Die
fünf Satzarten
In unserer Sprache werden fünf Satzarten
unterschieden:
Unterhält man sich nur mündlich, hört man die Satzart
an der Intonation, das heißt
an der Stimmführung des Sprechers.
Im Schriftlichen stehen uns drei verschiedene Satzschlusszeichen zur Verfügung.
Kennzeichnend für alle Satzarten ist außer dem Satzschlusszeichen
die Stellung der finiten Verbform.
Die Wahl der Satzart hängt von der Absicht des Sprechers oder Schreibers
ab.
1. Der Aussagesatz
(Deklarativsatz)
Deklarieren kommt wie fast alle Begriffe in der Grammatik
aus dem Lateinischen und bedeutet erklären.
Im Aussagesatz erklärt man also etwas, man stellt es fest, sagt es
aus. Am Ende setzt man einen Punkt.
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Das ist eine wahre Aussage. Wenn wir den Satz sprechen,
fällt die Stimme am Satzende ab.
Die finite Verbform steht im Aussagesatz immer an zweiter Stelle.
2. Der Fragesatz
(Interrogativsatz)
An seinem Ende steht das Fragezeichen. Die Intonation
steigt am Satzende, die Stimme hebt sich.
Man hat zwei Möglichkeiten, Fragen zu stellen:
Entscheidungsfrage
Gehst du mit ins Kino?Der Gefragte kann nur mit ja oder nein antworten, er muss sich entscheiden.
Die finite Verbform steht an erster Stelle.Ergänzungsfrage
Was gab es heute zum Mittagessen?
Hier erfragt der Sprecher einen Teil
des Sachverhaltes, der ihm noch völlig
unbekannt ist.
Am Anfang dieser Fragen steht ein Fragewort (Interrogativpronomen
oder Interrogativadverb). Sie beginnen stets mit wer, wie, warum, wann,
wo, wozu.
Im Gegensatz zur Entscheidungsfrage steht die finite
Verbform in der Ergänzungsfrage an zweiter
Stelle, da die erste Stelle bereits vom Fragewort eingenommen wird.
Die Stimmführung ist auch weniger steigend, am Satzende eher fallend.
3. Der Aufforderungssatz
(Imperativsatz)
Mit dieser Satzart hat der Sprecher/Schreiber die direkte
Absicht, seinen Partner zu einer Handlung zu bewegen, ihn aufzufordern,
etwas zu tun oder zu lassen, ihn anzuleiten, zu bitten oder ihm einen
Befehl zu erteilen, denn das lateinische
imperare bedeutet herrschen (Imperator = Herrscher).
Komm bitte einmal zu mir!
Komm bitte zu mir!
Komm zu mir!
Komm!
Je nach Dringlichkeit
der Absicht nimmt sich der Sprecher Zeit zu bitten oder er fordert auf
oder er befiehlt. Mit der Absicht verändert
sich auch die Stimmführung. In den Beispielsätzen nimmt die
Entschiedenheit in der Stimme zu. Im ersten Satz ist die Bitte
sehr wohlwollend. Der Hörer könnte hier vielleicht noch ablehnen,
der Aufforderung zu folgen.
Im letzten Satz bleibt ihm keine Wahl. Befehl
ist Befehl!
Die Intonation ist fallend. Am Ende steht das Ausrufezeichen.
Die finite Verbform befindet sich in Spitzenstellung und im Imperativ
(Befehlsform).
4. Der Wunschsatz
(Desiderativsatz)
Wie beim Aufforderungssatz geht es dem Sprecher darum,
etwas zu realisieren, was noch nicht existiert.
Im Unterschied zum Aufforderungssatz wendet sich der Sprecher im Wunschsatz
nicht betont an einen Gesprächspartner, er fordert ihn nicht direkt
zu einer Handlung auf. Er hofft, dass
der gewünschte Sachverhalt eintritt:
Hörte es doch endlich auf zu regnen!
Wenn es doch endlich zu regnen aufhörte!
Spräche er nur etwas deutlicher!
Wenn er doch nur etwas deutlicher spräche!
Besäße ich doch endlich dieses Fahrrad!
Wenn ich doch endlich dieses Fahrrad besitzen würde!
Diese Wünsche sind sehr dringend, begleitet von starken
Gefühlen.
Die finite Verbform steht entweder
an erster Stelle oder,
wenn der Wunschsatz mit wenn eingeleitet wird, an letzter
Stelle.
Weil das Gewünschte mit der Wirklichkeit ganz und gar nicht übereinstimmt,
fordert der Wunschsatz den Konjunktiv II
des Verbs: hörte auf, aufhörte, spräche,
besäße, würde.
(Der Konjunktiv II wird vom Präteritum des Verbs gebildet.)
Diese Form des Wunschsatzes wird mit einem Ausrufezeichen
beendet.
Man stelle sich vor, es sei Frieden überall.
Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. (Goethe)
In diesen Beispielen wird der Wunsch etwas leiser, nicht
so stark emotional geäußert. Darum steht an seinem Ende auch
nur ein Punkt. Auch die finite Verbform
steht - wie im Aussagesatz - an zweiter Stelle. Als Modus des
Verbs genügt der Konjunktiv I: stelle, sei.
(Der Konjunktiv I wird vom Präsens des Verbs gebildet.)
5. Der Ausrufesatz
Nur starke Gefühle können uns dazu bringen,
etwas auszurufen: begeisterte Zustimmung, Bewunderung oder Verwunderung,
Widerwillen, Aufregung oder Entsetzen. Diese emotionale
Bewegung wird in Ausrufesätzen meist durch emotionsstarke
Adjektive oder Verben getragen und mit einem Ausrufezeichen gekennzeichnet.
Stimmführung und Lautstärke entfalten die bewusst oder unbewusst
beabsichtigte Wirkung.
Wie Gefühle Grenzen übertreten und Regeln missachten, ist auch
im Ausrufesatz fast alles möglich:
Das hast du (aber) toll gemacht!
Rein formal sieht das wie ein Aussagesatz
aus. Das Ausrufezeichen verrät
uns aber, dass dieser Satz mit dem Gefühl der Bewunderung (Adjektiv
toll!) gesprochen werden muss, also betonungsmäßig über
den Aussagesatz hinausgeht.
Verkürzt ist der Ausrufesatz oft noch wirkungsvoller:
Toll gemacht!
Je nach Situation könnte das aber auch ironisch
gemeint sein. Es könnte heißen: Das ist dir gründlich
misslungen und darüber ärgere ich mich jetzt.
Doch wenn Gefühle im Spiel sind, hat man nicht die Zeit, so viel
zu sagen. Man ruft eben etwas aus, was die gleiche Botschaft trägt.
Ist das hier eine Kälte!
Der Wortstellung
nach wäre das eine Frage, genau genommen eine Entscheidungsfrage.
Doch der Sprecher erwartet keineswegs ein Ja oder Nein, denn für
ihn ist es keine Frage. Ihm ist kalt, und wie! Er möchte seinen Widerwillen
gegen die Kälte zum Ausdruck bringen. Darum spricht er den Satz mit
einem Ausrufezeichen, er ruft ihn aus.
Auch manche Substantive/Nomen drücken Gefühle aus: Kälte,
Ärger, Wut, Hunger, Freude, Spaß. Sie passen gut in Ausrufesätze.
Wie mich das aufregt!
Dieser Ausrufesatz
beginnt mit einem Fragewort.
Doch der Ausrufer fragt nicht. Wie ihn das aufregt, weiß er selbst
am besten, denn das Gefühl der Aufregung, der Abneigung, des Widerwillens
ist ja in ihm. Vielleicht ist auch gar keiner da, den er fragen könnte,
denn er muss den Ausruf nicht unbedingt an einen Gesprächspartner
richten. Ausrufen kann man, auch wenn man ganz allein ist.