
Trotz finanzieller Schwierigkeiten besuchte Konrad 1837 bis 1846 das
Gymnasium in Wesel
und legte dort 1846 das Abitur mit einem insgesamt recht guten Zeugnis. ab. Zu seinen Leistungen im Fach Deutsch wurde allerdings einschränkend
festgestellt: "Sein deutscher Stil ist korrekt
und zeugt von Nachdenken; die Kenntniß der Litteratur ist befriedigend."
1846 ging er an die Universität
Bonn, um Philosophie, klassische Philologie, Geschichte und deutsche
Sprache und Literatur zu studieren. Bonn war in jenen Jahren zu einem
Zentrum der antifeudalen Studentenbewegung geworden. Professor ERNST
MORITZ ARNDT - der in den Befreiungskriegen 1812/13 gegen
Napoleon eine Rolle gespielt hatte und wegen seines politischen Engagements
von den preußischen Behörden mehrfach gemaßregelt wurde
- lebte dort. Die Burschenschaft
- 1818 in Jena gegründet - spielte in dieser Zeit eine
große Rolle. DUDEN war vom Gedankengut der Burschenschaft begeistert
und schloss sich bald nach seiner Ankunft in Bonn ihrem fortschrittlichen
Flügel, der bürgerlich-demokratisch ausgerichteten Korporation
"Germania", an.
Er trat für politische Freiheit, für die Reichseinheit und eine
demokratische Verfassung ein.
1848 brach DUDEN nach nur vier Semestern sein Studium ab, vermutlich weil
seine Familie nicht länger in der Lage war, es zu finanzieren, aber
auch, weil die Aussicht, nach bestandenem Examen als Lehramtskandidat
an einer öffentlichen Schule meist jahrelang ohne Bezahlung arbeiten
zu müssen, für ihn nicht erstrebenswert war. DUDEN nahm eine
Stellung als Hauslehrer in
Frankfurt am Main an. Bei der Wahl der Hauslehrerstelle bei Familie SOUCHAY
hatte DUDEN ausgesprochenes Glück, denn so erlangte er nicht nur
eine gewisse finanzielle Sicherheit, sondern konnte auch seine Sprachkenntnisse
durch längere Auslandsreisen vertiefen. Er hatte Kontakt zu verschiedenen
Vertretern des gebildeten Bürgertums und gewann an gesellschaftlichen
Erfahrungen. Es blieb ihm auch noch genügend Zeit, seine in Bonn
begonnenen Studien fortzuführen. So konnte er sich nach 6 Jahren
doch noch der Staatsexamensprüfung
stellen. Er bestand das Examen mit "Im ganzen befriedigend"
und erhielt die Empfehlung, nicht nur sein Wissen in deutscher Literaturgeschichte,
sondern auch in deutscher Grammatik zu verbessern.
Im Alter von 25 Jahren begann DUDEN am bekannten Archigymnasium
in Soest zu arbeiten. Durch einen Ministerialerlass wurde DUDEN die Probezeit
erlassen, und es wurde ihm gestattet, wieder eine Hauslehrerstelle anzunehmen.
Dies tat er im gleichen Jahr bei einem Kaufmann namens GUSTAV JACOB, der
nahezu das ganze Jahr in Genua in Oberitalien lebte. Er lernte dessen
Tochter ADELINE JACOB kennen, die später seine Frau wurde. Während
der Probezeit in Soest schrieb DUDEN an seiner Dissertation.
Im Dezember wurde er Doktor der Philosophie.
Im Jahre 1858 verwirklichte DUDEN sein eigentliches Berufsziel und wurde
Lehrer am Archigymnasium in Soest. 1861 heiratete er ADELINE JACOB. Es
wurden die Kinder GUSTAV (1862-1927), JULIA (1863-1944), KONRAD
(1864; starb als Kind), PAUL (1868-1954) und weitere vier zwischen
1870 und 1875 (EDUARD, BERTHA, KURT und KARL) geboren. DUDEN wurde aufgrund
seiner Tätigkeit am Archigymnaiusm und seines öffentlichen Engagements
für die Stadt bald beliebt und bekannt. Auch außerhalb des
Unterrichts beschäftigte er sich mit pädagogischen Problemen.
1868 erhielt er die Berufung zum Direktor nach Schleiz an das Gymnasium
"Rutheneum".
Gleich am Anfang seiner Tätigkeit begann DUDEN das Gymnasium zu reformieren.
Er führte einen neuen Lehrplan
ein und passte so die Schule den Bedürfnissen der Zeit an. In Deutschland
war die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts durch zunehmende Industrialisierung
aufgrund der Entwicklung von Naturwissenschaft und Technik gekennzeichnet.
So verlängerte DUDEN die Schulzeit von 7 auf 9 Jahre für die
Abiturreife, führte sogenannte Realklassen
ein, in denen verstärkt Naturwissenschaften, Mathematik und Sprachen
gelehrt wurden und die ihren Abschluss (mittlere Reife) nach der 10. Klasse
machten. Er änderte die Lehrpläne der einzelnen Klassen, sodass
einige Fächer wie Schönschreiben und Tonlesekunst wegfielen,
kürzte den Religionsunterricht, integrierte musische Fächer,
wie Turnen und Singen, und legte besonders auf die pädagogische und
wissenschaftliche Qualifizierung seiner Lehrer Wert.
Neben der Schule engagierte sich DUDEN auch im öffentlichen
Leben. So gründete er 1871 den
"Allgemeinen Bildungsverein",
der mit einer heutigen Volkshochschule vergleichbar war. Dieser Verein
diente der Bildung von Jugendlichen, die kein Gymnasium besuchen konnten.
Der Verein besaß eine eigene Bibliothek, die für "ganz
Unbemittelte" kostenlos offen stand.
1876 ging er von Schleiz an das Hersfelder Gymnasium. Ähnlich wie
das Schleizer Gymnasium bedurfte auch dieses umfangreicher Reformen, die
DUDEN trotz seines eigentlichen Hauptziels, der Reform
der Rechtschreibung, durchsetzte. Trotz seiner starken Arbeitsbelastung
fand DUDEN aber noch genügend Zeit am geselligen
Leben teilzunehmen. Seine rheinische Fröhlichkeit und sein
Witz erfreuten sich größter Beliebtheit.
Folgende Anekdoten sprechen für sich. Einer jungen Dame, die DUDEN
fragte, ob das Erlernen der englischen Sprache schwer sei, antwortete
er: "Keineswegs, Sie brauchen nur immer für
die deutschen Wörter die entsprechenden englischen einzusetzen."
Bei einer anderen Gelegenheit gewann er eine Wette gegen einen Justizrat,
der sich mit seinen guten Sprachkenntnissen brüstete. DUDEN behauptete,
einen im Deutschen einwandfreien Satz mit sechsmal "die" hintereinander
zu kennen. 50 Flaschen Wein waren der Gewinn für DUDENs Satz "Die,
die die, die die Dietriche erfunden haben, verdammen, tun Unrecht."
Generationen von Hersfelder Gymnasiasten haben bei DUDEN ihr Abitur abgelegt.
1894 konnte er sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als
Direktor und 1904 sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum feiern.
1905 beendete er den Schuldienst und trat in den Ruhestand.
Er zog schon wenige Tage danach mit seiner Frau nach Wiesbaden-Sonnenberg.
Dort verbrachte er die letzten Lebensjahre und arbeitete hauptsächlich
an weiteren Ausgaben seines Rechtschreibwörterbuches.
1911 erlebte er noch die Veröffentlichung der 8. neu bearbeiteten
Auflage des "Orthographischen Wörterbuches".
Kurz nach der Feier seiner goldenen Hochzeit erkrankte DUDEN und starb
wenige Tage später am 1. August 1911 im Alter von 83 Jahren.
Vier Jahre nach seinem Tod kam die 9. und 1929 die 10. Auflage -
erstmals mit dem Titel "Der große Duden" - heraus.
Im Jahre 2006 erschien der "Duden - Die deutsche Rechtschreibung"
als 24. Auflage mit 125 000 Stichwörtern, 500 000 Beispielen, Bedeutungserklärungen
und Angaben zur Worttrennung, Aussprache, Grammatik und Etymologie.
Lebenswerk
Schon zu Beginn seiner Lehrtätigkeit
sah DUDEN den bedauerlichen Zustand der deutschen
Rechtschreibung seiner Zeit. Die Ortografie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch
Uneinheitlichkeit, Willkür und Verwirrung. Zwar hatten mehrfach Grammatiker
und Schriftsteller wie ZESEN, KLOPSTOCK und ADELUNG Möglichkeiten
der Verbesserung vorgeschlagen, aber die Uneinheitlichkeit nahm eher zu.
Besonders herauszuheben ist allerdings die Leistung JACOB GRIMMs, der feststellte, dass die deutsche Rechtschreibung nicht einheitlichen
Prinzipien folge und in vielen Punkten unzweckmäßig sei. Er
schlug deshalb vor, sie nach dem Vorbild des Mittelhochdeutschen umzugestalten
– also eine Sprachreform durchzuführen, die aber nicht durchgesetzt
werden konnte. Allerdings hätte GRIMMs historische Ortografie den Zustand noch verschlimmert.
Zu Beginn seiner Arbeit als Direktor in Schleiz verlangte DUDEN von seinen
Lehrern die Anwendung einheitlicher Rechtschreibregeln,
die er formulierte. Diese aufgestellten Regeln wurden 1871 mit kurzen
Erläuterungen unter dem Titel "Zur
deutschen Rechtschreibung" im Jahresbericht des Schleizer
Gymnasiums veröffentlicht. Sie verbreiteten sich schnell deutschlandweit
und so verwundert es nicht, dass schon 1872 beim Verlag
B. G. Teubner "Die Deutsche Rechtschreibung" mit dem Untertitel
"Abhandlungen, Regeln und Wörterverzeichniß mit etymologischen
Angaben" für die "oberen Klassen höherer Lehranstalten
und zur Selbstbelehrung für Gebildete" erschien. Dieses Buch,
das 160 Seiten umfasst, enthielt neben den Rechtschreibregeln auch eine
Abhandlung über die deutsche Rechtschreibung und ein Wörterverzeichnis.
Trotz erster Erfolge war der Durchbruch für eine einheitliche
Rechtschreibung schwierig. Die 1.
Orthographische Konferenz 1876 endete mit einem Fiasko. Es erfolgte
keine Einigung auf eine allgemeingültige gesamtdeutsche Rechtschreibung.
Die Regierungen der größeren deutschen Länder wie Preußen,
Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden gaben wie bisher eigene orthografische
Regelbücher heraus. Schulorthografien waren seit den 1850-er Jahren in den deutschen Ländern erschienen. DUDEN benutzte die von W. WILMANNS für die preußischen Schulen entwickelten Regeln.
Doch DUDEN gab nicht auf. In mühevoller Kleinarbeit verglich er die
Regelbücher und kam zu dem Schluss, dass sie sich bei der Behandlung
einzelner Wörter zum Teil erheblich unterschieden, dass sie aber
auf ähnlichen allgemeinen Prinzipien beruhten und bei gutem Willen
aller Beteiligten eine Vereinheitlichung möglich wäre.
1880 legte DUDEN sein
"Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen
Sprache" mit ca. 28 000 Stichwörtern vor (Abb. 2). Gegenüber
dem "Schleizer Duden"
von 1872 ist das "Vollständige Orthographische Wörterbuch"
von 1880 der erste auf amtlichen
Festlegungen für ganz Deutschland beruhende Ratgeber
zur deutschen Rechtschreibung. Damit stellt dieses Buch also den ersten
"Duden" dar, der im Verlag
Bibliographisches Institut in Leipzig - wie sämtliche nachfolgenden
Auflagen - erschien.
Dieser "Duden" war für die Schule gedacht, aber auch Setzer,
Drucker und Korrektoren benutzten ihn für ihre Arbeit. Wegen der
großen Nachfrage erlebte der "Duden" bereits 1882 die
erste Neuauflage. Die dritte Auflage 1887 wurde gründlich überarbeitet
und um ca. 1 000 Wörter erweitert. Die 4. Auflage im Jahre 1893 berücksichtigte
in der Literatur vorkommende mundartliche Ausdrücke und auch schweizerisches
Wortgut. Außerdem wurden erstmals systematisch Fachwörter
aus Technik und Landwirtschaft aufgenommen. In der 5. Auflage (1897) wurden
zusätzlich Fachwörter der Seefahrt aufgenommen, in der 6. Auflage
militärische Fachwörter.
Nach der 2. Orthographischen
Konferenz 1901 in Berlin hielt der "Duden" nun auch in die
deutschen Amtsstuben Einzug, was bisher aufgrund des heftigen
Widerstandes FÜRST BISMARCKs verhindert worden war. Ergebnis der Konferenz
war die 7. Auflage des Dudens mit dem Titel "Orthographisches Wörterbuch
der deutschen Sprache - nach den für Deutschland, Österreich
und die Schweiz gültigen amtlichen Regeln" mit über 7 000
Stichwörtern mehr als in der 1. Auflage. Da der Arbeitsaufwand für
einen Mann allein zu groß war, bildete sich die sogenannte "Dudenredaktion"
am Bibliographischen Institut, die auch heute noch die Neuauflagen des
"Dudens" bearbeitet.