
Einige Erscheinungsformen der Sprache
Die Sprache ist eine vielseitige Erscheinung. Sie enthält (unter
anderem):
Soziolekte
Mitglieder von Sprachgemeinschaften sind in soziale Gruppen eingebunden.
Solche sozialen Gruppen sind z. B. Familie, Freundeskreis, Arbeitsteam,
Sportgruppe, Ausbildungsgruppe. Diese sozialen Gruppen bilden häufig
einen bestimmten Wortschatz und damit
gewisse sprachliche Eigenheiten aus.
Gruppensprachen, sogenannte
Soziolekte, grenzen die Gruppen nach außen hin ab. Andererseits
festigen sie den inneren Zusammenhalt und stärken die Gruppenidentität.
Jugendliche betonen mit einer ihnen eigenen Sprache, sich von den Erwachsenen
abzugrenzen.
Beispiele für Jugendsprache:
"Der is prollig." - abwertend für braun gebrannte Muskeltypen
"Auf jeden." - heißt: auf jeden Fall
Die Menschen als soziale Wesen bewegen sich natürlich nicht nur in
einer einzigen Gruppe, sondern sind in der Familie, durch Sport, Politik,
Beruf in verschiedene Gruppen eingebunden. Je nachdem, innerhalb welcher
Gruppe der Mensch agiert, wird er sich auch sprachlich an der Gruppe orientieren.
Sein Sprachverhalten ist
so von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Es ist ein Unterschied,
ob innerhalb einer Wandergruppe angeregt geplaudert wird oder eine Besprechung
mit dem Direktor oder ein Bewerbungsgespräch im künftigen Betrieb
stattfindet.
Fachsprachen
Nicht nur soziale Gruppen bringen eigene Sprachformen
hervor, sondern auch Berufs-, Fach- und Sachbereiche. Hier entwickelten
sich vor allem in wissenschaftlich-technischen Bereichen, im Handwerk,
in der Medizin, in juristisch-verwaltungstechnischen Bereichen und im
Medienbereich sowie in sportlichen Disziplinen Fachsprachen.
Die Fachsprachen sind dazu angetan, Sachverhalte genau, eindeutig und
sachbezogen zu benennen. Besonders in der Gegenwart stehen Fachsprachen
in Wechselwirkung mit der Umgangssprache und zum Teil Standard-(Hoch-)Sprache.
Charakteristisch für Fachsprachen ist die Verwendung exakt definierter
Begriffe.
Ziel der Verwendung von Fachsprachen ist Eindeutigkeit, deshalb sind ihre
Kennzeichen:
Zu Definiertheit: Im Fachtext
werden neben den Wörtern der allgemeinen Sprache fachsprachliche
Termini verwendet, die es erlauben, mit einem Wort fachliche Zusammenhänge
zu bezeichnen.
Zu Neutralität: Neutralität lässt sich über die Formulierung
im Passiv hinaus mit verschiedenen unpersönlichen Formulierungen
zum Ausdruck bringen.
Mit passivischen Konstruktionen, aber auch durch Einsatz von Zitaten und
durch die Anwendung von Argumentationsmustern lässt sich Distanz
ausdrücken.
Zu Distanziertheit: Mittel zum Ausdruck der Distanz sind der Konjunktiv
und die indirekte Rede.
Zu Objektivität: Ziel eines Fachtextes ist es, eine Sache präzise
und möglichst subjektunabhängig zu beschreiben. In einem Fachtext
werden verschiedene Aspekte aufgezeigt, kontroverse Meinungen berücksichtigt
und Quellen angegeben. Dies kommt
u. a. darin zum Ausdruck, dass Zusammenhänge aufgezeigt und Quellen
transparent gemacht werden.
Die Fachsprache hat also nicht nur einen anderen Wortschatz, sondern
vor allem in ihrer schriftlichen Form einen objektiven und neutralen Stil.
Hier ergeben sich aber auch Berührungen mit der Standardsprache.
Beispiel für Fachtext:
Triglyceride setzen sich aus einem Glycerin und drei
Fettsäuren zusammen. Über die am Ende einer jeden Fettsäure
befindliche Carboxylgruppe (-COOH) ist die Fettsäure durch eine
sogenannte Esterverbindung mit dem Glycerin verbunden.