








Notwendigkeit der Temperaturmessung
Mit den wärmeempfindlichen und kälteempfindlichen Punkten in
unserer Haut können wir fühlen, ob z. B. Luft oder Wasser heiß,
warm oder kalt ist. Unser Temperaturempfinden lässt sich aber leicht
täuschen: Fassen wir nacheinander Gegenstände aus Metall, Glas
und Holz an, so erscheinen sie uns unterschiedlich warm, obwohl sie die
gleiche Temperatur haben. Auch bei sehr heißen oder sehr kalten
Körpern versagt unser Temperaturempfinden.
Wie leicht man sich täuscht, kann man selbst ausprobieren. Erforderlich
sind dazu drei Schüsseln mit Wasser unterschiedlicher Temperatur.
Man taucht die eine Hand in kaltes, die andere in heißes Wasser
und lässt beide Hände ca. 30 s dort. Anschließend taucht
man beide Hände in warmes Wasser. Bei der Hand, die zunächst
im kalten Wasser war, erscheint das Wasser warm. Bei der Hand, die zunächst
im heißen Wasser war, erscheint das warme Wasser kühl. Das
bedeutet: Unser Temperaturempfinden
ist subjektiv. Zur genaueren Bestimmung der Temperatur ist es notwendig,
diese zu messen.
Flüssigkeitsthermometer
Zur Temperaturmessung werden häufig Flüssigkeitsthermometer
genutzt. Sie bestehen aus einem Thermometergefäß, einem dünnen
Anzeigeröhrchen und einer Skala. Je nach Verwendungszweck kann die
Thermometerflüssigkeit Quecksilber oder gefärbter Alkohol sein.
Wasser ist als Thermometerflüssigkeit nicht geeignet. Zum einen gefriert
es bei 0 °C. Zum anderen ändert sich bei Wasser mit gleichmäßiger
Temperaturänderung das Volumen nicht gleichmäßig. Unter
4 °C dehnt sich Wasser sogar wieder aus (Anomalie des Wassers).
Die Wirkungsweise eines Flüssigkeitsthermometers beruht darauf, dass
sich das Volumen einer Flüssigkeit bei Erhöhung der Temperatur
ausdehnt und bei Verringerung der Temperatur verringert. Je höher
die Temperatur ist, desto höher steht die Flüssigkeitssäule
im Anzeigeröhrchen. Die Temperatur kann man an einer Skala ablesen.
Das abgebildete Flüssigkeitsthermometer hat einen Messbereich von
-20 °C bis +50 °C. Man kann auf 1 °C genau ablesen und auf
0,5 °C schätzen.
Flüssigkeitsthermometer gibt es in zahlreichen Bauformen. Als Zimmerthermometer
nutzt man meist Thermometer mit einem Messbereich, der zwischen -10 °C
und 40 °C liegt. Für Außenthermometer wählt
man einen Messbereich zwischen -30 °C und 50 °C.
Mit Kühlschrankthermometern will man die Temperatur im Inneren eines Kühlschranks einschließlich
Tiefkühlfach messen. Der Messbereich solcher Thermometer geht deshalb
meist bis -20 °C oder -30 °C.
Mit einem Fieberthermometer soll möglichst genau die Körpertemperatur gemessen werden. Der
Messbereich dieser Thermometer liegt deshalb zwischen 35 °C und 42
°C, also im Bereich der normalen Körpertemperatur von 37 °C.
Da es hier auf sehr genaue Messungen ankommt, besitzen Fieberthermometer
eine hohe Messgenauigkeit. Man kann auf 0,1 °C genau ablesen.
Mit Laborthermometern kann
man z. B. auch Temperaturen über 100 °C messen.
Gasthermometer
Gasthermometer gehören zu den historisch
ersten Thermometern. Sie sind ähnlich wie Flüssigkeitsthermometer
aufgebaut. In einem durch einen Quecksilbertropfen abgeschlossenen Bereich
befindet sich ein Gas. Das kann auch Luft sein. Bei Erhöhung der
Temperatur dehnt sich das Gas aus, bei Verringerung der Temperatur verringert
sich sein Volumen. Die Temperatur kann in Höhe des Quecksilbertropfens
abgelesen werden.
Bimetallthermometer
Ein Bimetallthermometer besteht aus
einem spiralförmigen Bimetallstreifen, an dessen Ende sich ein Zeiger
befindet und einer Skala. Die Biegung des Bimetallstreifens ändert
sich aufgrund der unterschiedlichen Ausdehnung der beiden Metalle, aus
denen er besteht, mit der Temperatur. Es wird also bei diesem Thermometer
der Effekt genutzt, dass sich verschiedene Metalle bei gleicher Temperaturänderung
unterschiedlich ausdehnen.
Elektronische Thermometer
Bei elektronischen Thermometern wird
die starke Temperaturabhängigkeit des elektrischen Widerstandes von
speziellen Halbleitermaterialien (Heißleitern, Kaltleitern) genutzt.
Nutzt man z. B. einen Heißleiter, so gilt: Mit Erhöhung der Temperatur
verringert sich der elektrischen Widerstand des Heißleiters. Geht
man von einer konstanten Spannung aus, so vergrößert sich mit
Verkleinerung des elektrischen Widerstandes die Stromstärke, denn
für U = konstant gilt:

Die Stromstärke ist somit ein Maß für die
Temperatur. Diese wird digital auf einem Display angezeigt. Die Vorteile
solcher Thermometer bestehen darin, dass man zum einen den Messfühler
sehr klein bauen kann und zum anderen der Messfühler sich in größerer
Entfernung vom Display befinden kann. Der Messfühler ist dann entweder
durch eine Leitung oder per Funk mit dem Display verbunden.
Verwendet man für den Messfühler statt speziellen Halbleitern
metallische Widerstände, dann spricht man von einem Widerstandsthermometer.
Die Wirkungsweise ist die gleiche wie bei einem elektronischen Thermometer.
Thermometer nach Galilei
Bei diesem Thermometer, dessen Aufbau auf GALILEO GALILEI (1564-1642)
zurückgehen soll, befinden sich Kugeln in einer Flüssigkeit.
Die Dichte der Flüssigkeit und die mittlere Dichte der Kugeln liegen
eng beieinander, wobei diese mittlere Dichte der Kugeln unterschiedlich
ist. An den Kugeln befinden sich kleine Schilder mit unterschiedlichen
Temperaturen.
Bei einer bestimmten Temperatur, z. B. bei 22 °C, sind die Dichten
so gewählt, dass sich ein Teil der Kugeln unten befindet, bei ihnen
also die Auftriebskraft kleiner ist als die Gewichtskraft. Das sind die
Kugeln für kleinere Temperaturen als die Umgebungstemperatur. Ein
anderer Teil der Kugeln befindet sich oben. Bei ihnen ist die Auftriebskraft
größer als die Gewichtskraft. Das sind die Kugeln für
eine höhere Temperatur als die Umgebungstemperatur.
Ändert sich die Temperatur, so ändern sich auch die Dichten,
da diese temperaturabhängig sind. Da es vom Verhältnis der Dichten
abhängig ist, ob ein Körper sinkt oder steigt, bewegen sich
Kugeln nach unten oder nach oben. Die Temperatur lässt sich an der
Kugel ablesen, die gerade noch oben schwimmt.
Nutzung von Thermofarben
Es gibt auch Thermometer, bei denen genutzt wird, dass spezielle Farben,
die sogenannten Thermofarben, bei einer
bestimmten Temperatur ihre Farbe wechseln oder bei bestimmter Temperatur
Licht abgeben. Das kann man für Thermometer nutzen. Bild 9 zeigt
ein solches Thermometer. Da das abgebildete Thermometer die Größe
einer Postkarte hat, wird es auch als Postkartenthermometer
bezeichnet.
Weitere Möglichkeiten der Temperaturmessung
Neben den beschriebenen Möglichkeiten kann man die Temperatur auch
folgendermaßen bestimmen: