


Die ältesten „Waagen“ waren sicherlich die menschlichen Arme, mit denen sich Lasten mehr oder weniger genau abschätzen ließen. Gewichtssteine, also entsprechende Vergleichsmassen, sind in Ägypten schon vor über 9000 Jahren verwendet worden. Dort wurden auch die ersten gleicharmigen Balkenwaagen vor 4600 Jahren genutzt. Elektronische Feinwaagen mit denen Massedifferenzen im Mikrogramm – Bereich bestimmt werden können, wurden seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts entwickelt.
WaagetypenAus der Zielstellung heraus z. B. die Masse eines Sackes Getreide oder die Masse eines Goldringes zu bestimmen, entwickelten sich nach und nach eine Vielzahl von Waagen, z. T. mit sehr engen Einsatzzielen.
Diese Waagen lassen sich z. B. einteilen nach:
Wählen wir die Bauart als Gliederungsprinzip so können wir unterscheiden zwischen:
Balken- oder Hebelwaagen
dazu gehören Laufgewichtswaagen, Tafel- und Neigungswaagen (Briefwaage) und Brückenwaagen zur Bestimmung großer Massen (Lokomotiven)
Waagen mit elastischer Messvorrichtung
dazu gehören Feder- und Torsionswaagen,
elektromagnetische bzw. elektromechanische Waagen,
bei denen die Wirkung der Last durch elektromechanische Kräfte kompensiert wird oder die Abhängigkeit des elektrischen Widerstandes eines Dehnungsstreifens von der Belastung als Messprinzip genutzt wird.
Für spezielle Aufgaben sind besondere Waagen entwickelt worden.
Bandwaage, für Schüttgüter
Dosierwaage, für automatisch ablaufende industrielle Prozesse
Thermowaage, zur Ermittlung von Massedifferenzen bei Änderung der Temperatur
Magnetwaage, zur Bestimmung des Einflusses eines Magnetfeldes auf eine Substanzprobe
Vakuumwaage, zur Ermittlung von Massen im Vakuum.
Im allgemeinen werden 4 Genauigkeitsklassen unterschieden.
Zu den Feinwaagen gehören die Analysenwaagen, die maximal mit 200 g belastet werden können.
Auch die Ultramikrowaagen gehören zu den Feinwaagen. Bei einer maximalen Belastbarkeit von 5 g lassen sich Masseänderungen von 1 x 10
g ermitteln.
Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit einer Feinwaage (Empfindlichkeit, Ablesbarkeit, Reproduzier-barkeit, Genauigkeit) sind ständig gestiegen. Welche Sachverhalte und Einflüsse mussten beachtet werden?
Schon frühzeitig wurden die Feinwaagen mit einem Gehäuse mit seitlichen Schiebefenstern versehen um Einflüsse durch Luftbewegung oder Feuchtigkeit zu minimieren. Da Waagen auf Erschütterungen empfindlich reagieren wurden diese auf Platten aufgestellt, die sich in einem dämpfenden Sandbad befinden. Heute werden dazu Federdämpfungen genutzt.
Die Waagebalken der Hebelwaagen sind auf speziellen Vorrichtungen reibungsarm gelagert (Pfanne und Schnei-de aus hartem Halbedelstein). Da diese sehr hohen Belastungen auch nicht Stand halten, war eine Beschränkung der Belastung auf 100 oder 200 g Wägegut erforderlich. Der Waagebalken musste also auch aus einer besonders stabilen aber leichten Legierung hergestellt werden.
Trotzdem biegen sich die Waagebalken mit zunehmender Belastung in geringem Maß durch, was zu einer unzu-lässigen Veränderung der Empfindlichkeit der Waage mit der Belastung führt. Dieses Durchbiegen ist auch mit besonders konstruierten trapezförmigen Balken, wie man sie bei älteren Analysenwaagen in Apotheken oder Museen sieht, nicht zu vermeiden.
Es wurden deshalb sogenannte Einschalenwaagen konstruiert, bei denen ein Waagearm, im Gehäuse verdeckt, mit z. B. einem 100 g – Massestück versehen war. Am anderen Waagearm befindet sich die Waagschale für das zu bestimmende Wägegut und ein Satz von Wägestücken (Massenormale). Beim Wägevorgang wurden durch Hebel Vergleichsmassen vom Waagearm abgehoben, die genau der Masse des Wägegutes entsprachen. So war über den gesamten Belastungsbereich von 100 g eine gleichmäßige Empfindlichkeit gewährleistet.
Reibungsarm gelagerte Waagebalken schwangen sehr oft bis zum Stillstand (Gleichgewicht), so dass der Wägevorgang sehr zeitaufwändig war. Abhilfe schafften Dämpfungssysteme wie z. B. die Dosendämpfung, bei Luft in sich nicht berührenden Zylindern komprimiert wurde, und zur Dämpfung der Schwingungen führte.
Wie in Wasser, so erleiden Körper auch in Luft einen Auftrieb. Das Wägegut wird scheinbar um die Masse der verdrängten Luft leichter.
Für sehr genaue Messungen wurden Vakuumwaagen konstruiert bei denen die Massebestimmung auftriebslos erfolgen konnte. Heute kann die Auftriebskorrektur bei speziellen Waagen elektronisch erfolgen.
Einige Waagen im Detail betrachtet
Hebelwaagen
Der einfachste und älteste Wägemechanismus ist der einer gleicharmigen Hebelwaage. Dieser Waagetyp wurde bereits
um 2500 v. Chr. erstmals durch die Ägypter verwendet.
Der Aufbau solch einer gleicharmigen Hebel-
oder Balkenwaage ist einfach. Sie besteht aus einem
Balken mit zwei an den Enden des Balkens aufgehängten Schalen und
einem Fuß, auf dem dieser Balken ruht. Der Balken ist auf dem Fuß
in der Mitte (also am sogenannten Hebeldrehpunkt) drehbar aufgehängt.
Dadurch kann er beim Wägevorgang ausbalancieren. Diesem Typ von Waage
liegt das Hebelgesetz als physikalisches Gesetz zu Grunde. Dieses besagt,
dass bei gleich langen Armen die Kräfte, und damit die Massen, an beiden Seiten gleich sein
müssen, damit die Waage im Gleichgewicht, also waagerecht ist.
Laufgewichtswaage
Genau wie die gleicharmige Hebelwaage besteht auch die Laufgewichtswaage aus einem drehbar aufgehängten Balken. Da bei diesem Waagetyp die
beiden Arme nicht gleich lang sind, befindet sich der Drehpunkt bei der
Laufgewichtswaage im Gegensatz zur gleicharmigen Hebelwaage allerdings
nicht genau in der Mitte. Der Gegenstand, dessen Masse ermittelt werden
soll, wird an den kürzeren Arm gehängt. An dem längeren
Arm dagegen befindet sich ein bekanntes Wägegewicht, das entlang
diesen Arms geschoben werden kann. Es wird auch als Laufgewicht bezeichnet,
der gesamte Waagentyp als Laufgewichtswaage.
Nachdem der zu wiegende Gegenstand angehängt wurde, wird die Waage
durch Verschieben des Laufgewichtes wieder ins Gleichgewicht gebracht.
Durch das Hebelgesetz gibt es nun einen Zusammenhang zwischen der Länge
des Arms und der Masse. Da die Masse des Laufgewichtes und die Länge
des Arms, an dem das unbekannte Stück hängt, bekannt sind, müsste
man jetzt nur noch die Länge des Armes, an dem das Laufgewicht hängt,
messen, um die unbekannte Masse ausrechnen zu können. Diese Arbeit
wird einem aber abgenommen, da die Masse über die Einteilung des
Arms mithilfe der Stellung des Laufgewichtes abgelesen werden kann.
Dieser Typ von Waage wird auch als Römische
Waage bezeichnet, da er bereits bei den Römern verwendet wurde.
Federwaage und Neigungswaage
Weitere Formen von noch heute gebräuchliche Arten mechanischer Waagen
sind die sogenannten Federwaagen und
Neigungswaagen. Bei der Neigungswaage
verbindet man eine Platte mit einem Pendelgewicht (Pendel). Wird dann
eine Last auf die Platte gelegt, schwingt das Pendelgewicht zur Seite.
Durch einen Zeiger, der am Pendel angebracht ist, kann man dann über
eine Skala die Masse der Last ablesen.
Bei einer Federwaage ist die Platte im Gegensatz zur Neigungswaage mit
einer genormten Feder verbunden. Diese Feder wird beim Auflegen einer
Last auf die Platte entweder zusammengedrückt oder auseinandergezogen.
Das unbekannte Gewicht der Last wird dann wieder durch einen Zeiger angezeigt,
dessen Stellung sich danach richtet, wie stark die Feder verformt ist.
Federwaagen sind heutzutage noch im Haushalt üblicherweise als Personenwaagen
im Einsatz.
Elektrische
Waagen
Neben den mechanischen Waagen, die schon seit Jahrhunderten ihre Anwendung
finden, werden heutzutage auch immer mehr elektrische bzw. elektromechanische
Waagen eingesetzt. Diese Waagen nutzen, wie der Name schon sagt, die
Elektrizität zur Bestimmung einer unbekannten Masse. Die Vorteile solcher
Waagen liegen klar auf der Hand. Sie sind meist schneller und genauer als
rein mechanische Waagen. Sie können verbunden mit Computern im Rahmen
von Computersystemen eingesetzt werden und benötigen somit kein Personal
mehr zum Ablesen, wodurch wieder eine Fehlerquelle ausgeschlossen wird.
Dadurch sind sie auch für viele Anwendungen besser geeignet als gewöhnliche
mechanische Waagen, da ihre Messdaten gleich digitalisiert vorliegen. Ein
weiterer Vorteil ist, dass sie nahezu wartungsfrei sind.
Bei einer häufig eingesetzten Form der elektromechanischen Waage wird
die mechanische Messgröße in Wägezellen oder auch sogenannten
Kraftmess- bzw. Druckdosen umgewandelt. Bei dieser Waage befindet sich eine
Platte oben auf einem Ständer. An diesem Ständer ist ein dünner
Draht, der Dehnungsmessstreifen, befestigt. Die besondere Eigenschaft des
Dehnungsmessstreifen besteht darin, dass sich sein elektrischer Widerstand
ändert, wenn er in irgendeiner Art und Weise verformt wird. Durch die
Last, die auf die Platte gelegt wird, werden sowohl Ständer als auch
Dehnungsmessstreifen zusammengedrückt. Anhand dieser Verformung ändert
sich der Widerstand des Dehnungsmessstreifen.
Aus dieser Widerstandsänderung des Drahtes kann nun die Masse der Last
bestimmt werden.
Waagen - die Bedeutung über das Messen hinaus
Da Waagen schon immer als unbestechlich galten und jeden Fehler anzeigten,
wurden sie zum Symbol für Gerechtigkeit. Noch heute wird die Göttin
Justitia mit einer Waage als Symbol für Gerechtigkeit und Gleichheit
vor dem Gesetz abgebildet.