Griechische
Kolonisten verbreiten ihr Alphabet
Die westgriechische Variante des griechischen Alphabets war Grundlage für
die Herausbildung des lateinischen Alphabets. Wahrscheinlich brachten griechische
Kolonisten durch den Kontakt mit Etruskern und Römern in Süditalien
ihr Alphabet in diese Region.
Durch die Verbreitung des Christentums
kam das lateinische Alphabet allmählich auch nach Mittel- und Nordeuropa.
Osteuropa dagegen wurde von dem griechischsprachigen Byzantinischen
Reich aus christianisiert, und deshalb wurde um 800 n.Chr. das sogenannte kyrillische Alphabet geschaffen, eine den slawischen Sprachen angepasste
Schrift. Sie weist viele Ähnlichkeiten mit dem griechischen Alphabet
auf und wird in der ehemaligen Sowjetunion, Bulgarien und einigen Balkanländern
verwendet.
Die Entwicklung des lateinischen Alphabets
Die Ausprägung des lateinischen
Alphabets geht möglicherweise auf die um Rom siedelnden Latiner
zurück. Außer der griechischen wird auch die etruskische
Schrift als Grundlage gedient haben. Die Schrifttafel
von Marciliana (1. Hälfte des 8. Jahrhunderts v.Chr.) beweist,
dass die Etrusker schon lange vor ihrer Ansiedlung in Italien die griechischen
Schriftzeichen kannten. Die etruskische Schrift wird heute aus vergleichenden
Forschungen heraus als eine Weiterentwicklung der westgriechischen Schrift
angesehen.
Im 3. Jahrhundert v.Chr. existierte nachweislich ein lateinisches Alphabet
mit 19 Buchstaben (römisches
Alphabet), welches allerdings noch mehrere Veränderungen erfuhr.
So wurde der Buchstabe G durch das Hinzufügen eines Striches aus
dem C geschaffen und ersetzte das nicht verwendete griechische Z. Weiterhin
änderte sich auch die lautliche Nutzung der Buchstaben U und Y.
Das klassische lateinische Alphabet
A B C D E F G H I K L M N O P Q R S T U X Y Z
Das lateinische Alphabet der klassischen Zeit besteht aus 23
Buchstaben, die beiden letzten (Y und Z) wurden erst in späterer
Zeit aus dem griechischen Alphabet übernommen und am Ende angefügt.
Das lateinische Alphabet hat Buchstaben für fünf Vokale
(A, E, I, O, U), die entweder kurz oder lang gesprochen werden. Diphthonge
(Doppellaute; AE, AU, EU, OE) sind immer lang.
Die Ausdehnung des römischen Imperiums führte zu einer starken
Verbreitung des Lateinischen.
Bis heute wird die lateinische
Schrift fast überall in Europa in nur wenig geänderter Form
genutzt.
Kyrillische Schriftzeichen
In den meisten slawischen osteuropäischen Ländern setzte sich das Lateinische
nicht durch. In Anlehnung an das griechische Alphabet entwickelten 860 n.Chr.
KYRILL und METHODIOS die kyrillischen
Schriftzeichen.

Diese Schriftzeichen wurden vor allem aus den Großbuchstaben des
griechischen Alphabets entwickelt. Nach einigen Veränderungen, Zusätzen
und Reformen wird das kyrillische Alphabet heute von den Russen, Bulgaren,
Weißrussen, Ukrainern, Serben und Mazedoniern verwendet. Dagegen
übernahmen die Polen, Tschechen, Slowaken, Slowenen und Kroaten mit
dem römisch-katholischen Glauben das lateinische Alphabet.
Bis heute sind die Bulgaren stolz auf KYRILL und METHODIOS, zwei in Saloniki
(heute Thessaloniki) geborene Brüder, die das kyrillische Alphabet
erfanden und damit zur Einigung der slawischen Völker beitrugen.