat fällt bei zahlreichen Prozessen als Nebenprodukt an (z. B. in Kokereien und bei der Rauchgasentschwefelung). Da bei seiner Anwendung im Boden Schwefelsäure frei wird, was zur Versauerung des Bodens führen kann, wird dieser Dünger heute nicht mehr so oft verwendet (Anteil etwa 5%).
Ammoniumnitrat ist ein
konzentrierter Stickstoffdünger. Es neigt aber zu Verklumpung und
kann sich unter Explosion selbst zersetzen (es dient u. a. auch als Sprengstoff).
In der BRD ist daher die Verwendung von reinem Ammoniumnitrat als Dünger
verboten, in anderen Ländern ist es aber teilweise zugelassen.
Als Kalkammonsalpeter ist Ammoniumnitrat durch Beimischung von Kalk ungefährlich. Gleichzeitig neutralisiert der Kalk die im Boden frei werdende Säure. Daher wird in vielen Ländern Kalkammonsalpeter eingesetzt.
Harnstoff ist der wichtigste Stickstoffdünger (Anteil über 50%). Die technische Herstellung erfolgt aus Ammoniak und Kohlenstoffdioxid unter Druck.

Er weist einen hohen Stickstoffgehalt auf und kann im Boden als Langzeitdünger wirken. Da unter Einfluss des Enzyms Urease die Hydrolyse zu Ammoniak erfolgt, wird durch Zusätze die Abbaugeschwindigkeit des Harnstoffs vermindert, indem die Aktivität der Urease gebremst wird.
Neben Einzeldüngern, die nur einen Nährstoff enthalten, werden auch Mehrkomponentendünger (z. B. Ammoniumphosphat) verwendet.
Das Ausstreuen der stickstoffhaltigen Dünger muss aber wohldosiert
während der Wachstumsperiode erfolgen, damit eine Überdüngung
und Belastung des Grundwassers bzw. der Gewässer ausgeschlossen werden
kann.
Auch wenn eine Stickstoffdüngung auf landwirtschaftlichen Flächen
notwendig ist, hat eine Überdüngung unmittelbar nachteilige
Folgen für den Menschen, der Lebensmittel mit einem zu hohen Nitratanteil
zu sich nimmt. Außerdem werden überschüssige Nitrate durch
den Regen in das Grundwasser gespült und gelangen in die Gewässer.
In den Gewässern wird durch Nitrateintrag das Pflanzenwachstum übermäßig
gefördert und dadurch schwere Umweltschäden verursacht.