

Entstehung
und Handschriften des "Nibelungenliedes"
Das Nibelungenlied ist der bedeutendste mittelhochdeutsche
Heldengesang.
Er entstand auf der Grundlage älterer germanischer Überlieferungen
um 1200 im Donauraum. Es liegen heute elf vollständige und 23 fragmentarische
Handschriften des
Nibelungenliedes vor, die aus der Zeit vom 13. bis zum 16. Jahrhundert
stammen. Die drei wichtigsten werden als A, B und C bezeichnet:
Eine Endfassung des Nibelungenliedes entstand wahrscheinlich zwischen 1198 und 1204, vermutlich im Umkreis des Bischofs Wolfger in Passau an der Donau.
Struktur des Nibelungenliedes
Das Nibelungenlied besteht
aus 39 Abschnitten ("Aventiuren", was neuhochdeutsch Abenteuer
bedeutet) und gliedert sich in zwei ursprünglich selbstständige
Teile:
Das Nibelungenlied (Audio 1, PDF 1) ist in etwa 2 400 Nibelungenstrophen, je vier paarweise reimende Langzeilen, abgefasst, wobei die letzte Halbzeile überlängt ist:
1
Uns ist in alten mæren / wunders vil geseit
von helden lobebæren / von grôzer arebeit,
von fröuden, hôchgezîten, / von weinen und von klagen,
von küener recken strîten / muget ir nu wunder hren sagen.
2
Ez wuohs in Búrgónden / ein vil édel magedîn,
daz in allen landen / niht schoeners mohte sîn,
Kriemhilt geheizen: / si wart eine scoene wîp.
dar umbe muosen degene / vil verlíesén den lîp.
3
Der minneclîchen meide / triuten wol gezam.
ir muoten küene recken, / niemen was ir gram.
âne mâzen schoene / sô was ir edel lîp.
der juncvrouwen tugende / zierten ándériu wîp.
Beleg des Mittelhochdeutschen
Das Nibelungenlied belegt die sprachlichen Veränderungen, die sich
seit 1050 vollzogen und das Mittelhochdeutsche kennzeichneten. Das betrifft vor allem Folgendes:
Benennung des Nibelungenliedes
Die Benennung des Nibelungenliedes erfolgte nach einer germanischen Sagengestalt, dem König Nibelung
("Sohn des Dunkels"; verwandt mit Nebel). In der deutschen
Sage war "Nibelungen" die Bezeichnung für ein von einem
bösen Geist besessenes Zwergengeschlecht. Sie sind die Besitzer des
Nibelungenhortes, eines Goldschatzes, an den ein Fluch gekettet ist. Er
wird vom mächtigen Zwerg Alberich behütet. Siegfried besiegt
das elbische Zwergengeschlecht: Er tötet die Könige Nibelung
und Schildung und überwindet Alberich. Die Bezeichnung Nibelungen
übernimmt er für sich und seine Mannen. Nach dem Tod Siegfrieds
geht die Bezeichnung auf die Burgunderkönige über.
Zur Wirkungsgeschichte des Nibelungenliedes
Die Wirkungsgeschichte des Nibelungenliedes begann bereits vor der Zeit der Reformation.
Die alten germanischen Motive von Liebe, Krieg und Rache konnten in der
sich bildenden neuen Rittergesellschaft verstanden werden. Die realen
Fehden zwischen den Staufern und Welfen, den Schwaben und Sachsen etc.
konnten sich an denen des Nibelungenliedes messen lassen.
Die Wirkung des Nibelungenlieds auf Literatur und Kunst dauert bis heute
an. Bekannt sind u. a.:
