
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde die deutsche Kultur um ihre Vielfalt gebracht. Musiker, Maler, Schriftsteller, Philosophen erklärten ihre Gegnerschaft zum nationalsozialistischen Regime.
Exilliteratur
Exilliteratur zu lat. exilium
bedeutet Verbannung. Bereits OVID schrieb einen Teil seines Werkes in
der Verbannung. HEINRICH HEINE schrieb im Pariser Exil u. a. "Deutschland,
ein Wintermärchen". AUGUST VON PLATEN ging ins selbst gewählte Exil nach
Italien. Auch nach der Oktoberrevolution in Russland (1917) und nach der
faschistischen Machtübernahme in Italien (1922) verließen Schriftsteller
ihre Heimatländer.
Exil in der Nähe der Heimat
Die Autoren, die nach 1933 aus Deutschland fliehen mussten, suchten zunächst
in den Nachbarländern Deutschlands ein Exil (Bild 1). Großen Teils glaubten sie, HITLERs Herrschaft
würde nicht lange dauern.
Im französisch besetzten Saargebiet
hielten sich GUSTAV REGLER (1898-1963) und THEODOR BALK (1900-1974)
auf, bevor sie in andere Länder emigrierten. Nur knapp zwanzig Autoren
entschieden sich für Österreich als "Asylland wider Willen",
obwohl der Vorteil der deutschen Muttersprache auf der Hand gelegen hätte
(CARL ZUCKMAYER).
Die exilierten Autoren waren finanziell nicht abgesichert und zudem in
nicht deutschsprachigen Ländern isoliert von der vertrauten Sprache.
Schwierig wurde zuweilen die Verständigung in der Sprache des Exils.
Nur wenige Autoren (etwa THOMAS MANN und LION FEUCHTWANGER) hatten ein
relativ sorgenfreies Leben im Exil. Materielle Not zwang viele, in ihnen
fremden Berufen zu arbeiten. Oft jedoch wurde eine Arbeitserlaubnis verweigert.
Hilfsorganisationen, wie die "American Guild for German Cultural
Freedom" (ab 1935), unterstützten diese Autoren finanziell.
Bevorzugte Stadt in der Tschechoslowakei
wurde Prag. Die Hauptstadt der Tschechoslowakei
hatte einen bedeutenden Vorteil für die deutschen Exilanten: Durch
ihre ehemalige Zugehörigkeit zum österreichisch-ungarischen
Kaiserreich gab es dort ansässige Deutsche und deutsch sprechende
Juden und Tschechen. Man hatte also ein potentielles Publikum, denn vom
heimatlichen waren die Exilanten abgeschnitten.
WIELAND HERZFELDE führte in Prag seinen Malik-Verlag weiter und gab
mit ANNA SEGHERS und OSKAR MARIA GRAF die antifaschistisch orientierten
"Neuen Deutschen Blätter" heraus.
THOMAS MANN (1875-1955) gab in der Schweiz
die Zeitschrift "Maß und Wert. Zweimonatsschrift für freie
deutsche Kultur" heraus.
WOLFGANG LANGHOFFs (1901-1966) "Die
Moorsoldaten" erschien 1935 im Schweizer Spiegel Verlag. Der
"unpolitische Tatsachenbericht" erzählt von LANGHOFFs Aufenthalt
im KZ Börgermoor im Emsland. Hier schrieb er auch gemeinsam mit JOHANN
ESSER die Lagerhymne.
1936 wurde LANGHOFF, der seit 1934 als Schauspieler am Zürcher Schauspielhaus engagiert war, aufgrund seines Buches von den NS-Behörden die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. LANGHOFF war einer der letzten, die in der Schweiz Unterschlupf fanden. Die Schweiz erklärte 1942 "das Boot" für voll und verfügt einen rigorosen Einwanderungsstopp.
In Amsterdam erschien "Die
Sammlung" (Herausgeber war KLAUS MANN) (1906-1949). In Paris
wurde die "Deutsche Freiheitsbibliothek" von ALFRED KANTOROWICZ
(1899-1979) gegründet. Dort etablierten sich auch die "Éditions
du Carrefour", ein von WILLI MÜNZENBERG gegründeter Verlag,
der ausschließlich in deutscher Sprache veröffentlichte. Bis
1937 erschienen rund 56 Bücher oder Broschüren, darunter englische
und französische Übersetzungen, z. B. ARAGONs "Glocken von
Basel" oder MALRAUX "Die Zeit der Verachtung". Die
kleine Stadt Sanary-sur- Mer
an der französischen Mittelmeerküste war bis 1939 ein Zufluchtsort
vieler deutscher Exilschriftsteller. Dort hielten sich zeitweise auf:
BERTOLT BRECHT, LION FEUCHTWANGER, FRANZ WERFEL und die Familie von THOMAS
MANN.
WILLI BREDEL war 1936-1939 zusammen mit FEUCHTWANGER und BRECHT Mitherausgeber
der Moskauer Zeitschrift "Das
Wort".
Nach dem Überfall auf Polen am 1. September 1933, der den Beginn
des Zweiten Weltkrieges markiert, konnten nur wenige Autoren
in Europa bleiben (Bild 2). PETER WEISS (1916-1982) blieb im neutralen
Schweden, ELIAS CANETTI (1905-1994) in Großbritannien und ROBERT
MUSIL (1880-1942) in der Schweiz.
Autoren wie KLAUS MANN, STEFAN ZWEIG, KURT TUCHOLSKY und CARL EINSTEIN
(1885-1940) gingen an ihrer Exilsituatuion zugrunde und wählten
den Freitod.
Exil in Amerika
Wichtigstes Zentrum der Emigration kommunistischer oder der KPD nahestehender
Autoren im westlichen Exil der Kriegsjahre wurde Mexiko. Die Schriftsteller ANNA SEGHERS, EGON ERWIN KISCH, LUDWIG RENN, BODO UHSE
sowie Parteifunktionäre wie PAUL MERKER (1894-1969), Otto Katz
(1893-1952, hingerichtet), ALEXANDER ABUSCH (1902-1982) und
zahlreiche weitere ließen sich dort nieder. Mit GUSTAV REGLER kam
auch ein ehemaliges KPD-Mitglied, das allerdings Anfeindungen vonseiten
der KP-Mitglieder ausgesetzt war. Auch der österreichische Journalist
BRUNO FREI (1897-1988) gelangte nach der Besetzung seiner Heimat
durch die Nationalsozialisten ins Exilland Mexiko.
Bereits in den Zwanzigerjahren war RET MARUTnach Mexiko gekommen. Er
veröffentlichte unter dem Pseudonym B. TRAVEN. Als wichtigster Exilrusse
in diesem mittelamerikanischen Land darf wohl LEO TROTZKI (1879-1940,
eigentlich BRONSTEIN) gelten. TROTZKI wurde 1940 in Mexiko City vom sowjetischen
Geheimdienst ermordet.
HEINRICH GUTMANN gründete im Frühjahr 1938 die Liga Pro-Cultura
Alemana.
EGON ERWIN KISCH, ANNA SEGHERS, BRUNO FREI u. a. gründeten im November
1941 die Zeitschrift "Freies
Deutschland". Sie erschien bis Mitte 1946 in einer Auflagenhöhe
von 4 000 Exemplaren. HEINRICH MANN, LION FEUCHTWANGER, OSKAR MARIA GRAF,
FERDINAND BRUCKNER, ERNST BLOCH und andere veröffentlichten Beiträge
in dieser Zeitschrift.
Im November 1941 wurde der Heinrich-Heine-Klub
gegründet, dem ANNA SEGHERS als Präsidentin vorstand. Hier veranstaltete
man
Die Gründung des Exilverlages "El Libro Libre" gab den Autoren die Möglichkeit, ihre Werke auf deutsch zu veröffentlichen. Hier erschien
BODO UHSE beschäftigte sich bereits im Exil mit Mexiko. Seine literarischen
Bearbeitungen mexikanischer Stoffe, die später als Sammelband "Mexikanische
Erzählungen" (1957) erschienen, wurden bereits in der Exilpresse
veröffentlicht. Auch GUSTAV REGLERs Beschäftigung mit dem Land
seines Exils schlug sich in dem Band "Vulkanisches Land" (1947)
nieder.
In Mexiko ensteht SEGHERS Novelle "Der Ausflug der toten Mädchen"
(1943) und der Roman "Transit", in dem sie die Erfahrungen des
Exils in Frankreich und die Bemühungen um eine Überfahrt nach
Mexiko wieder gegeben hat. Ihre Mexiko-Erfahrungen verarbeitete SEGHERS
jedoch erst nach dem Exil u. a. in "Das
wirkliche Blau".
"Der Ausflug
der toten Mädchen" beschreibt aus der zeitlichen Entfernung
den Schulausflug einer Mädchenklasse in der Zeit vor dem Zweiten
Weltkrieg und welches Schicksal die Herangewachsenen durch die Zeit des
Nationalsozialismus nehmen. Netty (der richtige Name der Erzählerin
ANNA SEGHERS war NETTY REILING) überlebt als einzige durch ihre Flucht
ins Exil. Ihre Klassenkameradinnen sterben durch Denunziation, Bomben,
Selbstmord ...
SEGHERS stellt nicht vordergründig die Schuldfrage. Ihr geht es darum, zu analysieren, welchen Anteil der einzelne am Zustandekommen und Funktionieren des nationalsozialistischen Systems hat und welche Auswege es gibt, sich dem Terror zu verweigern. Dies wird auch in ihrem Roman "Das siebte Kreuz" deutlich. Bei einem Ausbruch aus dem Konzentrationslager gelingt nur einem der sieben Häftlinge die Flucht. Das siebte Kreuz im Lager, bestimmt für Georg Heisler, bleibt leer. Aber es bleibt nur deshalb leer, weil die Menschen, die Heisler unterwegs begegnen, sich entscheiden müssen, ob sie ihm helfen wollen oder nicht. Und er findet sie durch alle Bevölkerungsschichten hinweg. Dass ausgerechnet der Selbstzweifler Heisler in die Freiheit entweichen und sich diese dauerhaft sichern kann, deutet auf die große Chance hin, die die Kraft der Solidarität besitzt. Diese Sicht wird im "Ausflug der toten Mädchen" relativiert, die Hauptfigur Netty kann sich nur durch Flucht ins Ausland retten. Alle anderen sind dem Tode geweiht, weil sie auf die eine oder andere Art mitmachen, stillhalten oder aber aktiv in das System involviert sind.
Wichtig für die Exilanten wurden auch die USA. Zentren des US-Exils waren New York an der Ostküste und Los Angeles / Santa Monica an der Westkünste. BERTOLT BRECHT, LION FEUCHTWANGER, die Brüder THOMAS und HEINRICH MANN fanden hier Zuflucht.
Allerdings sah der "Immigration
Act" von 1924 für Deutschland und Österreich lediglich
eine jährliche Zuwanderung von 27 230 Personen vor. Nach Kriegsausbruch
wurde die Limitierung nicht verändert, sodass vorwiegend wegen ihres
Glaubens Geflüchtete Asyl in den USA erhielten und nur 5 % politische
Verfolgte.
Der "Aufbau", seit 1934
in New York verlegt, wurde zur wichtigsten literarischen Zeitschrift des
US-Exils. Allerdings erst 1945 wurde dort mit dem "Aurora-Verlag"
ein deutschsprachiger Verlag gegründet. Seit 1942 erschien die Avantgarde-Zeitschrift
"Decision", herausgegeben vom seit 1938 in den USA lebenden
KLAUS MANN. 1936 wurde in New York die "Deutsche Akademie der Künste
und Wissenschaften im Exil" unter ihren Präsidenten THOMAS MANN
und SIGMUND FREUD gegründet. Mitglieder waren HEINRICH MANN, STEFAN
ZWEIG, FRITZ UNRUH, FRANZ WERFEL, ALFRED DÖBLIN, JOSEPH ROTH, ROBERT MUSIL,
BERTOLT BRECHT ERWIN PISCATOR u. a.
In Südamerika gab es mit Argentinien (BALDER OLDEN, PAUL ZECH), Brasilien (STEFAN ZWEIG), Uruguay, Bolivien, Kolumbien und Chile wichtige Exilländer. In Santiago de Chile erschienen ab 1943 die konservativ orientierten "Deutschen Blätter".
Exil in der Sowjetunion
Das sowjetische Exil
war das wichtigste europäische Exilland und wurde vor allem von linksbürgerlichen
und kommunistischen Autoren genutzt.
Allerdings war es auch das problematischste
Exil.
Schon in den Zwanzigerjahren hatten eine gewisse Anzahl Deutscher als
Experten in der Sowjetunion gearbeitet. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten
gab es kaum einen Rückweg nach Deutschland. Gemeinsam mit den nach
1933 emigrierten Anhängern oder Mitgliedern der KPD waren sie seit
1937/1938 einem beispiellosen Terror ausgesetzt. Die paranoide Suche des
russischen Geheimdienstes NKWD nach Volksfeinden führte zu
Schätzungsweise 70 Prozent der deutschen Emigranten kosteten die
Stalinschen Säuberungen das Leben.
Der Mord an SERGEI KIROW, dem "Liebling der Partei", diente
als Vorwand, sich missliebiger Funktionäre
zu "entledigen".
Nun traf es Arbeiter und Intellektuelle:
Der Terror machte vor Ausländern nicht halt:
FRIEDRICH WOLF und
andere
FRIEDRICH WOLF emigrierte
über Österreich, Schweiz und Frankreich nach Moskau. Zwischen
1933 und 1945 lebte er dort. Wie fast alle in die UdSSR emigrierten Autoren
nahm er am Spanischen Bürgerkrieg teil und wurde nach Ausbruch des
Zweiten Weltkrieges in Frankreich zeitweise interniert. Sein Stück
"Professor Mamlock" wurde 1934 in Zürich uraufgeführt.
Die deutsche Botschaft versuchte, das Stück absetzen zu lassen.
JOHANNES R. BECHER emigrierte
über Österreich, Tschechoslowakei, Schweiz und Frankreich in
die UdSSR und lebte zwischen 1935 und 1945 in Moskau, er betreute als
Chefredakteur die Zeitschrift "Internationale Literatur".
HEDDA ZINNER (1905-1994) emigrierte mit ihrem Mann FRITZ ERPENBECK
(1897–1975) 1933 in die UdSSR und lebte in Ufa in der Baschkirischen ASSR.
Auch WILLI BREDEL kam über die Tschechoslowakei in die Sowjetunion
und und engagierte sich während des Zweiten Weltkrieges im "Nationalkomitee
Freies Deutschland".
Aber auch Autoren anderer Nationalitäten
fanden in der UdSSR Asyl: Der französische Autor JEAN-RICHARD BLOCH
(1884-1947) emigrierte 1940 in die UdSSR.
Innere Emigration
Autoren, die zwar das Hitler-Regime ablehnten, aber sich nicht entschließen
konnten, ins Ausland zu gehen, nennt man Innere
Emigration. Diese Schriftsteller ließen sich auf unterschiedliche
Art und Weise mit dem deutschen Nationalsozialismus ein. Die meisten von
ihnen veröffentlichen heitere Geschichten (EHM WELK, ERICH KÄSTNER)
oder arbeiteten als Dramaturgen bzw. Szenaristen für den deutschen
Film. Einige hatten quasi Berufsverbot und konnten, wenn, dann nur unter
Pseudonym arbeiten (ERICH KÄSTNER).
Autoren, die keinen Ausweg aus ihrer verzweifelten Lage mehr sahen, wählten
den Freitod (JOCHEN KLEPPER, er war mit einer Jüdin verheiratet,
ließ sich jedoch nicht – wie viele in seiner Lage – von seiner Frau
scheiden. Als die Deportation der Familie bevorstand, wählte sie
den Freitod).
Die Debatte um innere und äußere
Emigration
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Debatte ausgelöst, wer nun
das "schwerere Los" gehabt hätte, die Exilanten oder die
im Lande Gebliebenen: Man nennt dies die "Debatte
um innere und äußere Emigration".
WALTER VON MOLO hatte THOMAS MANN 1945 um Rückkehr gebeten. Als dieser nicht gleich euphorisiert nach Deutschland reiste, sondern MOLO seine Bedenken mitteilte, löste das einen Sturm der Entrüstung aus. Gewiss hatte sich MANN keine Freunde geschaffen, als er gestand, dass Bücher, die während der Zeit des natzionalsozialismus gedruckt wurden, "...weniger als wertlos und nicht in die Hand zu nehmen [seien]. Ein Geruch von Blut und Schande haftet ihnen an. Sie sollten eingestampft werden."
"Wollt ihr Thomas Mann wiederhaben?" war dann auch eine Meinungsumfrage
in Bayern übertitelt.
Den inneren Emigranten bescheinigte FRANK THIESS (1896-1977) in der
darauf folgenden Debatte ein höheres Maß an Verständnis
für die Befindlichkeiten der Deutschen:
"Ich glaube, es war schwerer, sich hier seine Persönlichkeit zu bewahren, als von drüben Botschaften an das deutsche Volk zu senden ..."
Meinungen, wie "Eine Kritik über sein Heimatland üben
kann nur der, der in der schlimmsten Zeit dort gelebt hat", waren
nicht selten.
ALFRED POLGAR (1873-1955) äußerte:
"Die Fremde ist nicht Heimat geworden. Aber die Heimat Fremde".
und ALFRED DÖBLIN schrieb in "Abschied und Wiederkehr" (1946):
"Und als ich wiederkam, da – kam ich nicht mehr wieder."
"Heimkehr in die Fremde", "Unter Vorbehalt", "Besuch
in der Heimat" lauteten stichwortartig damals die Haltungen vieler
Remigierter.
THOMAS MANN entschloss sich, im Exil zu bleiben, da ihm "Deutschland
doch recht fremd geworden" war. Mit ihm blieben GEORG GLASER (1910-1995),
GÜNTHER ANDERS (1902-1992), WALTER MEHRING, NELLY SACHS (1891-1970)
u. a. in den Exilländern.
Eine gewisse Versöhnung
von Geist und Macht strebten sicher viele der in die sowjetische Besatzungszone
remigrierten Autoren an. Jedoch ließ sich angesichts der lediglich
postulierten "führenden Rolle der Arbeiterklasse" und den
beständigen Eingriffen der Parteiführung in die Kunstproduktion
ein Bündnis zwischen Geist und Macht nicht verwirklichen.
Schriftsteller, die ins Exil gegangen waren, fielen zu einem gewissen
Teil dem Vergessen anheim. HANS
SAHL (1902-1993), der mit DÖBLIN, ROTH, MEHRING und KLAUS MANN
den "Bund Freie Presse und Literatur" in New York gegründet
hatte, ist heute fast unbekannt.
Andererseits gab es auch neue
Talente, die für einen Moment oder für Jahrzehnte das literarische
Leben in Deutschland mitbestimmten, wie JOHANNES BOBROWSKI und WOLFGANG
BORCHERT, die aus dem Krieg heimgekehrt waren oder PAUL CELAN, der sein
wesentliches Werk erst nach dem Holocaust schreiben konnte.
Erst 1954 kehrte HILDE DOMIN (d. i. HILDE PALM, geb. 1912) aus ihrem Exil
in der Dominikanischen Republik nach Deutschland "... als Bot(i)n
der Versöhnung ins Sprachzuhause zurück". Weiterer fünf
Jahre bedurfte es, bis sie ihren ersten Gedichtband ("Nur eine Rose
als Stütze", 1959) veröffentlichen konnte.
Ihre Gedichte seien als "Erfahrung als Jüdin und als Antwort
auf die Emigration und den Holocaust" geschrieben, äußerte
die Autorin mehrfach.