Chemie
Teer
Verwendung von Teer im StraßenbauZigarette

Was ist Teer?
Teer ist jedem bekannt, der schon einmal an einer frisch geteerten Straße vorbeigelaufen ist.
Der frische Straßenbelag ist schwarz und riecht beißend.

Das Wort selbst leitet sich ab von "deru", was so viel wie Baum bedeutet. Jetzt fragt man sich: "Was hat Teer mit Bäumen zu tun?"Früher wurden die braunen bis schwarzen Produkte durch Trockendestillation von Holz, Torf oder Kohle gewonnen. Heute erzeugt man Teer durch  Erhitzen von Steinkohle oder Braunkohle unter Luftabschluss bzw. Luftmangel.

Chemisch gesehen ist Teer ein komplexes Gemisch verschiedenster hoch siedender Kohlenwasserstoffe, wobei die Einzelsubstanzen je nach Ausgangsstoff und Entstehungsbedingungen sehr unterschiedlich sind. Unter diesen verschiedenen Substanzen im Gemisch können auch Stoffe enthalten sein, die Krebs auslösen. Daher sind beim Umgang mit bestimmten Teerarten besondere Vorsichtsmaßnahmen  zu beachten.

Aus diesem Stoffgemisch Teer lassen sich dann auch Einzelstoffe in reiner Form gewinnen, die dann als Rohstoffe Verwendung finden. Die größte technische Bedeutung kommt dabei dem Steinkohlenteer zu.
Einige Teere, die aus anderen organischen Materialien gewonnen werden (Holzteer, Knochenteer u.a.) haben auch hautmedizinische Bedeutung (z.B. für Teerseife).

Steinkohlenteer
Steinkohlenteer ist ein wichtiges Nebenprodukt bei der Entgasung (Verkokung) von Steinkohle bei 900 – 1300 °C. Aus 1000 kg Kohle erhält man neben  760 – 780 kg Koks als Hauptprodukt etwa 28 – 30 kg Rohteer neben anderen Produkten (Kokereigas usw.). Rohteer ist ein kompliziertes Gemisch aus bis zu 10 000 Einzelsubstanzen, von denen nur wenige, technisch aber wichtige, einen Mengenanteil im Prozentbereich haben.

Durch geeignete Verfahren kann man aus dem Rohteer verschiedene aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzen, Naphthalin, Anthracen und andere gewinnen. Diese Aromaten sind wichtige Rohstoffe für die Herstellung von Arzneimitteln und Farbstoffen (die so genannten Teerfarbstoffe), da sie teilweise (z. B. Naphthalin, Anthracen) nur aus Steinkohleteer und nicht aus Erdöl zugänglich sind.

Braunkohlenteer
Braunkohlenteer entsteht bei der thermischen Behandlung von Braunkohle durch Schwelung bei etwa 600 °C oder Verkokung bei 900 – 1300 °C. Die Zusammensetzung hängt stark von der  Entstehungstemperatur ab. Der Schwelteer enthält mehr aliphatische Kohlenwasserstoffe und Phenole als der Teer aus dem Verkokungsprozess.

Diese Paraffine und Phenole können aus dem Schwelteer gewonnen werden, aber die gleichen Produkte sind auch über Erdöl zugänglich..

Teer in der Zigarette
Auf jeder Zigarettenschachtel ist vermerkt, wie viel "Teer" die jeweilige Sorte enthält. Durch unvollständige Verbrennung infolge Sauerstoffmangel entweicht in der Glutzone aus dem Tabak das so genannte Kondensat, umgangssprachlich auch als Teer bezeichnet. Der Gehalt an Kondensat beträgt 2 – 30 mg pro Zigarette. Man schätzt, dass im Kondensat weit über 10000 verschiedene Stoffe enthalten sind.

Die Inhalation des Kondensats ist gesundheitsschädlich, da  es teilweise in den Lungen abgelagert wird und damit die Lungenfunktion einschränkt. Weiterhin können bestimmte Inhaltsstoffe im Kondensat wie die Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) Lungenkrebs auslösen.

Weitere Gesundheitsrisiken beim Rauchen werden durch Nicotin und andere Inhaltsstoffe des Kondensats verursacht .

Verwandte Themen
© Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim und DUDEN PAETEC GmbH, Berlin. Alle Rechte vorbehalten. www.schuelerlexikon.de