Die Entwicklung
der Sprache vollzieht sich allmählich. Dabei sind die Übergänge
der einzelnen Entwicklungsphasen fließend. Trotzdem gibt es in der
Sprachentwicklung solche
umfassenden Veränderungen, die zu einer neuen Qualität
der Sprache führten und führen.
Gegenwärtig geht man davon aus, dass auf der Erde etwa 4 000 bis 5 000
gesprochene Sprachen existieren.
Schon seit mehr als 150 000 Jahren wird mündlich kommuniziert, während
sich die Schriftsprache erst
vor ca. 5 000 Jahren entwickelte.
In der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft werden Sprachen in sogenannten Sprachfamilien zusammengefasst. Die bekannteste Sprachfamilie
ist die indoeuropäische oder indogermanische Sprachfamilie.
Sprachfamilie und Sprachstamm
Sprachen, die auf eine gemeinsame Grundsprache zurückgehen, werden
als Sprachfamilie bezeichnet.
So sind Sprachfamilien Gruppen von Sprachen, die
Die Familie der heutigen indoeuropäischen
Sprachen ist weit verzweigt. Geografisch reicht sie von Spanien bis
Indien.
Die deutsche Sprache gehört
zum Zweig der westgermanischen Sprachen. Hierzu zählen auch das Englische,
Holländische und das Friesische. Das Schwedische, Norwegische, Dänische
und Isländische bilden den nordgermanischen Zweig.
Nach dem Vorbild der indoeuropäischen
Sprachfamilie wurden weitere Sprachfamilien erschlossen.
Weitere Sprachfamilien sind:
Europäische und asiatische Sprachfamilien:
Finnougrisch:
Estnisch, Finnisch, Ungarisch, Lappisch
Altaisch:
Mongolisch, Türkisch, einige kaukasische Sprachen,
Japanisch,
Koreanisch
Sinotibetisch:
Birmanisch, Kambodschanisch, Chinesisch, Laotisch, Thai, Vietnamesisch,
Tibetisch
Drawidisch:
Malayalam, Kannada, Tamil, Telugu
Malaiopolynesisch:
Bahasa, Indinesia, Balinesisch, Javanisch, Malagasy, Malaiisch, Tagalog,
Formosasprachen
Afrikanische Sprachfamilien:
Niger-Kongo:
Akan, Ibo, Yoruba, Luganda, Swahili, Zulu, Bambara
Khoisanisch:
Buschmann, Hottentot, Xhosa
Afroasiatisch:
Amharisch, Arabisch, Berber, Chad, Galla, Hausa, Hebräisch, Somali
Amerikanische Sprachfamilien:
Quechua, Maya, Eskimo-Aleutisch, Athabiaskisch, Irokesisch, Sioux, Tupi-Guarani, Utoaztekisch, Hokanisch, Mosanisch
Sprachfamilie
Um eine Sprache einer Sprachfamilie
zuzuordnen, wird die Übereinstimmung lexikalischer und morphologischer
Elemente verlangt. Solche morphologischen
Elemente können die ersten Grundzahlen, der Grundwortschatz wie
Mutter und Vater sein.
Am Beispiel des Wortes Mutter lässt sich z.B. eine Verwandtschaft innerhalb der indoeuropäischen Sprachfamilie nachweisen:
| Altindisch | mata |
| Altirisch | mathir |
| Altgriechisch | maetaer |
| Altenglisch | modor |
| Lateinisch | mater |
| Althochdeutsch | muoter |
So wie Sprachen zu Sprachfamilien zusammengefasst werden, werden Sprachfamilien zu Sprachstämmen
vereinigt. Die Zuordnung einzelner Sprachfamilien zu Sprachstämmen
wird in der Forschung noch stark diskutiert. In der weiteren Zusammenfassung
der Sprachen in Stämmen ist das Bemühen zu erkennen, die Frage
zu lösen, ob alle Sprachen miteinander verwandt sind. Die Aufstellung
eines globalen Stammbaums könnte so auch auf eine einzige Ursprache
hinweisen.
Ein anderes Modell geht davon aus, dass sich an verschiedenen Orten unabhängig
voneinander unterschiedliche Sprachen entwickelt haben.
Eventuell können sich beide Modelle verbinden, wenn z. B. nachgewiesen
werden kann, dass die Sprachen zwar an unterschiedlichen Orten entstanden,
aber ein einziger Zweig alle anderen verdrängt hat. Diese Aufgabe
ist von der Wissenschaft noch zu lösen.