Machen uns Fremdwörter in der deutschen Sprache die deutsche Sprache fremd?
Dass die Diskussion um die Reinheit der deutschen
Sprache wieder oder immer noch aktuell ist, beweisen allein die
Veröffentlichungen zu diesem Thema.
Die Diskussion über die Beeinflussung bzw. Veränderung des Sprachschatzes durch Fremdwörter ist keine typisch deutsche Problematik und auch
nicht auf die unmittelbare Gegenwart beschränkt.
Fremdwörter
- ein Phänomen des 20./21. Jahrhunderts?
Bereits im Zeitalter des Barock
gab es Bestrebungen von Sprachgesellschaften, die die Beeinflussung der
deutschen Sprache durch Fremdwörter einzudämmen versuchten.
Der 1885 gegründete Allgemeine Deutsche
Sprachverein verband die Verfremdung
der deutschen Sprache sogar mit der Frage nach der nationalen Identität.
Natürlich ist die Sprache
Ausdruck einer kulturellen Zugehörigkeit und der persönlichen
Einstellung zu der den Sprecher unmittelbar beeinflussenden Umgebung.
Aber gerade deshalb ist die Sprache auch besonders geeignet, die sich
ständig entwickelnden Verhältnisse abzubilden, wie andere Medien,
z. B. bildende Kunst und Musik, auch. Die zunehmenden internationalen
Verflechtungen unserer Gesellschaft werden natürlich auch
durch die aufgenommenen Fremd- und Lehnwörter widergespiegelt.
Anglizismen -
Schuld an der "Verunreinigung"?
So wie in früheren Epochen gegen die "Verunreinigung" der
deutschen Sprache durch lateinische und französische Wörter
gekämpft wurde, sind es heute die Anglizismen,
gegen die sich vielfältige Proteste richten. Diesbezügliche
Diskussionen werden mittlerweile nicht nur von Sprachwissenschaftlern
geführt, sondern auch auf politischer Ebene. So forderte der ehemalige
Berliner Innensenator ECKART WERTHEBACH eine Art "Sprachreinigungsgesetz",
womit er sich an einem schon existierenden Gesetz in Frankreich orientierte.
Das Gesetz zum Schutz der französischen
Sprache, 1994 vom damaligen Kultusminister JACQUES TOUBON erlassen,
beschränkte die Anzahl der zu verwendenden Fremdwörter auch
im Bereich der Wirtschaft so stark, dass sich ein Rückgang ausländischer
Investoren abzeichnete und man die Limitierung in diesem Bereich wesentlich
zurücknehmen musste.
Unser heutiger
Wortschatz
Heute umfasst der deutsche (allgemeine)
Wortschatz zwischen 400 000
und 500 000 Wörter - etwa 3 500 bis 4 000 Wörter
davon sind Fremdwörter, die seit 1945 dazugekommen sind. Dabei sind
die Mehrzahl Fachwörter, die vorrangig im Bereich Wirtschaft
und in der Wissenschaft von
Spezialisten verwendet werden.
Viele in der Umgangssprache
verwendete Fremdwörter unterliegen auch einem sogenannten Zeitwert,
das heißt, man kann davon ausgehen, dass sie mit der Mode, aus der
sie entstanden, auch wieder verschwinden.
Letztendlich befinden die Bürger darüber, welche Fremdwörter
in den Sprachgebrauch integriert werden.
Ein großer Teil der Bevölkerung gebraucht nach Untersuchungen
lediglich ca. 3 000 Wörter in der mündlichen Kommunikation.
Gut ausgebildete Leute verwenden einen Gebrauchswortschatz von etwa 50 000
Wörtern.